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Party.San Open Air 2016

25 August 2016

2016_psoa_2„Hell was here!“ Vom 11. bis zum 13. August öffneten sich die eingerosteten Pforten zur Hölle und gaben den Weg frei zum Party.San Open Air Festival in Schlotheim. Hinein strömten erneut mehrere Tausend Pommesgabelenthusiasten und zelebrierten matteschwingend Musik mit metallischem Beigeschmack. Das Eternity Magazin war aufs Neue Teil der Meute und hat sich hinter den Höllenpforten im nördlichen Thüringen umgesehen und natürlich primär umgehört.

Wie gewohnt füllt sich der Flugplatz Obermehler/Schlotheim bereits am Mittwoch emsig mit Zelten. Flankiert wird der Nestbau mit einem Wind sondergleichen, sodass bereits beim Zeltaufbau Teamwork gefragt ist, da die Unterkunft sonst droht in hohem Bogen davonzufliegen. Nachdem die Grundsteine für die Zeltstadt schließlich gelegt sind, pilgert ein Großteil der Horde aufs Festivalgelände. Das Gebiet rund um die Mainstage, die bereits Ehrfurcht gebietend emporragt, ist noch nicht zugänglich. Allerdings findet im Partyzelt, welches auch die Undergroundstage beherbergen wird, die „Metaldisco“ zur Einstimmung statt. Schnell wird klar, dass die Getränkepreise wieder moderat ausfallen und Einlass sowie Bierausschank einwandfrei organisiert sind. Auf geht’s also in eine neue Runde des Party.San Open Airs und einen ausgelassenen Abend!

DONNERSTAG, 11.08.16

Spätestens nach der ersten Nacht, in der einen nur die hart erarbeitete Bierseligkeit nicht vor Kälte blau anlaufen ließ, ist der Schalter endgültig auf Festival-Modus umgelegt. Ab 15 Uhr ist das Festivalgelände endlich geöffnet und wie eh und je gibt es bei den Merchständen neben Tonträgern von A bis Z auch Festivalutensilien aller Art zu erwerben. Für das leibliche Wohl ist natürlich ebenso gesorgt und in Anbetracht des sehr vielfältigen kulinarischen Angebots wird in den nächsten Tagen sicherlich niemand verhungern oder verdursten.

Nach den traditionell einleitenden Worten des Veranstalters dürfen dann auch schon I I (was für INFERNAL INVOCATIONII (7) steht) aus Leipzig pünktlich und in voller Montur die Bühne entern. Dem jungen Gespann merkt man an, dass die schiere Größe der Mainstage sicherlich eine neue Erfahrung für sie darstellt. Nichtsdestotrotz bewähren sie sich als Opener und pfeffern den bereits gut gefüllten Reihen Raw Black Metal mit Death-Anleihen um die Ohren. Die furiosen Drums zeichnen sich durch groovige Tempowechsel aus, die grollenden Vocals überzeugen voll und ganz und die Menge ist zufriedengestellt.

Weiter geht es mit schwedischem Black-/Death Metal von Mörk  (1), die mit einem melodiösem Keyboardeinschlag ganz nach altem Rezept aufwarten können. Die eingängige Mischung der Combo, die schon seit den Neunzigern ihr Unwesen treibt, wird vom Publikum begeistert aufgenommen. Mit dem Song „Unleash The Beast“ vom 95er Album „Tusen år har gått“ beweisen die Schweden nochmal ihr ganzes blutiges Können. Lediglich der starke Wind mindert die Soundqualität leider erheblich.

Der Auftritt von ERED findet im Folgenden auf der Undergroundstage statt. Die energiegeladenenEred (6) Spanier locken schnell eine breite Schar an Zuhörern ins düstere Zelt und feuern wiederum dynamischen Blackened Death Metal aus den Boxen. Die Band mit dem von Tolkien abgeleiteten Namen legen Wert auf stürmische Eindringlichkeit, die besonders im neustem Album „Night Of Eternal Doom“ (2015) zur Geltung kommt. Neben der einwandfreien Stimmung sitzt auch der Sound auf Anhieb und die Tentstage wurde von ERED gebührend eingeweiht.

Gruesome (3)GRUESOME sind hiernach eine Band der „ersten Male“: Bei den Deathern aus Florida, die souverän ihre knochenbrecherischen Songs abliefern, fliegen begeistert die ersten Becher durch die Luft und der erste Stage Diver darf von der Security aufgesammelt werden. Außerdem spielt die Band ihrer Aussage nach auch noch das erste Mal in Deutschland. Daneben haben die Kalifornier einen neuen Track von der EP „Dimensions Of Horror“ im Gepäck.

Wir bleiben mit den Spaniern von GRAVEYARD zunächst in Gefilden des Old School Death Metals. Graveyard (5)Das Zelt ist gerappelt voll und das groovige Ensemble erntet unter anderem mit „The Visitations Of The Great Old Ones“ vom 2013er Album „The Sea Grave“ stürmischen Beifall. Verabschiedet wird die Band mit lang anhaltenden Rufen nach einer Zugabe, was wohl uneingeschränkt als bester Indikator für einen gelungenen Auftritt gilt.

Tribulation (4)TRIBULATION sind mit ihrem progressiven Black-Death-Gemisch zur Zeit gehörig auf dem Vormarsch. Die eigenwillig-schönen Outfits und der fröhlich Pirouetten drehende Jonathan Hultén tragen sehr zu einer ausgelassenen und dynamischen Stimmung bei, aber auch gänzlich abseits davon legen die Schweden einen musikalisch ausgefeilten und glänzenden Auftritt aufs Parkett. Die Setlist ist geprägt vom neusten Album „Children Of The Night“ und der nachfolgenden EP „Melancholia“. Das erste Mal seit sieben Jahren ist die Band wieder auf dem Party.San vertreten und das Publikum dankt es ihnen mit dichten Reihen und hoch erhobenen Händen, obwohl der Sound erneut leider nicht optimal ausfällt.

Weiter geht es im Zelt mit den Schweden von LIK, die nicht mit den Landsmännern von L.I.K. zu verwechseln sind. LIK (8)Wieder herrscht vor der Bühne reges Treiben und die Menge sucht sicherlich nicht nur Schutz vorm Regen, sondern lässt sich von der einnehmenden Stimme von Vokalist Tomas Åkvik berauschen. Der dargebotene Death Metal ist nichts Weltbewegendes, aber mit grundsoliden Songs wie „Le Morte Homme“ vom bisher einzigen Album „Mass Funeral Evocation“ treffen LIK den Nerv der Zuhörerschaft.

Necros Christos (5)Fragt man Stimmen aus dem Publikum, können NECROS CHRISTOS sich trotz einiger Soundpatzer als erstes Highlight des Festivals herauskristallisieren. Die Berliner haben sich aufgrund ihres sehr doomigen Occult Death Metals einen Namen gemacht. Wie zu erwarten, bläst das Vierergespann ab dem ersten Saitenhieb die Gehirnwindungen der gedrängten Menge frei, dennoch macht auch ihnen ein undeutlicher Sound zu schaffen. Die ersten Reihen machen wohl aufgrund dessen schnell einen reservierten Eindruck, aber nachdem das Problem behoben ist, können die Berliner den „Rückstand“ mit Songs wie „Christ Was Not of Goatborn Blood“ wieder aufholen.

In eine gänzlich andere Richtung geht es danach mit BOMBS OF HADES. Die Skandinavier sind zumBombs Of Hads (2) zweiten Mal auf dem Party.San zugange und treffen mit ihrem Death-Gemisch und vielen progressiven Anleihen problemlos den Nerv der Zuhörerschaft. Die Setlist ist geprägt vom Grundsatz „Alt & Neu“, weswegen beispielsweise das vergleichsweise alte Stück „Burn“ und der Track „Old Fires Die“ vom neusten Album einander gegenübergestellt werden.

Mit ARCTURUS geht es auf der Mainstage noch eine ganze Ecke weiter in die progressive Richtung – obwohl man die Norweger eigentlich nicht mal in die progressive Schublade pressen will, weil selbst diese noch zu einengend ist. Mit einer namhaften Besetzung (Hellhammer von Mayhem, Vortex als Ex-Bassist von Dimmu Borgir sowie Sverd, Skoll und Knut Magne Valle als Ex-Ulver-Mitglieder) macht die Band auf sich aufmerksam. Begeisterung kommt allerdings erst bei Vortex‘ außergewöhnlicher Stimme auf, welche live bei „Game Over“ vom neusten Album optimal zur Geltung kommt. Die Menge feiert die Skandinavier und Vortex bedankt sich abschließend mit „You can drink with me all night long!“.

Purgatory (7)PURGATORY können daran zwar nur schwerlich anknüpfen, aber die sächsischen Mannen geben mit ihrem schroffen Death Metal eine gute Ergänzung zu den Norwegern ab. Trotz eines zu Beginn etwas matschig anmutenden Sounds, macht der Auftritt schlichtweg Spaß und die Menge zeigt deutlich ihre Begeisterung mit einem hohen Anteil an Haareschwingern und lautstarken Beifallsrufen. Die Setlist ist geprägt vom neusten Album „Omega Void Tribvnal“.

Getreu ihrem Namen nebeln MGŁA die Mainstage im Folgenden ordentlich ein und lassen unsMGLA (2) erneut in die schwarzmetallische Ecke wandern. Wie gewohnt nahezu bewegungslos, ohne ein Wort an die bis zum Mischpult dicht gedrängte Menge und überaus präzise, liefern die Polen eine gut durchmischte Tracklist ab. Natürlich dominiert das hochgelobte aktuelle Album „Exercises In Futility“ deutlich. Die kraftvollen Rhythmen erzeugen eine wuchtige Dynamik, die sich in grimmigen Beifallsstürmen entlädt. MGŁA verabschieden sich wortlos mit dem Endtitel „VI“ des neusten Albums und sind so schnell von der Bühne verschwunden, wie sie gekommen sind.

Obituary (4)OBITUARY bilden einen krassen Gegensatz zur kühlen Distanziertheit ihrer Vorgänger und legen Wert auf animierende Publikumsnähe. Dadurch wird die ohnehin schon gute Stimmung nochmals angeheizt und der einleitende instrumentale Track „Redneck Stomp“ wird begeistert aufgenommen. Die charakteristische Stimme von Chefsänger John Tardy ätzt sich bittersüß in die Gehörgänge und die johlende Menge darf sich an Klassikern erfreuen. Beim Titelsong von „Slowly We Rot“ muss Tardy nicht mal mehr zum Mikro greifen – das Publikum gröhlt ganz von allein den Text mit.

Als letztes treten für diesen Abend die Briten von PARADISE LOST auf die Mainstage. Vokalist Paradise Lost (6)Nick Holmes, der im letzten Jahr mit BLOODBATH auf der gleichen Bühne stand, lässt es sich nicht nehmen, das Wetter zu verfluchen. Und tatsächlich machen sich Kälte und unangenehmer Nieselregen schon eine Weile breit, aber davon lassen sich die hartgesottenen Festivalbesucher natürlich nicht beeinflussen. Die seit den Achtzigern bestehenden PARADISE LOST haben über die Jahre einen Wandel vom Doom-/Death-Metal zum Gothic Metal vollzogen. Dennoch schafft die Band es, an diesem Abend auch gefeierte alte Songs wie „As I Die“ oder „Hallowed Land“ neben Werken neueren Datums mit gleicher Begeisterung zu spielen. Alles in Allem bildet dies einen sehr runden Abschluss. Während Esmiralda mit lautem Knall das Ende eines erfolgreichen ersten Abends verkündet, verlagert die Feier sich von der Bühne in die Metaldisco oder hinein in die Zeltstadt, denn an Schlafen denkt jetzt noch niemand.

FREITAG, 12.08.2016

Spasm (3)Ein bisschen Grind muss sein! Zum Wachwerden leitet traditionell Grindcore in die nächsten Festivaltage ein. SPASM heizen also der beschwingten Menge, die schnell einen bunten Circlepit bildet, ordentlich ein. Das „Drum’n’Bass Gigolo Gore Grind“-Gespann aus Tschechien pfeffert viele Stücke vom neusten Album „Pussy(De)Luxe“ in die Gehörgänge und sorgt für ein paar Ohrwürmer, die noch über Stunden fröhlich rezitiert werden.

Als nächstes sind ISVIND an der Reihe. Obwohl die Norweger mit ihrem bitterkalten Black MetalIsvind (8) das absolute Kontrastprogramm bieten, tut das Wetter ihnen einen Gefallen und die finstere Montur passt durchaus ins Gesamtbild. Mit „Ordet“ performt die Truppe einen Song vom neuen Album „Gud“ und sorgt so für dicht gedrängte Reihen vor der Bühne. Verabschiedet wird sich mit „Ulv! Ulv!“ vom Debutalbum aus den 90ern. Schlichtweg ein „cooler“ Auftritt!

Was folgt sind KATALEPSY aus Russland, die ihren Technical Death an den Mann bringen wollen. Brutal prügelt das Gespann ihre groovigen Songs aus den Boxen und kann sogar mit neuem Material vom erst kürzlich erschienenen Album „Gravenous Hour“ aufwarten. Vor der Bühne ist es diesmal nur mäßig voll, aber die Band kann reihenweise treuer Fans verzeichnen.

Goatwhore (1)Mit GOATWHORE begeben wir uns erneut über den großen Teich und bekommen Blackened Thrash Metal nach amerikanischer Manier auf die Ohren. Mit „Apocalyptic Havoc“ kann das Gespann sofort kollektives Kopfnicken auslösen und auch sonst kommt die Achterbahnfahrt durch die Genres gut an. Ein wenig bitter wirkt die Aussage von Frontmann Falgoust, dass der Kauf von Alben heutzutage selten geworden sei: „You steal, that’s how it is nowadays“.

Interessant geht es mit WOLFBRIGADE weiter, die ein Konglomerat aus Crust, Punk, Thrash undwolfsbrigade (3) Death Metal aufs Parkett schmettern. Mit aggressiven Rhythmen und einem gepressten Gesang können die Schweden viele für sich begeistern, obwohl Musik und Auftreten wenig Wölfisches an sich haben. Nichtsdestotrotz ist die Songauswahl quer durch die Diskographie überzeugend und mit einem Track von der letzten LP verabschieden die Skandinavier sich und machen Platz für OBSCURA.

Obscury (2)Die Münchner von OBSCURA stellen bei ihrem Auftritt insbesondere das zu Beginn des Jahres erschienene neue Album „Akróasis“ vor. Während der Regen endlich nachlässt, bekommt das Publikum souverän und routiniert „Sermon Of The Seven Suns“ aufgetischt. Sichtlich gefesselt wird der Auftritt von der Menge verfolgt und das präzise Riffing von Stefan Kummerer, der auch bei Thulcandra als Saitenakrobat unterwegs ist, fasziniert ebenso wie das Gesamtpaket des progressiven Tech Deaths.

Um CRYPTIC BROOD aus Wolfsburg ein Ohr zu leihen, darf der UndergroundstageCryptic Blood (4) wieder ein Besuch abgestattet werden. Nachdem die erst 2013 gegründete Band miteinander angestoßen hat, dröhnt vielversprechender Death Metal mit herrlich rotzigem Doom-Einschlag aus den Boxen. Das Dreiergespann genießt den Auftritt sichtlich und so ganz ernst zu bleiben, klappt beim Anblick des begeisterten Publikums auch nicht so richtig. Für ihre EP „Wormhead“ hat das Trio sicherlich einige begeistern können.

Bölzer (4)Das Besondere bei BÖLZER ist ohne Frage, dass man das Gefühl nicht los wird, dass fünf Musiker das Instrumentarium bearbeiten, obwohl nur zwei auf der Bühne stehen. Soll heißen: die beiden Schweizer erzeugen ab dem ersten Ton eine drückende Atmosphäre, die im Blackened Death Metal ihresgleichen sucht. Zuletzt 2014 auf dem Party.San, können BÖLZER zwar mit keiner neuen Veröffentlichung aufwarten und der Gesang von Okoi Jones geht häufig stark unter, aber die Reihen der Zuhörer füllen sich dennoch stetig.

Mit VIDARGÄNGR darf erneut eine Band aus Leipzigs Metalschmiede ans Werk. Das 2016 Vidargängr (4)erschienene Album „A World That Has To Be Possessed“ prägt natürlich die Setlist und das Quintett sorgt für eine fantastisch düstere Atmosphäre, sodass man glatt vergessen könnte, dass außerhalb des Zeltes noch heiterer Sonnenschein herrscht. Mit viel Karacho und musikalischer Dichte spinnen die Leipziger ein Black Metal-Netz und reihen sich problemlos ein in die bisher durchweg gelungenen Auftritte des Festivals.

Angelcorpse (3)Bei ANGELCORPSE füllt sich der Platz vor der Bühne nur mäßig, aber es reicht noch allemal für gepflegtes Stagediving. Die US Amerikaner feierten 2015 Reunion und mit frischem Wind unter den Flügeln knallt das Trio dem Party.San derben Blackened Death Metal vor den Latz. Insgesamt nichts besonderes, aber allemal ein fettes Brett!

Wer will sich schon mit nur einer Musikrichtung befassen, wenn man auch gleich mehrere vereinen kann? Das oder Ähnliches haben sich wohl IMPLORE gedacht, die neben Black- und Death-Metal auch Grindcore und Crust in die Gehörgänge stampfen. Die in Deutschland und Spanien verwurzelte Band gewährt Einblicke in das Debutalbum „Depopulation“ und schafft es zum Großteil, die Genremixtur dem Publikum näherzubringen. Dennoch haut das Ganze noch nicht so ganz vom Hocker, was sich bei erst vierjährigem Bandbestehen aber noch verschmerzen lässt.

Als beim Party.San altbekannte Rampensäue treten nun DESTRÖYER 666 auf die Mainstage und fegen im wahrsten SinneDeströyer (6) des Wortes feurig über die Bühne. Gewohnt freundlich begrüßt KK Warslut die aktive Menge mit einem herzlichen „Fuck you!“ und während „Wildfire“ vom gleichnamigen Album steigen lodernd die Feuersäulen empor. Beim Track „Tamam Shud“ werden die Australier außerdem unter anderem von Okoi Jones unterstützt. Insgesamt wird die Truppe bis weit hinter das Mischpult gefeiert.

December Noir (5)DÉCEMBRE NOIR werden sicher noch lange an den Auftritt auf dem Party.San zurückdenken, da die Thüringer an diesem Abend das Release ihres zweiten Full Length Albums „Forsaken Earth“ feiern. Schnell wird klar, dass die Band nicht nur ihre treuen Fans aus der ersten Reihe mit dem neuen Material begeistern kann, sondern auch das stetig anwachsende Publikum in den hinteren Reihen. Der Doom-/Death Metal, ganz im Stil von Katatonia, überzeugt in vollem Maße und insbesondere „Small.Town.Depression“ löst wahre Beifallsstürme aus. DÉCEMBRE NOIR beweisen erneut, dass man auf der Tentstage häufig wahre Perlen entdeckt.

Schau einer an, EQUILIBRIUM gibt es also auch noch? Trotz einiger Veröffentlichungen nach Equilibrium (1)„Rekreatur“ irgendwie in der Versenkung verschwunden, spielen die Bayern sich zurück ins Gedächtnis und haben ebenfalls ein an diesem Tag veröffentlichtes neues Album namens „Armageddon“ mitgebracht. Ehemals sehr im Folk- & Pagan Metal beheimatet, mutet das neue Material weitaus härter und weniger verspielt an. Vokalist Robse stachelt die Menge mit verkrampft wirkenden, aber animierenden Mitmach-Aktionen gehörig an und neue Songs wie „Prey“ werden positiv aufgenommen.

Bodyfarm (6)Weiter geht es auf der Tentstage mit BODYFARM, deren Frontmann Thomas Wouters die Devise „We wear sunglasses at night“ verinnerlicht hat. Mit „The Dark Age“ vom letzten Album können die Niederländer die Menge schnell für sich gewinnen. Der Death Metal des Quartetts kommt angenehm melodisch daher und verführt einen Großteil der Menge zum Headbangen. Während die Haarpracht fliegt, vergeht die Spielzeit leider viel zu schnell und BODYFARM erweisen sich als optimale Vorband für die folgenden Urgesteine.

Der Auftritt von DYING FETUS wurde von vielen Festivalbesuchern mit Spannung erwartet und Dying Fetus (1)entsprechend voll wird es vor der Mainstage. Sobald die Amerikaner loslegen, wandelt die Menge sich zu einem einzigen energiegeladenen Knäuel und was aus den Boxen poltert, ist wie erwartet brutal, bestialisch und erbarmungslos aggressiv. DYING FETUS haben sichtlich Spaß am Auftritt und sind gerne bereit, dem Publikum „Old School Shit“ durch die Trommelfelle zu knüppeln. Insbesondere „Grotesque Impalement“ von der gleichnamigen EP bleibt im Zusammenhang mit der gelungen Pyrotechnik garantiert im Gedächtnis.

Exodus (2)Mit EXODUS bleiben wir auf amerikanischem Territorium, dürfen uns nun aber am Bassmassaker von Jack Gibson erfreuen, welches das Zwerchfell vibrieren lässt. Mit „Body Harvest“ oder „Strike Of The Beast“ kann es kaum noch thrashiger werden und die Menge stimmt begeistert mit ein. Die alten Hasen lassen es sich außerdem nicht nehmen, Lemmy Kilmister einen Song zu widmen und ein „See you soon“ hinterher zu werfen. Nach diesem Auftritt kann man nur hoffen, dass EXODUS Lemmy nicht zu bald nachfolgen.

Als letzte Band für den Freitagabend nehmen CARCASS die Bühne in Beschlag. Leider machen sichCarcass (4) bei den Briten wieder Sound- und Technikprobleme bemerkbar. Nachdem die Misere am Mikro behoben ist und Chefsänger Jeff Walker endlich zu hören ist, steht die Band auch mal eine Weile komplett im Dunkeln. Aber was soll’s, der Auftritt haut trotzdem gründlich rein, denn die alten Melo Deather mit Death’n’Roll-Einflüssen bringen zwanzig Jahre Bühnenerfahrung mit. So geht dann auch der zweite Abend des Party.Sans 2016 allmählich seinem Ende entgegen.

SAMSTAG, 13.08.2016

Rectal Smegma (1)RECTAL SMEGMA wecken am folgenden Tag als Opener die Lebensgeister und haben etwas gesetzteren Grindcore im Gepäck. Trotzdem werden Prügelsongs wie „Two Girls One Cup“ freudig mit Circlepits quittiert und die Niederländer lassen sich sogar zu einer Zugabe überreden.

Der groovige Sound von IRON REAGAN wird danach ebenso dankbar angenommen und die ZuhörerIron Reagan (3) lassen sich nicht lumpen, als Vokalist Tony Foresta ein „Move the fuck around!“ schmettert. Das Gespann aus Virginia haut mit dem etwas gewöhnungsbedürftigem, aber zweifelsohne strammem Thrashcore zwar nicht vom Hocker, aber alles Weitere wäre Meckern auf hohem Niveau.

Svarttjern (2)Mit SVARTTJERN wird erneut herrlich derber Black Metal aus Norwegen dargeboten. Die plötzliche Hitze, die den Samstag zu prägen scheint, bremst zwar sichtlich die Lust auf frostigen Schwarzmetall, aber das Quintett donnert Songs wie „All Hail Satan“ vom neuen Album Dødsskrik so selbstbewusst in die Menge, dass sich die Reihen schnell füllen.

Ganz und gar episch wird es danach mit SULPHUR AEON. Die Band aus Nordrhein-Westfalen warsulphur aeon (4) zuletzt 2014 auf dem Party.San und kann nun endlich die Mainstage entern. Mit düster-obskurem Death Metal lobpreisen SULPHUR AEON Cthulhu aus dem Lovecraft-Universum. Im Zentrum steht das letzte Album „Gateway To The Antisphere“. Leider geht das Gespann in der Nachmittagshitze etwas unter.

Suicidal Angels (3)Regelrecht gegenteilig geht es nun mit SUICIDAL ANGELS zu, die leichtfüßig und schwungvoll in den Thrash Metal entführen. Die Griechen reihen sich ein in in eine Menge Bands, die auf dem diesjährigen Party.San ihr erst kürzlich veröffentlichtes Album vorstellen. Mit dem Titeltrack von „Division Of Blood“ legt die Combo sich sehr ins Zeug und heizt den Reihen noch mehr ein, als ohnehin schon.

MEMORIAM machen als Tribut an Bolt Thrower (und gleich zwei ehemaligen Bandmitgliedern eben jener Band) gehörig auf sich aufmerksam. Zwar haben die Briten auch eine eigene Demo mit dabei, aber natürlich gibt es einige Cover und Tributsongs auf die Ohren, wie beispielsweise von Sacrilege. Das überzeugt die Meute so sehr, dass die Band mit einem Meer von erhobenen Händen verabschiedet wird.

Weiter geht es zur Zeltbühne, die von den Newcomern MOSAIC gepflügt wird. Das Projekt von Inkantator Koura, ehemals Mosaic (2)bei den nun aufgelösten Alchemyst zugange, lockt ganze Horden ins Zelt. Im Zusammenspiel mit origineller Optik und mystischem Black Metal meistern die Thüringer ihren Auftritt problemlos und fügen sich ein in die Welle des modernen Black Metal.

Nifelheim (3)NIFELHEIM bedienen im Gegensatz zu MOSAIC ganz klar den klassischen, skandinavischen Black Metal. Mit „Black Curse“ vom ersten Album aus den Neunzigern lösen die Schweden sogar Sprechgesänge aus dem Publikum aus und die Lobpreisung belohnen sie mit einem neuen Song von der Satanatas EP. Spätestens nach diesem Auftritt weiß man wieder, wie genial der gute, alte Klischee-BM eigentlich sein kann!

Von MOR DAGOR wird der geneigte Zuhörer im Folgenden auf einen Kriegsschauplatz entführt. Mor Dagor (5)Die brachiale Geräuschwand untermalt die Band aus dem Ruhrpott mit Leuchtfackeln, Schreckschusspistolen und Samplern, die Maschinenpistolenknattern aus den Boxen donnern lassen. Das brutale Gepolter und Gekeife bläst sicherlich jedem die Gehirnwindungen frei und macht Lust auf das neuste Album „Redeemer“.

Grave (2)Opfer eines späten Mittagstiefs werden GRAVE, denen trotz des soliden Schweden-Deaths mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung nur wenig Resonanz aus dem Publikum vergönnt ist. Womöglich macht sich so allmählich eine Reizüberflutung breit, aber nichtsdestotrotz haben GRAVE abwechslungsreiche Songs im Gepäck und spielen neben Werken von „Out Of Respect For The Dead“ auch Stücke ihrer ersten Alben.

Auch bei den Death Metallern von WEAK ASIDE herrschen lichte Reihen vor. Das anwesende weak aside (3)Publikum können die Niedersachsen aber zum kollektiven Kopfnicken bewegen, indem sie eingängige Melodien mit stampfenden Rhythmen verbinden. Wachrütteln können sie das etwas lethargisch wirkende Publikum damit allerdings leider nicht.

Immolation (7)IMMOLATION hingegen ziehen den Festivalgängern mit ihrem gepfefferten Death Metal so sehr die Ohren lang, dass es keine andere Option gibt, als wieder wach zu werden. Die New Yorker schmettern sowohl altes als auch neues Material aus den Boxen, wobei der Auftritt besonders von „Dawn Of Posession“ geprägt ist. Das Album feiert 25jähriges Jubiläum und ist somit älter als viele der Festivalbesucher. Aber auch dem brandneuen Song „Epiphany“ darf gelauscht werden. Leider trübt erneut ein verwaschener Sound das Gesamtbild des Auftritts.

Mit furiosem Gerumpel versuchen auch REBAELLIUN aus Brasilien die Lethargie zu vertreiben. Rebaelliun (5)Gesanglich stark und gut gelaunt wird beispielsweise „Steel Siege“ gespielt. Besonders an dem Auftritt ist außerdem, dass die Band erst 2015 Wiedervereinigung feierte und es das erste neue Material seit 2001 zu hören gibt.

Taake (4)Nach dem sonnigen und heißen Samstag ist es fast schon unheimlich, wie sofort mit dem Erscheinen von TAAKE auf der Mainstage ein kalter Windstoß über das Gelände fegt und der Sonnenuntergang eingeleitet wird. So haben die Norweger auch noch eine sagenhafte Kulisse auf ihrer Seite, obwohl sie das bei der nun wieder erwachten und dicht gedrängten Menge eigentlich nicht nötig haben. Die saubere und kompromisslose Spielweise wirkt allerdings sehr routiniert und ja, tatsächlich leidenschaftslos. Dennoch hat Hoest nach wie vor das authentischste „UGH“ aller Zeiten drauf und gefeierte Songs wie „Umenneske“ dürfen natürlich nicht fehlen.

Mit einem dumpf-düsteren Kontrastprogramm treten DROWNED als letzte Band der Undergroundstage auf die Bühne. Drowned (2)Für den wummernden Bass und die gutturalen Vocals ernten die Berliner massig Beifall. Natürlich überwiegen Stücke des Debutalbums „Idola Specus“ und während dieser abgrundtiefen Doom-Death-Mischung fühlt man sich tatsächlich wie ertrunken.

Sodom (3)SODOM kristallisieren sich als vorletzte Band als eine der Highlights des Festivals heraus. Das sympathische Auftreten der Urgesteine trägt unweigerlich zur Stimmung bei und kaum herrscht zwischen den Songs eine Sekunde Stille, ertönen schon begeisterte SODOM-Rufe aus dem Publikum. Nachdem die Band noch einen speziellen Geburtstagswunsch erfüllt hat, werden Stücke wie „In War And Pieces“ oder „Stigmatized“ aus den Boxen gepoltert. Vom angekündigten neuen Album darf das Trio nach eigener Aussage leider noch nichts spielen, was natürlich sofort neugierig auf neues Material macht.

Mit AT THE GATES wird das Party.San 2016 schließlich beendet und der Veranstalter richteAt the gates (2)t zuvor nochmals Dankesworte an Publikum, Bands und Mitarbeiter. Obwohl die Schweden als letzte Band auftreten, sind sie keinesfalls eine Art Rausschmeißer, sondern heizen sogar nochmal ordentlich ein. Obwohl der Melodic Death des Gespanns zuweilen sehr in die Core-Richtung wandert, können Stücke vom letzten Album und Klassiker für dicht gefüllte Reihen sorgen.

War das wirklich schon die letzte Band? Sind tatsächlich schon drei Festivaltage passé? So oder ähnlich tönt es in dieser letzten Nacht aus vielen Ecken und Enden der Zeltstadt. Nun bleibt Zeit für ein Fazit. Das Party.San 2016 zeichnete sich vor allem durch eine tadellose Organisation und ein harmonisches Miteinander aus. Trotz der vollgepackten Running Order konnte der Zeitplan immer einigermaßen eingehalten werden und es gibt keine unangenehmen Zwischenfälle zu verzeichnen. Im Gegensatz zum letzten Jahr waren 2016 allerdings neue Slots für noch mehr Bands geschaffen worden, was zunächst eine coole Idee zu sein scheint. In Anbetracht der häufig auftretenden Soundprobleme, fehlte dadurch an mancher Stelle womöglich aber die ein oder andere Minute beim Soundcheck. Das kann allerdings nur gemutmaßt werden und wäre beim Rückblick auf das erneut fantastische Festival auch Erbsenzählerei. Insgesamt ist das Party.San nicht umsonst das absolute Stammfestival vieler Besucher geworden und bei einem Blick auf die ersten Bands für 2017 (Vader! Desaster! Urfaust!), kann bereits jetzt der 10. bis zum 12. August 2017 dick eingekreist werden.

News gibt es hier: http://www.party-san.de/news/

Bei Facebook unter diesem Link zu finden: https://www.facebook.com/PartySanOpenAir666/

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