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Prophecy Fest 2016

16 August 2016

12928416_10153617551298207_515827934400295410_nMit dem Zug Richtung Süden geht es Donnerstag kurz vor 11:00 Uhr los. Versunken in die Sounds von Alcest und Les Discrets wandelt sich nach und nach die Landschaft. Es wird felsiger und grüner. Für ein Nordlicht immer wieder ein wunderschöner Anblick. Dann ab der Hälfte der Strecke macht die Deutsche Bahn nicht mehr mit und es heißt eine Stunde warten. Alles weiter nicht schlimm, denn durch die lange Wartezeit lernt man nette Leute kennen, die ebenfalls zum Festival wollen. Man tauscht sich über Musik aus, spricht über seine Erwartungen und wie natürlich findet sich so eine Camp-Gruppe zusammen.

In Balve wird man am späten Nachmittag von strömenden Regen empfangen. So verzögert sich das Zeltaufbauen und um den Opening-Act Mirna’s Fling zu sehen wird es jetzt echt knapp, zumal man zur Hönnetalhalle (der zweiten Konzert-Location des Festivals) auch noch eine gute halbe Stunde laufen muss. Der Campground liegt direkt am Fuße des bewaldeten Hügels in dessen Innerem sich die Höhle befindet. Bei der Ankunft stehen hier nicht einmal dreißig Zelte – Also sehr entspannt. Die Atmosphäre ist international, denn von überall her dringen die verschiedensten Sprachen ans Ohr: Deutsch, Englisch, Niederländisch, Französisch, Spanisch… Eine interessante Mischung.

Nach einigen Schwierigkeiten den Weg zu finden, ist die Hönnetalhalle in Sicht. Die Worte „Glaube, Sitte, Heimat“ prangenIMGP2262 in Fraktur-Schrift über dem Ausgang der Halle, welche ein bisschen Schul-Aula-Charme versprüht. Naja, es ist halt auf dem Lande und ohnehin ist man ja wegen der Musik hier… The Good Hand, die zweite Band des Abends hat bereits zu spielen begonnen. Allzu viele Leute haben sich noch nicht eingefunden, aber dennoch sieht man den ein oder anderen wippenden Kopf. Der Stoner-Rock der Niederländer wirkt gekonnt und dennoch mit Elan gespielt, besonders der Drummer hat sichtlich Spaß auf seinem Instrument rumzuhauen. Man fragt sich, was die Tuba denn da auf der Bühne soll. Das Instrument ist schließlich nicht unbedingt für Rock bekannt. Der Sänger nimmt sie dann aber wie selbstverständlich zur Hand und groovt sich in die Musik ein und versprüht einen Hauch von Jazz.

IMGP2301Mit Alvenrad betritt die letzte Band des Abends die Bühne. Es ist ihr erster Live-Auftritt. Die Gruppe besteht zu einem guten Teil aus Mitgliedern von The Good Hand und Mirna’s Fling, denn alle drei Acts sind miteinander befreundet. Die Publikumsmasse hat sich mittlerweile etwas verdichtet und spätestens nach den ersten paar Liedern, wohl auch befeuert durch die niederländischen Hardcore-Fans, ist gute Stimmung im Publikum. Fäuste und Pommesgabeln recken sich der Band entgegen, die eine gute Show abliefert. Zwischendurch lassen sich auch ein paar Zuschauer hinreißen und nutzen den Freiraum vor der Bühne zum Pogen. Man merkt, dass das Publikum mit so einem energetischen Konzert nicht gerechnet hat.

Der Tag danach beginnt früh. Lautstark melden sich Ziegen von einer benachbarten Weide mit durchdringenden Rufen. Die Goats Of Doom werden auch für die nächsten zwei Tage einen Wecker überflüssig machen. Nachdem man sich aus dem Zelt gekämpft und einen Happen gegessen hat, wird endlich die sagenumwobene Balver Höhle inspiziert. Über dem Eingang weht das Festivaleigene Banner. Drinnen ist es größer als erwartet. Die Wände werden durch Scheinwerfer in farbenfrohes Licht getaucht und aus Lautsprechern tönt Empyriums „Turn Of The Tides“. Im hinteren Teil verzweigt sich die Höhle und bietet den Merchandise-Ständen und der Ausstellung von Fursy Teyssier Platz.

Auf der Bühne stehen schon eine Menge Instrumente: Trommeln, Gongs, ein Xylophon, Drehleier und weiteres Schlagwerk. IMGP2376Die Musik, die Hekate gegen Nachmittag darauf zum Erklingen bringt ist mächtig (mighty, intenso). Dessen ist sich das Publikum nach dem Konzert sicher. Die Mischung aus meditativen Folk und pathetischen Trommel-Rhythmen hypnotisiert die Menge geradezu.

IMGP2459Auf den Auftritt von Germ hat das Publikum sehnlich gewartet – die Australier sind wohl bekannter als angenommen. Beim ersten Song übernimmt Audrey Sylvain den Gesang. Obwohl es die Ex-Amesoeurs Sängerin dem Anschein nach sehr eilig hat, wieder von der Bühne herunter zu kommen, verteilt sie jedoch nebenbei noch CDs an die vorderste Reihe. Den Rest des Konzertes übernimmt der Hauptsänger mit seiner markerschütternden Stimme die Vocals. In die cleanen Parts stimmen viele mit Inbrunst ein. Gefeiert wird auch der Song „Just For A Moment“, den Kenner sofort als Austere Cover identifizieren.

Zufrieden schlendert man anschließend zum Merch oder zum Catering und es kursiert das GerüchtIMGP2512 eines möglichen Amesoeurs Reunion-Gigs, denn alle ehemaligen Mitglieder sind anwesend. Die Lieder von Les Discrets, die als Nächstes die Bühne betreten, entfalten krasse Power. Alle Musiker sind sehr leidenschaftlich dabei. Songs wie „L’Échappée“ oder „Les Feuilles De L’Oliver“ haben eine ganz andere Intensität als auf Platte und „Song For Mountains“ endet in einem Doublebass-Gewitter, dass einem der Atem wegbleibt. Auch die drei Songs von ihrem kommenden Album „Prédateurs“ gefallen und haben einen deutlichen Post-Rock-Anstrich. Das erste Mal hat man zudem das Gefühl, dass eine Band aktiv mit dem Publikum in Kontakt tritt und sich nicht allein auf ein „Thank you“ am Ende beschränkt.

IMGP2592Iron Mountain, welche erst vor ein paar Monaten von Prophecy unter Vertag genommen wurden, sind wohl noch nicht so bekannt. Vielleicht schwingt auch ein bisschen Skepsis mit, denn man weiß noch nicht, was man von der Mischung aus Irish Folk und Doom Metal halten soll. Fazit: Die Musik ist genial, aber die Band wirkte ein bisschen zu abweisend und allein auf ihr Spiel fixiert.

Langsam geht das Zeitgefühl in der Balver Höhle verloren und so ist es schon 10 Uhr abends und die IMGP2652vorletzte Band steht an. Auch in der Höhle wird es dunkel (dunkler als sonst). Secrets Of The Moon lassen eine Video-Installation zu ihren Songs abspielen und im Hintergrund schlagen Blitze ein. Es beginnt zu regnen, dann zieht ein Schneesturm auf. „There is no hope“ schreit der Sänger im Song „Hole“ der Masse entgegen, welche mit gereckten Fäusten antwortet. Eine apokalyptische Stimmung zu fetzigen BM-Songs.

IMGP2723Vor dem Helrunar-Konzert setzten sich die ersten Fans vor die Bühne und warten. Der Andrang ist groß und man merkt schon im Vorfeld, dass die Band der heimliche Headliner des Tages ist. Das erste Mal gibt es Erläuterungen zu den Songs und der Sänger feuert das Publikum an. Helrunar machen einfach eine geile Show. Songs wie „Unten und im Norden“, „Devils Devils Everywhere!“ oder auch das überlange „Wein für Polyphem“ heizen ordentlich ein. Zur Mitte hin meint dann der ziemlich betrunkene Drummer von Les Discrets eine kleine Show abzuziehen und steigt auf die Boxen vor der Bühne. So etwas darf für ein richtiges Festival-Feeling natürlich nicht fehlen.

Der letzte Morgen bricht an und endlich kommt die Sonne raus. Wunderschön, denn diesmal ist man nicht in Eile und zum Auftritt von Wöljager in der Hönnetalhalle kann man ganz entspannt schlendern. Der Andrang ist noch nicht sehr groß. IMGP2760Erwartet wird ein Musiktheater, dementsprechend ist die Location bestuhlt. „Van’t Liëwen un Stiäwen“ (Von Leben und Sterben) heißt das Stück. Es erzählt vom Schicksal Wilhelms dem Spökenkieker, der die Gabe hat, den Tod anderer vorherzusehen. Die Geschichte wird von drei Schauspielern, die teilweise mehrere Rollen einnehmen, gespielt. Die schauspielerische Leistung ist überragend und lässt den einen oder anderen Mund offen stehen. Trotz minimalistischem Setting entfaltet das Stück eine fesselnde Atmosphäre. Die Musiker untermalen mit Streicher-Klängen und sanften Gitarren die Szenerie. Unterbrochen wird das Theater von folkig-düsteren Songs, die der Helrunar-Frontmann (heute ganz in adretter Anzugweste) op Platt singt. Als das Stück endet, wird einem mehr als bewusst, wie kreativ klangliche Kunst doch gestaltet werden kann.

IMGP2794Wieder zurück in der Balver Höhle muss man etwas auf Völur warten. Dann betritt das Trio (der Bassist und Schlagzeuger in schwarzen Kutten) die Bühne. Völurs Musik ist mal hart, mal trance-artig. Der Bassist und die Violinistin stimmen dazu immer wieder sphärische Gesänge an, die die Zuschauer in sich versinken lassen. Alle sind von der Musik rundum begeistert und dem Bassisten bleibt nach dem letzten Stück nur übrig, sich gestikulierend für die nicht gegebene Zugabe zu entschuldigen. Kurz danach ist der Ansturm auf den Merch-Stand groß und die CD von Völur ist bald ausverkauft.

Tiefe Bass-Töne und Donnergrollen kündigt das Konzert von Bohren & Der Club Of Gore an. Die Band ist die erste, die ein abgespieltes Intro verwendet. Die Höhle füllt sich langsam mit Nebel und der Vorhang wird vor der Bühne weggezogen. Ein durchdringender Bass erfüllt die Menge. Die Musiker stehen nebelverhüllt unter Funzellichtern. Im Vordergrund dreht sich eine silberne Snare-Drum als Disco-Kugel. Der Jazz von Bohren & Der Club Of Gore ist abgrundtief und langsam. Die Zuschauer geben sich in stiller Andacht dem durchdringenden Sound hin. Die Show wird vom Saxophonisten der Band mit trockenem, selbstironischem Humor aufgelockert: „Hallo, wir sind Bohren & Der Club Of Gore und bringen euch Freude und Abwechslung.“ Das Konzert ist eines der vielen besonderen Momente des Festivals.

Die nachfolgenden Soundchecks dauern alle sehr lange. Auf Antimatter muss eine halbe Stunde länger gewartet werden.IMGP2835 Die Zeiten der Running-Order eignen sich für den Rest Tages nicht mehr um einen guten Platz zu bekommen, was etwas nervt. Ein wenig schmunzeln muss man schon als man hinter dem Bühnenvorhang hört, wie der Sänger Mick Moss sich mit Pop-Songs einsingt. Gewidmet ist Antimatters Auftritt zwei kürzlich verstorbenen Musikern von Trees Of Eternity und Riverside. Die traurigste Band der Welt macht ihrem Slogan während der Show alle Ehre. Die ohnehin schon melancholischen Lieder wie „Conspire“, „The Weight Of The World“, „Epitaph“ und „Leaving Eden“ sind Live noch eindringlicher und werden von Vielen vor der Bühne emotional mitgesungen. Schade nur, dass zu den Musikern keine weibliche Sängerin dazugestoßen ist.

IMGP2878Ein fast weißer Fleck auf der Landkarte sind GlerAkur, den mehr als eine kleine EP, haben sie bis jetzt nicht herausgebracht. Was den Zuschauer erwartet ist nicht ganz klar. Der Sound muss aber immens sein: Fünf E-Gitarren, zwei Schlagzeuge und ein E-Bass. Als die Isländer dann zu spielen beginnen, ist klar, dass dies mehr als immens ist. Lange sphärische Post-Rock-Stücke bauen sich zu einer Wall Of Sound auf, die den Hörer niederschlägt. Die etwas kauzigen Musiker gehen vollends in ihren Sound auf, leben fast schon in Symbiose mit ihm. Das letzte Crescendo ist so orgiastisch, dass man fast vergisst, wo man ist. Nachdem die Musik verklungen ist, steht die Höhle das erste Mal Kopf.

Die sich immer weiter nach hinten verschiebenden Konzerte, lassen ein bisschen Luft, um durch die Höhle zu wandeln. Der Merch-Stand bietet eine breite Palette der Prophecy-Bands an. Zu den Hauptzeiten ist der Andrang so groß, dass nur nach und nach Leute zum Merchandise durchgelassen werden. Um die Bilder von Fursy Teyssier tummeln sich ein paar Leute. Zwanzig Bilder hat der Les Discrets Sänger extra für das Festival angefertigt. Fünf davon werden verkauft. Ja, auch Metalheads können die schönen Künste wertschätzen.

Alcests Auftritt wird umfeiert – sie sind der zweite heimliche Headliner des Festivals. Zuerst widmet sich die Band demIMGP2897 zweiten Album „Écailles De Lune“, als Dreingabe gibt es die Songs „Autre Temps“, „Là Où Naissent Les Couleurs Nouvelles“ und „Délivrance“. Man blickt sich im Publikum um und merkt, wie zufrieden die Musik die Leute doch macht. Überall nur glücklich-beseelte Menschen mit geschlossenen Augen. Der Auftritt ist gefühlt viel zu kurz.

IMGP2958Über die Musik von Sol Invictus lässt sich streiten. Zumindest über die Texte. Davon abgesehen kommt der martialische Neo-Folk der Band gut an. Es ist eine der wenigen Chancen diese Band Live zu sehen und so sind auch viele Musiker des Festivals in der Menge. Als kleines Schmankerl gibt es das Agalloch Cover „Kneel To The Cross“. Die Performance vom Sänger Tony Wakeford wirkt stoisch. Die Gastmusiker Don Anderson, Jo Quail und Matt Howden gehen dagegen voll in ihren Instrumenten auf.

Erst nach Mitternacht spielen Vemod aus Norwegen als letzte Band des Festivals. Der Auftritt ist IMGP3028düster und stimmungsvoll. Wie schon Secrets Of The Moon verwenden auch sie eine Leinwand, auf dem sich ein klarer Sternhimmel zeigt. Verteilt auf der Bühne brennen mehrere Räucherstäbchen. Die Stimmung wird durch die sakralen Gesänge intensiviert, dann mündet der Sound in atmosphärischen Black Metal. Der Auftritt ist ausdrucksvoll, solide, aber die Musik weiß nicht bis zum Ende zu fesseln, dafür fehlt im Großen und Ganzen die Abwechslung. So lässt sich auch Entschuldigen, warum es dann vor dem Ende des Konzertes schon Richtung Zeltplatz geht.

Fazit: So viele unterschiedliche Bands und Performances bekommt man nicht so einfach zu sehen. Allein unter den Konzerten gab es über ein Dutzend herausragende Shows und man merkt einfach wie viel Kreativität und Freude an der Musik in dieser Szene steckt. Die Höhle gab allen Konzerten eine feierliche Atmosphäre und die allgemeine Stimmung unter den Leuten war super entspannt. Von Seiten der Veranstaltung gibt es aber auch leider einige negative Punkte. So war die Security teilweise sehr lax bei der Kontrolle, es gab anscheinend kein eindeutiges Rauchverbot in der Höhle und das Essen war für den Preis nicht sonderlich gut. Soundtechnisch waren bei vielen Konzerten Bass und Schlagzeug zu laut, dafür der Gesang zu leise. Die einzelnen Auftritte waren leider so durchstrukturiert, dass es keine Band gab, die Zugaben gegeben hat. Bei Spielzeiten von manchmal nur fünfzig Minuten ist das etwas mau, doch die vielen positven emotionalen Erlebnisse der Konzerte überwiegen ganz klar!

Der nächste Termin steht bereits fest: 28.07.-29.07.2017 – gleiche Stelle, gleiche Welle. Bereits bestätigte Bands sind: Dornenreich, Sun Of The Sleepless, Dool, The Moon And The Nightspirit und The Vision Bleak!

Bilder

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