Ivory Night Interview

In meinem Review zu “7- Dawn Of The Night” habe ich ja bereits ausgiebigst von dieser Truppe geschwärmt. Jetzt kommt der Nachschlag, nämlich ein Interview mit den Jungs, die sich für diese sagenhaft geile Platte verantwortlich zeichnen…Vorhang auf für IVORY NIGHT!!

Zu Beginn (und zum warm werden…) ein paar unvermeidliche Standardfragen: wie hat alles angefangen und was ist bis heute so passiert? Mit anderen Worten: erzählt doch mal ein bisschen was über die Anfänge der Band, die „Gründungszeit“, die ersten Gehversuche, eventuelle Line Up-Turbulenzen etc.!!
Patrick: Kurz gefasst kann ich sagen, dass „Ivory Night“ im Oktober 1997 aus der Schüler-Metalband „BadMeanTone“ hervorgingen. Es kamen dann nach und nach die „richtigen“ Leute in die Band: Gitarrist Tilmann ist seit Ende 1998 dabei, Carsten am Bass seit Sommer 2001, und unser vierter Mann, Drummer Volker seit September 2004. Die Bezeichnung „vierter Mann“ ist mir sehr wichtig, weil wir, seit Volker dabei ist, gemerkt haben, wie stark eine Einheit ist, wenn sie komplett ist.
Carsten: Ich glaube der Line Up Wechsel betreffend des Schlagzeugers kam am häufigsten vor. Am meisten hat es mich getroffen, als Mario, kurz bevor unsere CD fertig gestellt wurde, ausstieg. Trotz allem kann man aber sagen, dass wir mit Volker einen absolut ebenbürtigen, wenn nicht besseren Drummer gefunden haben, der technisch, sowie musikalisch um einige Klassen besser ist, und die Band bei den neuen Songs in einem ganz anderen Licht erstrahlen lässt…aber das kannst Du auf unserer nächsten CD bestaunen.

Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen und was bedeutet er euch?

Patrick: Wir wollten 1997 von diesem kindisch-naiven „BadMeanTone“ weg, haben dann lange Listen gemacht, und kamen letzlich auf „Ivory Tower“. Tilmann, der damals noch nicht zur Band gehört hat, hat uns darauf hingewiesen, dass es schon eine Band dieses Namens gibt. Unser zweiter Favorit war ein Name, in dem „Night“ vorkam, also haben wir die beiden Namen verschmolzen, und heraus kam „Ivory Night“.
Was er uns bedeutet ist nach fast acht Jahren schwer zu sagen… Ich bin mir sicher, dass wir heute wieder einen ganz anderen Namen wählen würden, schließlich sind ja auch andere Leute in der Band und ich bin acht Jahre älter. Aber ich kann mit diesem Namen sehr gut leben, da es kein typischer Metal Name ist, wie „Steel Invaders“, „Iron Masters“ oder „Power Rulers“. Diese Namen habe ich doch hoffentlich gerade erfunden, oder gibt es etwa Bands, die echt so heißen J.

Stellt euch doch bitte mal alle einzeln vor! Wo kommt ihr her, wie seid ihr drauf, was macht ihr, wenn ihr nicht gerade Metal spielt?

Carsten: Wohnen tu ich in einem kleinen Kaff bei Kaiserslautern. Ich habe Koch gelernt und habe eine Weiterbildung zum Lebensmitteltechniker hinter mir. Arbeite momentan wieder als Koch bei den Streitkräften der USA. Wenn ich mal Zeit für mich alleine finde, dann zock ich ein paar PC Games. Ansonsten lebe ich für die Band, versuche im Internet neue Kontakte zu knüpfen, erledige fast alle Promoarbeiten und arbeite ständig an neuen Songs.
Patrick: Ich wohne mittlerweile in Kaiserslautern, obwohl ich eher ein Landei bin. Ich habe (kein Witz) Hörgeräteakustiker gelernt und arbeite auch als solcher. Ich mach wenig anderes, als Musik. Freunde treffen ist nicht oft, aber immer sehr gut. Songwriting und Texte schreiben geht auch immer.
Tilmann ist Beamter des gehobenen Dienstes im Stadtjugendamt Kaiserslautern, macht ständig irgendwelche Weiter- und Fortbildungen, sowie Zusatzstudiengänge, da er sich offenbar für ALLES interessiert.
Volker steht kurz vor seinem Diplom als (ich hoffe das stimmt so) Sozialarbeiter mit psychologischer Schlagseite. Er macht zur Zeit sehr viel Musik, z.B. als Zusatz-Gast-und-Aushilfstrommler bei der Mittelalter-Band „Saltatio Mortis“.

Wo liegen eure musikalischen Wurzeln und Einflüsse? Was hört ihr privat am liebsten und welche Bands / Musiker haben den Sound von IVORY NIGHT geprägt?

Carsten: Angefangen hat alles bei mir mit der guten alten Radio-Querbeet-Musik. Da war ich so 8 Jahre alt. Damals kam noch viel Rock, wie Dire Straits oder Queen im Radio, ohne genau zu wissen, wer jetzt die Bands sind. Zum Metal kam ich allerdings über Manowar, später Iron Maiden, Alice Cooper. Später Marilyn Manson und jetzt eher Devin Townsend.
Patrick: Ich habe mit Queen, Warlock, Billy Idol und dann Helloween angefangen. Ich habe eine Reise quer durch den Grunzgesang-freien Teil der Metalhistorie hinter mir, und muss sagen, dass ich zur Zeit am meisten auf Queen, Billy Idol, Wishbone Ash, Morgana Lefay, Nevermore, Anthrax (MIT John Bush!!!) und Alice Cooper stehe. Also kein schwerttriefender True Metal mehr. Da bin ich echt übersatt im Moment!

Stellt euch mal vor, ihr müsstet einem Metaller, der noch keinen einzigen Ton von euch gehört hat, eure Musik beschreiben…

Carsten: Weltklasse CD, mit Weltklasse Liedern drauf und das alles für nur 10€. Praktisch geschenkt ;-) Oder Lade es dir online für das gleiche Geld runter ;-)

Patrick: Gewohnt geniale Antwort! Ich denke, wir haben auf unserer CD gezeigt, dass man im relativ traditionellen Metal durchaus gute Lieder schreiben kann, ohne sich ewig zu wiederholen, oder sich in Klischees zu verstricken. Auf unserer zweiten CD werden wir dann „Heavy Metal für Leute, die von Heavy Metal gelangweilt sind“ machen!

Und jetzt versucht mal, einem Nicht-Metaller eure Musik zu erklären…

Carsten: Weltklasse CD, mit Weltklasse Liedern drauf und das alles für nur 10€. Praktisch geschenkt ;-) Oder Lade es dir online für das gleiche Geld runter ;-)

Patrick: Ultra-lach! Ich würde es da mit Diplomatie versuchen: Hört euch das mal an, da findet ihr wenig Sachen drauf, die ihr an Metal scheiße findet!

Wie entstehen die Songs bei euch? Ganz klassisch im Proberaum oder bastelt jeder für sich im stillen Kämmerlein an den Tracks? Gibt es von vorneherein so etwas wie einen „Masterplan“, eine Richtschnur, oder geht alles frei nach Schnauze, so nach dem Motto „mal sehen, was dabei rauskommt“?

Carsten: Mal so mal so. Es entstehen Songs im Proberaum, aber oft kommt zuerst einer mit einer Idee. Bei uns schreibt jeder an den Songs. Patrick und ich bevorzugen es, die Lieder fast komplett zu Ende zu schreiben, wobei Tilmann eher keine Texte verfasst aber oft mit starken Gitarrenriffs ankommt.

Patrick: Und Volker klaut immer ganz dreist! Er kann sich dann aber uns gegenüber so schlecht mitteilen, dass wir seine Ideen immer ganz anders umsetzen, so dass daraus die eigenständigsten überhaupt Sachen entstehen. Der Masterplan lautet „Erlaubt ist, was allen gefällt, Diskussionen sind immer gut!“.

Wo nehmt ihr die Inspiration für eure Texte her?

Carsten: Der neue Songs „Charon Of Styx“ entstand, als ich „Wer wird Millionär“ anschaute*g
Patrick: Manchmal muss etwas ganz dringend gesagt, geschrieben oder gesungen werden. Es gibt natürlich auch Fälle, wo man sich schwerstens quälen muss, weil die Inspiration gerade außer Haus zu sein scheint.

Erzählt doch mal bisschen was über die Songs auf eurem aktuellen Werk „7- Dawn Of The Night“. Was gibt es zu den einzelnen Stücken zu berichten? Welche Songs dieser Scheibe liegen euch besonders am Herzen und mit welchen verbindet ihr etwas besonderes?

Patrick: Oh, das kann ich schwer beantworten, weil ich sonst zu jedem Song einen ganzen Roman schreiben muss…
Generell möchte ich sagen, dass die Songs deshalb für mich alle etwas besonderes an sich haben, weil sie in ganz unterschiedlichen Epochen entstanden sind: Stücke wie „Overture“ oder „Twilight Into Darkness“, die von 1996 und 1997 stammen, also noch vom Ivory Night – Vorläufer, haben natürlich was sehr nostalgisches. Es ist auch interessant, wie einzelne Stücke sich gewandelt haben durch die unterschiedlichen Musiker, die jeweils in der Band waren. Ich freue mich deshalb ganz besonders auf die nächste CD, weil wir dann nur Sachen aufnehmen wollen, die in der jetzigen Besetzung entstanden sind.
Wenn ich einzelne Songs nennen soll, dann „Salvation Is An Honest Man“, weil mir die Solo-Parts besonders gefallen und die einprägsame Melancholie. Und auch „Mother Earth“, weil das für die damalige Zeit (1997) echt over the top war.

Ihr erwähnt auf dem Backcover der CD, dass die Fertigstellung des Albums alles andere als ein Zuckerschlecken gewesen ist und es Komplikationen zu bewältigen gab. Wie lief der Entstehungsprozess der Scheibe ab und warum war die Umsetzung letztlich so stressig?

Patrick: Weil man die Fehler, aus denen man lernt, erst machen und wieder ausbessern muss! Wir haben technische Probleme bekommen, z.B. weil sich beim Parallelschalten zweier digitaler Bandmaschinen, die absolut synchron laufen sollten, herausgestellt hat, dass sie nicht 100% exakt liefen. Somit waren die Drums um Bruchteile schneller, als der Rest der Aufnahmen. So etwas wirft schon stark zurück…
Außerdem ist man als Band, die sich neben geregelten Jobs, dem Proben und den Auftritten, sowie dann auch noch der Suche nach einem neuen Schlagzeuger, um die ganze Organisation von Aufnahmen, Layout, Mix, und Mastering kümmert schon stark am Rudern!
Carsten: Nicht zu vergessen der Proberaumbrand….

Wie sieht’s bei euch bisher mit Live-Aktivitäten aus? Was ist bühnentechnisch für die nahe Zukunft geplant?
Patrick: Wir haben bisher die „Night Of Power“ 2004 mit Brainstorm, Ektomorf, etc., die „Headbangers’ Night“ 2005 mit Majesty und für uns als Headliner das AStA-Sommer-Open-Air 2005 ganz oben auf unserer Referenz-Liste stehen.
Carsten: Wir versuchen für nächstes Jahr viele Festivals zu spielen. Wir haben ebenfalls vor, mit der italienischen Band „Dark Horizon“ in Italien zu spielen, da wir sie auf ihrer Deutschland Tour an einem Abend unterstützen durften. Für 2007 ist eine Tour durch Peru und Ecuador geplant, für die wir jetzt schon kräftig die Werbetrommel rühren.
Patrick: Außerdem werden wir minus Volker als Backingband für die geplanten Deutschland-Auftritte von Josh Kramer, dem Sänger der US-White Metal-Legende „Saint“ im kommenden Oktober fungieren.

Mit welchen Bands würdet ihr gerne mal auf Tour gehen?

Patrick: Oh, das müsste natürlich bezahlbar sein… (Pay to play lässt grüßen!) Wenn, dann müsste es ein geiles Package sein, das auch viele Leute zieht. Als Wunschbands hätte ich persönlich „Jag Panzer“ und „Morgana Lefay“, wobei beide leider nicht sehr viele Leute ziehen.

Wie ist die Metal-Szene bei euch in der Gegend? Gibt es genug Möglichkeiten für Gigs? Wie ist der Zusammenhalt der Szene bei euch in der Region? Welche Bands aus eurem Umfeld würdet ihr empfehlen?

Carsten: Nun ja, es gibt nicht viele Locations bei uns in Kaiserslautern. Wir spielen so 2-3 Gigs in KL. Da gibt es das JuZ, oder auch die Universität, die öfter mal ein Event veranstaltet. Es gibt viele gute Bands bei uns. Daran mangelt es nicht. Zu den besten Bands zähle ich „Divinus“ oder auch „Dioramic“. Mit der Melodic Death Band „Black Horizon“ spielen wir öfter mal zusammen, aber wir haben auch Kontakt zu Bands aus der Vorderpfalz und aus dem Saarland.

Angenommen, eine große Firma, z.B. die Coca Cola Company, hätte ernsthaftes Interesse daran, einen eurer Songs für einen Werbespot zu verwenden. Wie würdet ihr auf so ein Angebot reagieren?

Carsten: Da wäre ich absolut dafür, da es unglaublich viel Promo für uns wäre. Allerdings würde ich es ablehnen, wenn eine bekannte Firma sagen würde, ihr müsst einen Song so oder so komponieren. Ich würde mir nie reinreden lassen, wie ich meine Songs zu schreiben habe.
Patrick: Dem kann ich nur zustimmen. Wir könnten für die Limonaden Firma allerdings auch „You Can’t Beat The Feeling“ covern J

Würdet ihr einer politischen Organisation einen eurer Songs zur Verfügung stellen?

Carsten: Sicher. Alles Promo. Nur würde ich keiner rechts extremen Gruppierung angehören wollen und denen unser Material zur Verfügung stellen.

Patrick: Generell ist das mit der Politik so eine Sache. Das meiste ist leider eher nicht unterstützungswürdig.

Angenommen, ihr hättet die Möglichkeit, den kompletten Soundtrack für einen Film zu kreiren. Was für eine Art Film sollte das sein?

Carsten: Das ist egal…der „Musik-Oscar“ wäre uns auf alle Fälle sicher, also kann sich der Film glücklich schätzen *lach ;-)
Patrick: Haha! Im Ernst: Einen guten unabhängigen Roadmovie könnte ich mir vorstellen. (Jaaaaaa!!!! –freudige Anmerkung von RoadMovie-Freak Phil)

Wie sehen eure Pläne für die Zukunft von IVORY NIGHT aus?

Carsten: Live Auftritte und auch eine neue CD Produktion. Wir wollen auch Geld in Band Shirts investieren…also so das Übliche.

So, jetzt spielen wir mal eine Runde „Word Attack“!! Ich bombardiere euch mit Namen, Zitaten, Songtexten etc. und ihr sagt das erste, was euch dazu einfällt…

Heavy Metal

Carsten: Schon lange keine gute Heavy Metal Platte gehört. Geht eher alles in Richtung „Power Metal“. Warum meinen die Bands sie müssten jeden Song mit Double Bass und Keyboard Passagen belegen? Abgesehen von den Heldenchören, die die Langeweile eines Songs untermalen…

Patrick: Metal nimmt sich selbst zu wichtig. Ist einfach nur harte Musik. Und Musik muss gut sein. Egal welche.

Power Metal

Carsten: Übersättigter Markt. Schade, dass sich jede Platte gleich anhört.

„Früher war alles besser, besonders im Metal.“
Patrick: Stimmt. Die Bands waren authentisch und haben einfach Musik gemacht. Das war dann Heavy Metal. Heutzutage versuchen die Bands Metal zu machen und dabei entweder möglichst nach früher zu klingen, oder mit Gewalt was ganz anderes zu machen.

,,Metal und Politik gehören nicht zusammen und sollten nicht vermischt werden.”

Patrick: Gesellschaftskritik oder Sozialkritik würde ich schon als passend erachten. Aber Politik? Habe ich offen gesagt keine passende Antwort.

„Illegales Runterladen aus dem Internet zerstört die Existenzgrundlage der Musikbranche.“

Carsten: Was noch viel schlimmer ist, ist dass kleine Bands dadurch keine Chance mehr haben was großes zu reißen.

Reunions

Carsten: Eine absolut clevere Marketing Strategie. Machen wir auch direkt nach unserer Trennung ;-)
Patrick: Die „Alten“ haben meist den Zenit weit hinter sich gelassen und blockieren streng genommen die Szene für neue Helden.

„Heavy Metal Will Never Die“

Carsten: IVORY NIGHT will never die ;-)
Wenn man sich manche neuen Scheiben von sogenannten etablierten Heavy Metal Bands anhört, dann ist der Metal schon lange tot.

Patrick: Da muss ich Carsten leider zustimmen. Siehe „Reunions“!

Und jetzt fehlt nur noch eine schlüpfrige Anekdote aus eurem wilden Metaller-Alltag…Dann legt mal los!!
Patrick: Wir proben zwei- bis dreimal die Woche unser okkultes und satanisches Gedankengut. Gelegentlich gehen wir vorher ins Burger King. Oder hinterher ins McDonald’s, obwohl so spät zu essen doch ungesund ist. Carsten und Volker rauchen manchmal eine Zigarette. Richtig schön evil!
Ich muss da immer lachen, weil die ganzen Rock- und Metal-Musiker, die ich kenne, absolut bodenständig sind, aber z.B. beim klassischen Landesjugendorchester tatsächlich übelst viele Drogen konsumiert werden und ausschweifend rumgehurt wird. Tja, Musikrichtung verfehlt J

Das Schlußwort gehört euch!!
Patrick: Danke für das Interview und für die Unterstützung!
Carsten: Vielen Dank an alle IVORY NIGHT Fans, die uns bei unseren Auftritten unterstützen. Ein besonderes Dank an die „Metalheads Remigiusland“ die uns einige Gigs ermöglichten. Und vielen Dank an alle Helfer der Band, sowie an Gelgia von „Cell Division“, die unsere CD mit ihrem Label „Arachnophobia“ vermarktet.
Und haltet mal die Augen auf, vielleicht passiert ja noch was mit IVORY NIGHT und dazu bitte täglich auf unsere Homepage gehen www.ivorynight.de

Tja, das war’s dann auch schon wieder. Bis zum nächsten mal, wenn es wieder heißt: „Onkel Phil nervt arme Musikanten mit doofen Fragen“…

www.ivorynight.de