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Interview: Sina Winter (From The Vastland)

3 Januar 2018

Sina WinterSina ist vermutlich einigen aus dem Black-Metal-Dokumentarfilm „Blackhearts“ oder seiner Band „From The Vastland“ bekannt, die mittlerweile schon ziemliche Wellen in Norwegen schlug. Ich hatte die Möglichkeit mit Sina ein sehr interessantes und ziemlich einzigartiges Interview zu realisieren. Wir unterhielten uns über seine Heimat Iran und wie er zum Black Metal kam, über die Unterschiede des Lebens und Arbeitens eines Black-Metal-Musikers im Iran und hier und natürlich den kulturellen Abweichungen. Sina erzählte seine Geschichte, wie er dann Schlussendlich in Norwegen gelandet ist und was sich für ihn und für seine Musik alles verändert hat.

Hallo Sina! Erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und für dein Interesse an diesem Interview.

Hi! Bitte sehr, auch dir vielen Dank für dein Interesse und deine Unterstützung! Es ist eine Freude das Interview zu machen…

Lass uns doch gleich zum Anfang mit deiner Geschichte beginnen. Erzähl doch vorne weg, wie du überhaupt zum Black Metal gekommen bist? Ich kann mir vorstellen, dass es vermutlich nicht so eine alltägliche Sache in deiner Heimat ist, bitte korrigiere mich, wenn ich einen falschen Eindruck habe…

Also, ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der schon meine Eltern Rock-Fans waren. Meine Mutter und mein Vater haben schon damals die Rockmusik der 70er bis 80er wie Camel, Pink Floyd oder Eloy gehört. Ich habe auch eine ältere Schwester, die auch auf Rock und Metal steht. Als ich dann ein Teenager war, so 12 oder 13, hatte ich einen Freund, der damals in Österreich lebte, aber die Sommerferien immer im Iran verbrachte, der mir dann immer Tapes von Black Sabbath, Guns & Roses, Skid Row und Metallica mitbrachte. Das war für mich das erste Mal, als ich Metal-Musik hörte. Ja, und dann weisst du ja selber wie es ist….Du fängst an Metal zu hören und du kannst nicht mehr aufhören damit. Jeden Tag willst du mehr und mehr und suchst für neues Zeug…du weißt schon 😉 .

Hehe, kenn ich…

Aber Black Metal dann, hat in meinem Fall wirklich seine eigene Geschichte. Eigentlich war ich für lange Zeit ein Death-Metal-Anhänger bis mir ein Freund dann plötzlich eine CD in die Hände drückte, da war ich etwa zwanzig, es war das Album „Filosofem“ von Burzum und das war das erste Black-Metal-Album, das ich je gehört habe. Ich erinnere mich noch heute genau an das Gefühl, das ich hatte, als ich dieses Album hörte. Weisst du, es war so mysteriös und geheimnisvoll, dunkel und düster…Ich habe es mir fünf Mal hintereinander angehört in dieser Nacht. Ich versuchte es zu verstehen, da es so anders war, als alles was ich von Metal in dieser Zeit kannte und ich fühlte, dass es nahe zu meinem Innern war. Da war es für mich sofort klar, dass ist die Musik die ich machen will…

Ok, ich verstehe…

Aber ja, du hast Recht, vor allem damals war es im Iran sicherlich nicht üblich. Wir waren eigentlich nur eine Handvoll Freunde, die sich für Black Metal interessiert haben. Wenn du in dieser Zeit da einen Metalhead gefunden hast, dann war er ziemlich sicher ein Thrash- oder Death-Metal-Anhänger, wie ich ja auch einer vorher war.

Wie ist es dann später dazu gekommen, dass du selber mit einer Black Metal Band angefangen hast? Ich glaube die erste Band war “Sorg Innkallelse” stimmt, oder?

Es war so, ich spielte schon Gitarre als ich angefangen habe Black Metal zu hören, da fing ich an die Techniken und das ganze Zeug zu üben. Nach einer kurzen Zeit dann hatte ich schon 3 Songs geschrieben, hatte aber keine Idee, wie ich mit einer Band anfangen könnte. Etwas später dann, rief mich ein Cousin an, der auch schon längere Zeit als ich in der Metal Szene war und er fing dann an die Idee weiter zu formen. Dann, einige Wochen später hatte ich einen Song mehr fertig. Einige Tage später war mein Cousin bei mir und wir fingen an über einen Bandnamen nachzudenken und zu diskutieren, allerdings hat der Name seine eigene Geschichte. So ging es dann weiter, Songtexte schreiben, Songs aufnehmen und Demo-Album fertig machen….

Es ging eigentlich alles ziemlich schnell und so wurde das Projekt zum Mittelpunkt unserem Leben. Alles in allem wurde es dann zu einer ziemlich langen Geschichte und wir brachten unter diesem Namen “Sorg Innkallelse” zehn Alben von 2003 bis 2008 unter einem Label ausserhalb des Irans raus. Du musst wissen, es ist verboten im Iran und wir mussten die Band sogar vor unseren Freunden lange geheim halten.

Und was ist die Geschichte hinter dem Namen?

Das ist wirklich eine lange Geschichte…aber ich fasse sie kurz zusammen… Also den Name „Sorg Innkallelse” haben wir aus verschiedenen Gründen gewählt. Als dann einige Zeit später das Internet in alle Häuser kam fand ich raus, dass die Zusammensetzung der Wörter so nicht korrekt ist und es in Norwegisch überhaupt keinen Sinn macht. Nun ja, damals hatten wir keinen Zugang zu solchen Informationen außer einem kleinen Englisch-Norwegisch-Wörterbuch und wir übersetzten so einfach den Name in Englisch „Grief Summon“ ins Norwegische und hatten natürlich keine Ahnung ob dies so richtig ist. Aber die zwei Hauptgründe für den Namen waren einerseits, dass wir der Band den Norwegischen Style und Touch geben wollten, da unsere Musik auch eher typisch norwegischer Black Metal war. Zum anderen, durch die Situation in unserer Heimat, wollten wir halt einfach auf Nummer sicher gehen, dass niemand rausfinden konnte, dass wir eigentlich aus dem Iran sind…die Sicherheit.

Ich habe gelesen, dass du dann etwas später mit „From The Vastland“ als ein Solo-Projekt gestartet hast. Was waren die Gründe dafür? Oder erzähl mir doch einfach die Geschichte wie es zu „From The Vastland“ kam…

Gegen Ende 2008 brachten wir das letzte Album meiner ersten Band raus und wir hörten auf mit dem Projekt und für mich war es natürlich nicht möglich mit der Musik ganz aufzuhören. Ich hatte viele Ideen und habe auch schon an einigen Songs gearbeitet und nach einiger Zeit hatte ich zehn Songs fix und fertig! Ich konnte es einfach nicht lassen länger zu warten und ich wollte sehen was passiert, also begann ich mit “From The Vastland”. Es war dann eigentlich in 2010, als ich offizielle, als ein „One-Man-Project“ startete. Später, so in 2013 und 2014, als ich nach Norwegen ging, wurde “From The Vastland” dann eine Band.

Weisst du, es ist auch die Situation, in solch einem Land wie dem Iran mit all den Gesetzen, Regeln und Einschränkungen als Black-Metal-Musiker, dass es schwierig wird Leute zu finden, die wirklich bei so einem Projekt ernsthaft mitmachen wollen. Plus, hatte ich viele Träume und Ziele, die ich erreichen wollte! Also konnte ich nicht mehr abwarten und hatte keine andere Wahl als, das Projekt als ein Solo-Projekt zu starten. Obwohl dies war auch die Zeit als ich Droh-Nachrichten von unbekannten Quellen erhielt und das war schon ein bisschen beängstigend, aber ich wollte es trotzdem durchziehen. Nun gut, alles fing an mit dem Recording des Debutalbums „Darkness Vs Light, The Perpetual Battle” und dem Release durch ein Ukrainisches Label.

2013 hast du dann bei Indie Recordings in Norwegen unterzeichnet, was war das für eine Erfahrung für dich und wie ist es dazu gekommen?

Ja genau. Eigentlich bin ich schon im Jahre 2009 durch das Release des Albums „Into The Dark Tower“ meiner ersten Band, welches in Norwegen auf Vinyl rausgebracht wurde, in Kontakt mit der Norwegischen Black-Metal-Szene gekommen. Später kam ich dann in Kontakt mit den Leuten von dem Dokumentarfilm „Blackhearts“, in dem ich dann der Hauptcharakter wurde. Also, als ich dann durch Hilfe von norwegischen Freunden, vor allem Christian Falch (der Produzent der Doku) und Obsidian C (Keep of Kalessin), endlich in Kontakt mit Indie Recordings kam. Die haben sich mein Album „Kamarikan” angehört und fanden es gut. Es wurde dann 2013 weltweit rausgebracht. Weisst du, ein Album unter einem so grossen und bekannten Black-Metal-Label hier in Norwegen rauszubringen, war für mich wie ein Traum! Ja, das war grossartig.

Kurz nach dem Record Deal hattest du auch schon den ersten Auftritt am Inferno Festival in Norwegen, wo du mit einem gigantischen Line-Up auf der Bühne gestanden hast. Wie war das für dich, dass Grössen wie Vegar „Vyl“ Larsen oder André „Tjalve“ Kvebek usw. dein Projekt live unterstützt haben?

Stimmt, das war sogar der gleiche Tag, Release Datum und Inferno Show waren am selben Tag. Kannst dir ja vorstellen, was das für ein Gefühl war! Bis zum heutigen Tag sind die Erinnerungen noch frisch und es war lange ein Traum von mir mit meiner Musik auf der Bühne zu stehen und da hatte ich es dann auf einem der großartigsten Festivals dem Inferno. Es war unglaublich! Vor allem war dies auch noch der aller erste Gig, den ich überhaupt hatte und dann stell dir vor, meine Band ist direkt der Opener für das Festival. Ich hatte wirklich Glück, dass ich die Möglichkeit hatte mit solch professionellen, bekannten und grossen Musiker wie „Vyl“, „Tjalve“ und „Destructhor“ auf die Bühne zu gehen. Es ist fast unmöglich die richtigen Worte zu finden, um meine Gefühle zu beschreiben!

Danach wurdest du dann zum Hauptcharakter des Dokumentarfilmes „BLACKHEARTS“. Kannst du noch genauer erzählen, wie es dazu gekommen ist?

Ja klar, wie ich schon vorher schnell erwähnt habe, war ich schon in Kontakt mit Leuten aus der Szene in Norwegen, das war in 2012, als ich dann eine E-Mail vom Produzenten Christian Falch bekam. Er fand mein Album, das in Norwegen rauskam, und mit der Hilfe des Label Boss Tom Erik Larsen, konnte er mich kontaktieren. Er erzählte mir die Idee des Projektes. Ich musste nicht zwei Mal überlegen und sagte einfach „JA“, obwohl ich wusste, es wird nicht einfach für mich werden, eine Herausforderung und mit vielen Risiken, verstehst du. Also trafen wir uns das erste Mal in der Türkei, da es nicht einfach ist für solch ein Projekt in den Iran einzureisen und so fing dann alles an.

Im Dokumentarfilm erzählst du auch, wie schwierig es ist eine Black-Metal-Projekt in deinem Land zu starten und von den Problemen, die man bekommt. Wenn ich mich nicht täusche, sprichst du auch darüber, dass du fast ins Gefängnis gekommen bist wegen deiner Musik. Möchtest du etwas mehr darüber erzählen, was da los war?

Du musst wissen, es ist nicht einfach für Metal-Musiker in einem Land wie dem Iran, wo man so strickt ist bei Sachen, die aus einer anderen Kultur kommen. Grundsätzlich ist Metal-Musik von der Regierung verboten. Es gibt keinen Plattenladen, kein Label oder sonst was. Metalheads kommen nur über das Internet zur Musik. Im Fall Black Metal ist es noch schlimmer, da die Regierung die Musik als Teufelsmusik oder Blasphemie betitelt und es ist ein grosses Risiko eine Black-Metal-Band zu starten. Seit einigen Jahren propagiert die Regierung ein sehr schlechtes Bild über die Metal-Szene, Musiker und Fans. Seit Jahren hetzt die Regierung gegen Metal-Musiker, verhaftet sie und wirft die Leute ins Gefängnis. Der Punkt ist, sie haben die Macht dazu, also ist alles möglich. Ich hatte auch Schwierigkeiten und Probleme wegen meiner Musik in meiner Heimat. Angefangen hat es im Jahre 2007 und wurde dann wirklich schlimm nach dem Konzert am Inferno Festival. Aber zum Glück konnte ich dann im richtigen Moment nach Norwegen ziehen ….

Was hat sich für dich jetzt so alles verändert, seitdem du in Norwegen lebst? Was sind die grössten Veränderungen für dich und deine Musik? Lebst du gerne in Norwegen und was vermisst du von deiner Heimatstadt Teheran?

Mal aus der Sicht meines „Künstler Lebens“ gesehen, meiner Musik und für meine Band, hat sich so ziemlich alles verändert, seit ich nach Norwegen gezogen bin. Du kannst Dir ja vorstellen, wie ich damals anfing, alleine in meinem Zimmer im Iran und heute mit professionellen Musiker zu arbeiten. Ich habe viel gelernt, mache jedes Mal viele wichtige Erfahrungen, wenn ich ein Album aufnehme oder auf einem Festival spiele. Nur schon aktiv in der Szene zu sein, ist eine grosse Inspiration und Ehre. Ich gebe mein Bestes, um jeden Tag besser und besser zu werden. Zusätzlich hatte ich schon seit vielen Jahren den Traum einmal nach Norwegen zu reisen und jetzt habe ich die Chance hier sogar zu leben. Die Atmosphäre des Landes, die Leute, die Kultur und natürlich die Natur – Ich liebe es hier zu leben…

Natürlich vermisse ich meine Familie, meine Freunde und auch das Land, aber weisst du, die Situation ist jetzt halt so. Es war sicher nicht einfach, alles hinter mir zu lassen, aber ich habe die Möglichkeit bekommen „Sina“ zu sein, meine Ziele zu verfolgen und mein Traum zu leben! Den Erfolg den ich hier habe wäre in meinem Land nie möglich gewesen. Black Metal ist nicht einfach Musik für mich, es ist meine Passion und ich musste viel dafür opfern!

2016 hast du dann das Album „CHAMROSH“ auch mit “Tjalve” und “Spektre” aufgenommen, welches dann auch im selben Jahr rausgekommen ist und du hast einige Shows gespielt. Was kommt als nächstes? Hast du schon Pläne für die Zukunft?

Ja, das stimmt. Bevor ich das Album „CHAMROSH“ aufnahm, habe ich schon an neuem Material gearbeitet und jetzt habe ich alle neuen Songs für das nächste Album fertig! Also bald werden wir das neue Album aufnehmen und hoffen, dass wir es im Frühjahr 2018 rausbringen können. Ich arbeitete mehr als ein Jahr an diesem Album und kann jetzt schon sagen, es wird das dunkelste „From The Vastland“ Album werden. Zusätzlich, sind wir dabei mehr Gigs und Events planen…also bleib einfach dran und bald werden wir gute Neuigkeiten haben!

Danke vielmals Sina für deine Zeit und das spannende Gespräch und natürlich wünsche ich dir alles Gute für die Zukunft!

Danke dir vielmals für das Interview und deine Unterstützung, ich schätze es sehr! Ich wünsche dir alles Gute!

www.fromthevastland.com
www.facebook.com/fromthevastland
www.youtube.com/fromthevastland

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