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Katatonia Tour 2016, Markthalle Hamburg

11 November 2016

1461347231„Now october, this time you need Katatonia.“ An diesen Satz dachten wohl viele Fans, denn auf den Treppen, die hoch in die Markthalle führen staut sich die schwarze Menge noch eine Viertelstunde vor Beginn. Dies mag einerseits an der nach unten verlegten Abendkasse und Garderobe liegen, wohl aber eher daran, dass Katatonia ein Pflichttermin im Hamburger Herbst sind. Die Schweden haben mit „The Fall Of Hearts“ ein Album im Gepäck, das Freude auf die Live-Versionen macht. Nach erfolgreichen Ausflügen in akustische Klanglandschaften gibt es auf der neuen Scheibe wieder altbewährte Melancholie, die eine Spur proggiger und auch härter ausfällt.

Der große Saal ist bei dem großen Andrang dann auch schon gut gefüllt, nur der Pit wird IMGP0744(traditionsgemäß bei Vorbands) erst einmal freigelassen. Vola beginnen pünktlich und ohne großes Intro an zu spielen. Was die Musik betrifft weckt ihr Auftritt sofort Erinnerungen an Junius, die vor vier Jahren hier an gleicher Stelle den Support für Katatonia gaben. Sphärisch-leichte Klänge und Synthezizer-Melodien, die Vola aber auch mit harten Breakdowns mischen. Der Song „Emily“ versprüht mit seinem ruhigen Intro spannungsreiche Intimität. Der Sänger schaut versonnen in die Menge, während er die Gitarre zupft und singt. Dieser Gänsehaut-Moment wird nach den aufflammenden Gesprächsfetzen rings umher zu urteilen nicht von allen geteilt. Spätestens aber bei ihrem letzten Lied „Stray The Skies“ schafft es die Band die Leute vor der Bühne in ihren Bann zu ziehen und es wird geheadbangt und vereinzelt auch inbrünstig mitgesungen, mit anschließenden Zugabe-Rufen inklusive.

IMGP0774Mehr Songs gibt es jedoch nicht. Stattdessen nach der Umbaupause den Auftritt von Agent Fresco. Die Performance ist extrem energiegeladen. Alle Musiker, allen voran der Sänger des Quartetts, sind dauerhaft in Bewegung und verausgaben sich ziemlich, sodass mehrmals zum Handtuch gegriffen werden muss um dem Schweiß her zu werden. So können Agent Fresco ziemlich schnell die Vorurteile abbauen, die dem gemeinen Metalhead bei dem Wort Indie-Rock durch den Kopf gehen. Die Songs sind unglaublich abwechslungsreich arrangiert. Bassist und Gitarrist greifen immer wieder zu Keyboard und Synthezizer und der Sänger wechselt zwischen Kopfstimme, emotionalem Klargesang und Screams. Als „Außenseiter“ bei diesem Konzert, bedankt sich der Sänger immer wieder stellvertretend für seine Band für die Aufgeschlossenheit und kommt dafür zum Schluss auch noch mal bis an die Absperrung. Der Auftritt endet in einem hypnotisierenden Jam und mit einem Blick in die Menge zeigt, dass alle hin und weg sind von diesem intensiven Auftritt.

Nach dem Support ist erst einmal Zeit für Getränkenachschub angesagt. Gegen halb zehn betreten dann Katatonia die Bühne.IMGP0816 Die Halle ist im Übrigen, wenn auch nicht ausverkauft, doch randvoll. Manche Bands tun sich ja schwer eine gute (ausgewogene) Setlist zusammenzustellen, aber Katatonia haben dafür eindeutig ein Händchen. Neben aktuellen Songs wie „Serac“ und „Old Heart Falls“, kommen auch Ältere wie „Soil’s Song“, „For My Demons“ oder „Saw You Drown“ an die Reihe. Alles Songs die Generationen von Metalern durch ihre Depressionen geholfen haben. Jonas Renkses melancholische Stimme, legt sich eindringlich über die im Live-Setting erstaunlich hart klingenden Songs. Live klingt sie fast noch besser als auf Platte. Das Bild des Sängers mit seinem von schwarzem Haar verhangenem Gesicht definiert die Musik Kataonias par excellence. Trotz der düsteren Grundstimmung machen Katatonia – auch wenn der Begriff unpassend klingt – echt Party und das ist auch ein Grund dafür, warum sie Live so gut sind. Spätestens nach „Evidence“ wird enem ziemlich warm und man muss sich von den umgeschnürten Wintersachen befreien.
Nach fünfzehn umfeierten Liedern verabschiedet sich die Band. Doch natürlich gibt es auch Zugaben (die sofort lautstark gefordert werden). In „My Twin“ stimmen die Fans dann gleich ein. „Lethean“ endet in einem Gitarren-Solo, währenddessen die anderen Bandmitglieder von der Bühne gehen. Allein verbleibt der Lead-Gitarrist und spielt sich mehrere Minuten durch betont rockige Solo-Kaskaden. Sowas hört man auf Metal-Konzerten irgendwie immer weniger und hätte man so auch nicht von Katatonia erwartet. Schließlich kommt der Rest der Band wieder auf die Bühne und die ersten Töne von „July“ erklingen als allerletzte Zugabe.
Fast zwei Stunden dauerte das Konzert und trotzdem kam einem die Zeit dann doch viel zu kurz vor. Und so bleibt nur zu hoffen, dass Katatonia Hamburg öfter beehren werden.

Fotos

http://www.katatonia.com/

http://www.volaband.com/

https://www.agentfresco.is/

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