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Psychaotic Interview

21 September 2017

PsychaoticBerlin ist schon seit vielen Jahren eine Brutstätte für hochklassige Death-Metal-Bands. Und Psychaotic stellen für mich ein besonderes Highlight unter den Neuentdeckungen dar. Ihr selbstbetiteltes Debüt hat eingeschlagen wie eine Bombe, weshalb ich gleich einen Platz auf dem nächsten Eternity Podcast reservieren musste und kurzerhand ein paar Fragen an Peter (Gitarre), Kalle (Drums) und Jens (Vocals) rausgeschickt habe…

Hallo Psychaotic! Wie läuft es bei euch? Beginnen wir mit der Bandgeschichte. Wer hatte wann die ausgesprochen gute Idee zur Bandgründung und warum?

Peter: Läuft immer geradeaus! Die Bandgründung war mehr Zufall als eine Idee. Kalle und ich  zocken seit knapp zehn Jahren zusammen. Vor Psychaotic waren wir in der mittlerweile aufgelösten Band Natural Born Grinders tätig. Leider gab es da kreative Schwierigkeiten und wir haben uns von dem Sänger-Duo Alex und Uwe getrennt.
Anfang 2015 haben wir dann einen Bassisten und einen Sänger gesucht, einfach mal blind drauf losgelegt. Erst ist Liviu als Bassist dazu gekommen. Im August 2015 haben wir bei einem D.E.P.-gig zufällig Jens getroffen, gleich angefragt (richtige Defeated Fan Boys 😉 und ihm kurz darauf Demos geschickt. Er hat sofort zugesagt. Der erste Gig mit Psychaotic fand dann am 31. Dezember 2015 in der Jägerklause statt. Erst Vor kurzem mussten wir uns leider von Liviu trennen und haben anschließend Tom von Exxperior mit ins Boot geholt.

Kalle: Ich würd’s cool finden, wenn jetzt jeder eine andere Geschichte erzählt, sodass am Ende gar nichts mehr klar ist. Also mir persönlich war der Berzerker Drumcomputer einfach zu langweilig, also habe ich dem Kratos gekündigt und die Band aufgelöst. Dann habe ich Infant Annihilator meine Demos geschickt und als die mich nicht wollten, habe ich mein eigenes Ding gestartet und irgendwelche hängengebliebenen Semiprofis rangeholt. Ist halt ne andere Geschichte.

Peter: Opfer des Todes! 😀

Jens: Ich kannte die Jungs ja vorher auch schon ne Weile, und war halt einfach von den Songs total geflasht, da musste ich einfach zusagen. Außerdem werte ich die Band auch optisch auf!

Peter: Auf jeden!

Wie wäre es mit einer kleinen Vorstellungsrunde der Psychaotic Mitglieder?

Peter: Gitarrist, Bassist, Rapper, Produzent, hängengeblieben. Sucht sie, Flötistin, Contrabassistin, Domina, Dozentin, liegengeblieben.

Kalle: Spielt gerne Schlagzeug, Zocker (Metal Gear Online (Platz 8 auf X-Box-Weltrangliste altaaa), Fallout, Mass Effect), Filmenthusiast, Blümchen – und Abba Fan, ohne Spaß.

Jens: Sänger, Schlagzeuger, Künstler. Hab vorher bei Defeated Sanity, Sinners Bleed und Derogation (UKR) gesungen. Hobbys: Horrorfilme, Metal, Literatur & Comics (Deadpool, Spawn, Batman, The Darkness, etc.) und Fisten!

Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?

Peter: Alles Kalles Schuld. Ernsthaft, wir hatten eine Liste mit schön beknackten Namen und Kalle hatte einfach die besten Ideen. Am Ende haben wir uns für Psychaotic entschieden.

Kalle: Northkorean Rescue Pack, Payable Organs, Gorebag… könnta haben, für lau…

Jens: Hat einfach am besten zum  „Konzept“ gepasst. Chaos kennt keine Grenzen! Und genauso wenig wollen wir uns einschränken. Wir machen worauf wir Bock haben und scheißen auf Schubladen. Aber trotzdem haben wir nen Plan.

Euer Logo ist von Christopher Horst. Warum habt ihr euch gerade für diesen Designer entschieden?

Kalle und Peter: ARCHSPIRE!!!

Jens: Der macht halt einfach geile Logos!!!

Ist „urban style brutality“ eure Stilbeschreibung? Wäre auch ein guter Titel für die Scheibe gewesen, oder?

Peter: Es ist eine Art Schlachtruf, welcher sowohl den Inhalt der Texte, als auch die vielfältigen Genres die wir einfließen lassen, umreißen soll. dazu mal ein Ausschnitt aus dem eigens kreierten „Pressetext“:

„The eclectic lyrical content addresses a variety of socially critical themes in politics, society and spirituality.
Further, it implies how reality is shaped by individual perception and depth of self-awareness. The band’s place of origin – Berlin in Germany – sets the scene for the varied topics and genres. The music, lyrics and slogan “Urban Style Brutality“ conjoint reflect the versatility of this multi-cultural and disparate city. At times the intensity overwhelms to the point that it can feel excessive, disturbing and even destructive. Acknowledging the complex diversity of city life and criticizing those, who are ignorant to its existential challenges is a delicate balancing act that is expressed in the lyrics. The dirt and dust of the urban atmosphere is audible in the harsh, dissonant sounds. The relentless pressure and hectic Zeitgeist is palpable in the music, the hard-edged asphalt can be felt.“

Kalle: Ja, finde ich persönlich ziemlich doof.

Peter: Haha, bester Mann! Ja vielleicht überdenken wir das nochmal 😉

Jens: What Pedda said! Jaja, Kalle hats nee so mit Englisch. (lacht)

Apropos Scheibe, ihr habt im Februar diesen Jahres euer Debüt veröffentlicht. Wie war das Feedback bisher?

Peter: Durchweg positiv, natürlich bisweilen in einem kleinen Rahmen. Von den Leuten, die tatsächlich reingehört haben, habe ich nur Gutes gehört. Danke!

Kalle: wir haben tatsächlich auf Youtube einen Disliker. Ein halber Hater ist aber auch ein halber Fan.

Jens: Sehr jut! Wir brauchen nur noch mehr Medienpräsenz, etc…..kommt aber allet noch 😉

Wie lief die Release Party aus eurer Sicht? Aus Zuschauersicht gab es nichts zu meckern. Oder war das der Abend, an dem das Bier in der Linse alle war? Weiß ich nicht mehr genau. Egal, ich fand es gut!

Peter: War übertrieben spaßig! Und ja, das war der Abend, an dem kurz vor unserem Gig das Bier alle war. Trotzdem sind fast alle Bierdurstigen geblieben und haben sich unsere Show reingezogen. War echt ne geile Nummer, danke an alle!

Seid ihr mit dem Album zufrieden? Habt ihr Lieblingssongs auf der Scheibe?

Peter: Ich finds üblzt Brett! Meine Lieblingssongs sind Impemanence, From Deep Down Below und Reappear.

Kalle: Ich finde das Outro echt toll, vor allem der Moment wenn es vorbei ist und endlich Ruhe eintritt. So ein bis zwei gute Songs sind da vielleicht auch drauf 😉 Winterschlaf, Impermanence und Delusions Of Grandeur (einfach nur weil da ein 300bpm Blast drin ist) sind auf jeden Fall vorzeigbar.

Jens: Impermanence, Hammer Smashed Face (ach nee, dat war wer anders) Delusions Of Grandeur, Reappear, God Live As A Devil Dog……. ach eigentlich alle. Macht Spaß zu spielen und zu hören.

Möchtet ihr was über die Aufnahmen zum Debütalbum erzählen?

Jens: Nö!

Peter: War ein langwieriger Prozess. Zuerst sollte das Ganze ja noch unter dem Namen Natural Born Grinders erscheinen. Wir haben im September 2014 mit den Aufnahmen begonnen, also erstmal Schlagzeug und Gitarre. Nach dem Besetzungs- und Namenswechsel hat es sich dann noch eine Weile verzögert. Mitte 2016 war dann letztendlich alles im Kasten. Das ganze wurde von Karl Rix in seinem eigenen Studio aufgenommen, editiert, gemixt und gemastert. Er hat also das volle Programm übernommen und hat jetzt glaube ich keinen Bock mehr auf Deathmetal 😀 Er hat auf jeden Fall die monströseste Danksagung von allen verdient!

Kalle: Karl rulez!

Wie läuft das Songwriting bei euch ab?

Peter: Unterschiedlich. Manchmal haben wir eine spontane Idee während einer improvisierten Jam Session, aus der wir dann einen Song machen. Oder Kalle hat eine Idee für einen Rhythmus, an den ich dann das Mainriff anpasse. Oder es entsteht zuerst die Idee für eine tragende Melodie. Wir brauchen zunächst einen Aufhänger oder ein Motiv und bauen dann anschließend alles Andere drum herum.

Wovon lasst ihr euch beeinflussen?

Peter: Von allem! Und ARCHSPIRE!!!

Kalle: Damals vom Berzerker Drumcomputer (ohne Spaß, ich liebe dieses Ding, alle Platten), Spencer Prevet (ARCHSPIRE!!!), Braindrill, Origin, Nasum, Misery Index, Korn, Slipknot, Rammstein

Psychaotic

Wovon handeln eure Texte?

Peter: Sehr breit gefächert (siehe Pressetext oben).

Jens: Von dem alltäglichen Scheiß, der jeden Tag in der Welt passiert.  Mir macht es aber auch einfach Spaß mit Worten und Mehrdeutigkeit zu spielen und psychologische Themen in bluttriefende Symbolik zu verpacken.  Aber in erster Linie von den Abgründen der menschlichen Seele und Psyche. Kulturellen Kontroversen, etc. No political Bullshit!!!

Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Stilmix in „Winterschlaf“?

Kalle: Wir haben den Song damals mit Natural Born Grinders auch gespielt und der Rap-Part wurde von unserem Sänger Alex übernommen, allerdings auf English und mit einem anderen Text.

Peter: Wir wollten gezielt Crossover ausprobieren und hatten dieses stampfende Mainriff. In den Versen haben wir dann schräge Gitarrenläufe verbaut, die in Kombination mit dem Groove zum rappen eingeladen haben. Da ich selber unter dem Namen PHaZe Rapmusik produziere, hat sich dieser Stilmix einfach angeboten. Es war auch eine gute Herausforderung. Den Text hatte ich schon früher geschrieben, quasi für diesen Song recycelt und er passte auf Anhieb (magic-moment-mäßig), auch im Zusammenhang mit den lyrics von Jens. Mir ist bewusst, dass man sich damit auf dünnes Eis begibt, da viele Metalheds damit nichts anfangen können. Jedoch wollten wir auch zeigen, dass es cool klingen kann, wenn man sich darauf einlässt und das Rap inhaltlich weit mehr zu bieten hat als Gangstagelaber und Frauenfeindlichkeit. Hat meiner Meinung nach auch wunderbar funktioniert. Jedoch ist der Song in der Liveperformance schwierig, da sich gleichzeitiges rappen und Gitarre spielen für mich nicht so gut verträgt.

Man kann euer komplettes Album über YouTube anhören. Warum habt ihr euch dafür entschieden?

Peter: Finden wir gut. Da wir erst am Anfang sind und mit geringer Reichweite rechnen, ist uns jeder Kanal willkommen, der unsere Musik einer potentiell größeren Hörerschaft zugänglich macht. Der Kollege von Metal Crypt Promo hat auch ganz artig vorher angefragt und wir haben abgesegnet. So erreichen wir Leute, die durch unsere hauseigenen Reichweite nie auf uns aufmerksam geworden wären. Da es bisweilen noch keine offiziellen Internetvertrieb der Platte gibt, kommt uns das gelegen. Ansonsten könnte man unsere Platte halt nur bei den Gigs oder direkt über uns beziehen.

Ihr habt ja letztes Jahr auf dem Thrash Insanity und auf dem Berlin Swamp Fest gespielt und dieses Jahr u. a. auf dem Gahlen Mosht Open Air. Gibt es irgendwelche lustigen oder interessanten Stories dazu? Und auf welchem Festival würdet ihr gern spielen?

Peter: Oh Shit, die meisten Storys sollten wir gar nicht erzählen! Denkwürdigster Moment beim Gahlen Mosht: Kurz vorm Gig hat es böse angefangen zu regnen und die Bühne ist ordentlich abgesoffen. Kalle hat hinterm Schlagzeug ’ne schöne Dusche abbekommen und es ist die ganze Zeit Wasser über die Amps und Monitore gelaufen. Eigentlich ziemlich gefährlich (die Tontechniker sind pausenlos kopfschüttelnd umhergetobt und haben übelst gerödelt, um das Ganze unter Kontrolle zu bringen) aber wir haben trotzdem durchgezogen, war fett! Größter Dank an die Crew! Im Prinzip sind uns alle Festivals lieb, die uns spielen lassen! Bucht uns! Wir haben Bock! Im nächsten Jahr spielen wir übrigens auf dem Holsteiner Death Fest, wird killa!

Kalle: Ich mag das Auenland Festival!

Jens: Joa, Deathfeast, BDF, Protzen, etc, wär schon geil. Sind wir aber dran. International geht hoffentlich auch noch was.

Sehr cool war auch das Konzert mit Profanity und Dehuman Reign im Tommyhaus! Hat mich sehr gefreut, dass ihr in das Billing reingerutscht seid. Profanity, die sogar schon im Eternity #1 waren, haben ja auch ein fettes neues Album am Start. Welche Alben hört ihr momentan besonders gern?

Peter: Danke! War auch einer unser besten Gigs bisher. Die Jungs von Profanity fetzen, obwohl ich glaube, dass ich denen im Suff mies das Ohr abgekaut habe 😀 Sorry! Ich höre zur Zeit viel Rap und ab und zu klassische Musik. Bohren hat es mir auch brutal angetan, das Zeug ist richtig entspannend. Jinjer sind krass! Und Babymetal, nicht ernsthaft aber ja… so halt! Den aktuellen Metalshit kann ich mir dann immer bei Kalle reinballern. Er hält mich auf dem neusten Stand. ARCHSPIRE!!!

Kalle: Cephalic Carnage, Jinjer, In this Moment, Marylon Manson, Blümchen (ooohne Spaß), Psyopus, ARCHSPIRE!!! Infant Annihilator, Kilimanjaro Dark Jazz Ensemble, Acacia Strain, Cinematic Orchestra, Phantom Winter/Omega Massiv, Butcher Babies, Abnormality, Eths.

Jens: Ich hör gar nicht soo viel neuen Kram! Suffocation (geht immer), Carnal Decay – you owe, you pay, Disentomb, alte Slayer, Gojira, Disgorge(US), Devangelic und random brutal Stuff……

Warum spielt ihr nicht auf dem Berlin Death Fest? Okay, ist nicht wirklich ernst gemeint die Frage. Wir haben hier neulich nur festgestellt, dass ihr da eigentlich noch fehlt.

Peter: Yo stimmt. Sehr gute Frage, mal an die BDF Crew weiterleiten 😀 BDF, bucht uns!

Jetzt könnt ihr gern Werbung für eure anderen Bands/Projekte machen.

Peter: Wie oben schon angeschnitten PHaZe, aber wen interessiert das eigentlich… Ich spiele noch Bass in der Band von Dazzle (och so´n Sprechgesangskünstler) und natürlich nach wie vor Gitarre bei Jehacktet. Da soll ja och irgendwann mal wieder wat rauskommen, hab ick jehört… man munkelt…

Kalle: Exxperior!

Was haltet ihr von der Metal Szene in Berlin?

Peter: Zu meiner Schande muss ich zugeben, dass ich da gar nicht so intensiv involviert bin. Ich kenne ein paar Bands und davon finde ich auch nahezu alle gut. Man sieht sich auf Konzerten, spielt Gigs zusammen und hebt ein paar Biere. Mit einigen hat man mehr zu tun, mit anderen weniger. Aus meiner Sicht ist der Zusammenhalt größtenteils vorhanden, jedoch kann ich hier nur ein subjektives Urteil abgeben. Es gibt halt auch seltene Nachteile, oft in Zusammenhang mit Neid und Missgunst.

Kalle: Ick mag die Szene, geile Leute!!! Nullnummern haste auch in jeder Szene, aber unwichtig.

Jens: Ich bin großer Fan der Berliner Szene! Da ich aber auch Hinz und Kunz kenne, bin ich bei ganz vielen mit dabei und unterstütze es. Berlin kann schon was in Sachen Bands, Veranstaltungen, Metal-Support!

Habt ihr schon neue Songs und wie sehen die Zukunftspläne für Psychaotic aus?

Peter: Wir arbeiten an neuem Material. Dazu haben wir vor kurzem auch ein Video hochgeladen. Es sind jedoch noch keine Aufnahmen geplant. Ansonsten wollen wir öfter auf Bühnen präsent sein. Zocken, zocken, zocken! Bucht uns!

Letzte Worte?

Peter: Humor ist eine ernste Sache, da verstehe ich keinen Spaß und da macht man auch keine Witze drüber! äääääh… ansonsten… Winter is here! und öööhm… BUCHT UNS! ach so und… äääääh… ARCHSPIRE!!!

Kalle: In einer Wolke aus Liebe fliege ich durchs Überall.

Jens: Keep Tt Real und danke für das Interview!

 

Mehr über Psychaotic bei Facebook.


[Review zu Scheibe.]

[Nächster Gig in Berlin am 31. Oktober 2017 mit Steorrah undTears Of Fire. Infos hier.]

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