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‚Metal Mess‘ Ausstellung & Buchpräsentation und Norkh Konzert, Tiefgrund Berlin, 24.11.2017

22 Dezember 2017

Metal Mess„Ich will so ein Buch!“ dachte ich, ohne zuvor einen Blick hinein geworfen zu haben. Schnell eine E-Mail an die Autorin – alle schon vergriffen. Also rein in die Schuhe, ab in die S-Bahn und dann in’s Tiefgrund am Ostkreuz. Dort findet heute Abend (24. Nov. 17) eine Vernissage von Franziska Lemmor statt. Anlass ist die Veröffentlichung ihres Bildbandes Metal Mess. Musikalisch schwarz und tot untermalt wird die Vernissage durch die Berliner Band NORKH.

Metal MessWas macht diesen Bildband eigentlich so interessant? Die Berliner Metalszene hat eine in Europa, wenn nicht global, einzigartige Entwicklung durchlebt. Dies ist nicht zuletzt der ehemaligen innerdeutschen Teilung geschuldet, welche zur Folge hatte, dass junge Metalheads aus Ostberlin nur bedingt Zugang zu Tapes und Vinyl aus dem Ausland hatten. Viele eigneten sich daraufhin einen ganz eigenen, unverkennbaren Stil an.
Franziska hatte die Idee, ihre Eindrücke aus dieser Szene in einem Buch festzuhalten. Sie hat aus ihrer Mitte heraus etwas geschaffen, das die Berliner Szene ungeschönt und ehrlich festhält, wie man sie nur in einschlägigen Läden erfahren kann. Danke vorab dafür!

Nun aber zurück zum Abend: Am Ostkreuz eingetroffen (man bemerkt es bereits in der S-Bahn, da es plötzlich nach Gras und Bier riecht) läuft man ein kurzes Stück, vorbei am komischen schwarzen Phallus-Wasserturm und landet im Tiefgrund. Dort stehen schon die Bandmitglieder von NORKH an der Theke. Wie immer gut gelaunt wird ein Platz nahe selbiger eingenommen und sich erst einmal mit Quarkkartoffeln, Jägermeister und Bier gestärkt.

„Is’ da Alkohol drin?“ „- Ich muss noch spielen.“
„Ja! Aber bei Norkh?!“.

Nachdem ausführlich diskutiert wurde, dass die Haut vom Anus dieselbe ist, wie die von Lippen und der Plan verworfen wurde, das Publikum vor jedem Song unerwartet nochmal hinzuhalten (eine Idee der ÄRZTE), oder vielleicht heute das Jazz-Set zu spielen, wird etwas über den Abend sinniert. Dabei erfährt man, dass Franzi und NORKH eng miteinander befreundet sind und der Abend ihre Idee war:

„Wir danken Franzi für den Support, wir spielen für Spendenkasse. Franzi macht unsere Bilder und macht mit mir [Tobi, Basser] die Pissing Party. Wir unterstützen uns immer.“

Metal MessNice! So muss es ein! Support your local scene! Metal ist Familie! Jetzt hat man richtig Bock sich die Ausstellung anzuschauen. Eine Etage tiefer befindet man sich im Tiefgrund. Der Raum wird ansonsten meist für Konzerte genutzt (zuletzt viel Doom, Stoner, Psychadelic), jetzt ist er durch gut inszenierte Beleuchtung ein wirklich angemessener Ausstellungsraum. An den Wänden hängen große Drucke aus dem Bildband, selbiger liegt auf einem Tisch und lädt zum Durchblättern ein. Sofort fällt einem Franzi auf, ohne dass man sie vorher kannte: voller Energie und bester Laune. Sofort meine Frage: Is’ noch n’ Buch für mich da? Nein. Dafür gibt’s aber einen guten Einblick in das Projekt der Designstudentin. Sie erzählt, dass es ihr wichtig war, die Metaller aus ihrem näheren Freundeskreis so zu zeigen, wie sie sind. Das verbindende Element der verschiedenen – und durchweg interessanten – Charaktere auf den Bildern ist immer der Metal. Dies ist den kleinen Kärtchen neben den Drucken zu entnehmen, deren Aussagen Franzi vorher von jedem eingeholt hat. Die Antworten, „warum sie [die Fotomodelle] Metal lieben“, passen sehr gut und untermalen die visuelle Inszenierung im Raum.

Um 19:00 ist der Laden schon mäßig gefüllt. Eine ordentliche Anzahl Leute geht Bild für Bild ab und bindet Franzi in Gespräche ein. Es wird sich rege ausgetauscht und mancher Gast lacht, als er sich selbst an der Wand hängend wiederfindet. Man bemerkt schnell die familiäre Atmosphäre, was auch daran liegt, dass viele Freunde und Familienmitglieder zur Ausstellung kommen.

Metal MessHalt – da war ja noch was! Dass die Performance vom NORKH bald starten wird, erkennt man übrigens daran, dass Tobi durch den zur Ausstellung schon gut gefüllten Raum läuft und seine Handgelenke warmschüttelt.
Und so geht es kurz nach 21:00 Uhr auch schon los, diesmal mit Corpse Paint. Jetzt ist der Raum gut gefüllt und das Publikum traut sich bis vorne an die Bühne – sogar ohne Aufforderung der Band. Darunter sind einige Gäste mit NORKH-Buttons, was die 2015 gegründete Band sicherlich freut. Die letzten Monate traten NORKH immer häufiger auf (z.B. im Tommyhaus, Bärlin Pedäl Battle), was sicherlich an ihrem authentischen Sound, aber auch dem sympathischen Auftreten der Jungs liegt. Der Ton ist generell gut abgemischt, leider ist jedoch das Mikro-Headset von Trommler Maacki „ich mache heute einen auf ABSU“, „- oder take that!“ ein Bisschen zu leise. Aber Hut ab, wer gleichzeitig Schlagzeug spielt und singt. NORKH spielen ihr hartes Programm bewusst nicht clean, zwischendurch kommen einige zotige Ansagen. Das Publikum geht gut mit, auch wenn trotz dreier deutlicher Einladungen durch den Rhythmus und treibende Songparts nicht gemoscht wird. Der Blick von der Bühne auf die Menge zeigt ein paar Propeller, zustimmendes, grimmiges Nicken und drohend gereckte Biergläser nebst Pommesgabeln. So kommt bis zum letzten Song, in Death-Black-Manier, keine Langeweile auf.
Metal Mess

Am Ende des letzten Songs geht Tobi andächtig in die Hocke und legt rituell anmutend sein Plektron auf’s Fußpedal, während Stefan die letzten Gitarrenakkorde zieht und ausklingen lässt. Das ist wirklich cool anzuschauen und hat eine interessante Wirkung auf die Menge, auf die sich eine Art feierliche Stimmung überträgt. Alles wird für einen Moment ruhig und atmet tief durch, als ob man mit den Musikern kurz Eins wäre.
Doch halt – es gibt noch eine Überraschung:

„Der Nächste Song ist für Martin, der kürzlich gestorben ist“ (Tobi)

Als Zugabe kommt das knallige CELTIC-FROST Cover „Dethroned Emperor“, vom Album „Morbid Tales“, gewidmet dem kürzlich gestorbenen Bassisten und Mitbegründer der Band Martin Stricker. Es kommt sichtlich Bewegung ins Spiel und das Cover ist gut erkennbar, trotz NORKHs charakteristischer Spielweise.

Franzi, den ganzen Abend bisher im Mittelpunkt gewesen, hat derweil die Rolle getauscht und ist nun wieder ganz Fotografin am Seitenrand der Bühne, die Spaß auf einem Konzert hat. Ein gelungener Abend findet sein Ende, nur mein Buch habe ich immer noch nicht. Jedoch – es lag eine Liste aus, auf der man Interesse bekunden kann, kommt es zu einer Zweitauflage. Und wenn Ihr Franzi dazu eine E-Mail schreibt, kann diese vielleicht wirklich realisiert werden.

Metal Mess

Setlist NORKH:

– Massdefect
– Twilight of Idols
– Asset in Blood
– Fire Firmament
– Revolt
– Plague Moon
– Dethroned Emperor (Celtic Frost Cover)

NORKH:
norkh.bandcamp.com/releases

Kontakt Franziska Lemmor:
lemmor-photography.com

 

Fotos: Lemmor Photography

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