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Spielrezension: Rock’n Rodeo – Der Festivalmanager (Brettspiel)

8 Januar 2018

Wer hat sich noch nicht Gedanken über ein eigenes Festival gemacht? Welche Bands würde man spielen lassen? Wo würde man es ausrichten? Wie viel Geld bräuchte man? Und, und, und… Die Planung geht ins unermessliche und zum Schluss macht man es doch nicht.

Mit Rock’n Rodeo kann man immerhin mal eine Simulation nachspielen und ist vermutlich überrascht, an wie viele kleine Details man denken muss.

Rock’n Rodeo war einst ein Startnext-Projekt von Matthias Stark, welches im Januar 2014 erfolgreich endete und das Spiel somit auch kommerziell produziert werden konnte. Mittlerweile ist es bei allen gängigen Online-Händlern im Durchschnitt für knapp 35 Euro erhältlich und somit sollte man das Spiel doch einmal genauer betrachten und schauen, was so eine Organisation eines Festivals denn beinhaltet und natürlich auch, wie man diese Idee in ein Brettspiel umgesetzt hat.

Der Spielaufbau ist schnell erklärt. Jeder Spieler zieht eine Festivalkarte (ja , entscheiden kann man leider nicht, welches Festival man organisiert) und dann werden die Punktekarten, die Camping- und Parkplatzkarten, sowie die Startstände werden verteilt. Weiterhin gehört zum Start ein Budget von 8.000 Euro. Danach wird gebucht (mit etwas Glück spielt sogar Motörkopf auf dem Festival), eine Running-Order festgelegt, weitere Upgrades wie Security, Duschen, Merchstände und so weiter gekauft (wenn man denn das Geld noch hat) und dann folgt ein 3-Tages-Festival, bei dem unterschiedliche Fans (Indies, Hippies, Punks, Metalheads) anreisen, die allesamt unterschiedliche Wünsche bezüglich des Campings, der Versorgung und natürlich auch der Musik haben. Dabei kann die Stimmung steigen oder ganz schnell in den Keller gehen, ebenso könnte es zu schmutzig oder chaotisch werden und man muss versuchen eine Balance zu finden. Dazu schickt man die Fans zur Bühne oder lässt sie am Merch shoppen oder Bier trinken. Die Security dämmt Chaos ein, durch Duschen stinkt es weniger auf dem Gelände. Und ja auf all das muss man Rücksicht nehmen, wenn man erfolgreich sein will. Am Ende wird abgerechnet und es gibt Budget für das neue Jahr und Siegpunkte. Und dann geht es von vorne los und nach 3 Jahren folgt dann die Gesamtabrechnung und der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt. Klingt komplex, ist es auch. Aber es macht Spaß! 🙂

Die angegebene Spielzeit von 60-150 Minuten (abhängig von der Spielerzahl) wird bei den ersten Spielen weit überschritten, denn bis man sich in alle Funktionen und Karten eingelesen hat, den genauen Ablauf versteht, jeder seine Bands und alles was dazu gehört gebucht hat, können die Stunden schnell dahinziehen. In meinem Falle hat es bei zwei Spieleabenden immer über 4 Stunden gedauert, bis das Spiel zu Ende war. Aber das ist auch gleich das besondere bei Rock’n’Rodeo. Es ist ein Spiel, bei dem man ganz schnell zu seinen eigenen Festivalerfahrungen Parallelen zieht und in Erinnerungen schwelkt, denn die Ereignisse im Spiel kennt man auch aus der Realität.

Beispiel: Man reist an und stellt fest, die Zeltnachbarn sind „so gar nicht toll“, dann sinkt erst mal die Stimmung. Und das passiert auch hier. Die Fankarten, die man während der Bookingphase erhält, zeigen ganz genau an, neben wem die Besucher zelten wollen. Wird das nicht erfüllt, geht der Daumen nach unten und die Stimmung sinkt im Spiel. Irgendwann findet man sich aber mit der Situation ab und der Daumen geht wieder nach oben. Wer kennt das nicht? 😉

Genauso können Bands nicht gleichzeitig auf mehreren Festivals spielen. Hat man ein Auge auf eine Band geworfen, die super in sein Festival passen würde, sollte man still sein, denn Mitspieler könnten sie einem vor der Nase wegschnappen und dann muss man nehmen, was da ist. Auch auf’s Geld muss man dabei stets achten. Große Bands ziehen mehr Fans, kosten aber auch mehr. Und es ist nie gewiss, ob auch genügend Fans vorhanden sind, die dann noch zum Festival kommen können. Sprich: Das klassische Spiel der Angebot und Nachfrage wurde hier genauestens umgesetzt. Ein Trost: Zur Not kann man immer noch eine Garagenband spielen lassen, die zahlen selbst für ihren Gig und bringen einen Fan mit, den man selber bestimmen kann. Hach ja, Kommerz ist wunderbar.

Das Spiel ist wirklich mit sehr vielen liebevollen Details versehen. Allein die Darstellung durch Comicfiguren verleitet einen dazu, sich jeder Karte erst mal genau anzuschauen. Dazu gibt es immer einen flotten Spruch, wie bei der Metalband Ossarium „Wir sind nicht alt, wir sind oldschool!“ oder der Black Metaller, der sich gerne ein Brotmesser ausleihen will. Man gerät einfach immer wieder ins Schmunzeln.

Man könnte hier stundenlang noch weiter auf die Details eingehen, aber das sollte man wirklich selber herausfinden und einfach genießen. Natürlich darf bei einem Festival unvorhersehbare Ereignisse nicht fehlen. Und dafür gibt es Ereigniskarten. Gut, auf Wetter-Probleme hat man verzichtet, aber dafür kann man andere Mitspieler ärgern und zum Beispiel „WIXI“-Klos umwerfen, so dass der Campingplatz weiter verschmutzt oder man schickt einem politische Randgruppe und der betroffene Spiele hat mehr Chaos, wodurch wieder mehr Müll entsteht und somit steigen Kosten oder noch schlimmer Fans reisen ab. Und auch Fans, die anreisen, können Probleme mit sich bringen. „Helgaschreier“ verursachen durch monotones Schreien schlechte Stimmung, Festivaljunkies schleppen gleich ’ne Couch mit und verursachen so noch mehr Müll und Punker klettern auch mal gerne über den Zaun und bringen einen zusätzlichen Fan mit, den man erst mal unterbringen muss. Doch Fans können auch positives bewirken. „Alt 68er“ erzählen gerne Geschichten von damals, Startnext-Supporter oder Sponsorenverträge während des Bookings bringen Extrageld usw. Man sieht ein mal mehr, es gibt also viel zu entdecken, und ja ein wenig fühlt man sich wie ein Eventmanager, der immer wieder mit neuen Dingen konfrontiert wird, selbst wenn man denkt: „Jetzt läuft es gerade richtig gut“.

Fällt auch etwas negativ auf? Nun ja negativ muss man das nicht bezeichnen, doch die Anleitung ist sehr komplex aufgebaut und an manchen Stellen sogar verwirrend. Man hätte einige Passagen kürzen oder besser platzieren können, denn dadurch würde man zu Beginn schneller ins Spiel kommen und muss nicht immer wieder zwischen den ganzen Zeiten hin und her zublättern. Es empfiehlt sich, wie es der Name ja verrät, zunächst die Einstiegsversion zu spielen, bei der dann z. B. zusätzliche Punkte wie Gebühren für Bands wegfallen. Es braucht eben seine Zeit, aber das ist ja in der Realität auch nicht anders, man schüttelt es nicht einfach aus dem Ärmel, sondern es sollte durchdacht sein.

Doch wie bereits erwähnt, wirklich negativ ist das nicht und die Zeit vergeht wie im Fluge. Für die ganz harten Spieler und späteren Fans muss nach Tag 3 nicht mal Schluss sein. Für eine 4. Saison könnte man zumindest noch weiterspielen, auch wenn dann der Campingplatz knapp wird 😉

Fans von Strategiespielen können hier getrost zuschlagen, denn obwohl die Box recht überschaubar ist, entpuppt sich das Spiel mit jedem Spielzug als eine Herausforderung des eigenen Denkvermögens, wobei auch das Glück eine entscheidende Rolle spielt. Rock’n Rodeo ist jedenfalls ein hervorragender Garant dafür, einen Abend mit Freunden, ein paar Getränken und vielen Festival-Erinnerungen zu Schmücken und dabei selbst ein bisschen Eventmanagementluft zu schnuppern. Das Schöne hierbei: Ein Festival kann nicht Pleite gehen und das ist leider in der Realität nicht immer so.

Hier noch ein Video, in dem das Spiel nochmal präsentiert wird:

https://www.facebook.com/RocknRodeoSpiel/

 

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