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Inquisition, Pillorian, Valborg @ Marx Hamburg, 10.04.2017

24 April 2017

Die Plakate an den Hamburger Litfaßsäulen müssen im Vorfeld den Konzertes im Marx für einige Verwirrung gesorgt haben: Sind Pillorian jetzt der Headliner? Spielen Inquisition überhaupt? Und: Sind das eventuell zwei unterschiedliche Konzerte? Der Veranstalter hatte sich nämlich darauf beschränkt die „Scorn Across Europe“-Tour von Pillorian und nicht die „Bloodshed Across Europe“-Tour von Inquisition zu plakatieren. Ein Blick ins Internet löst das Rätsel: Inquisition sind Headliner und werden von Pillorian und Valborg (als Special Guest) supportet.

Letztere beginnen den Konzertabend. Die Band aus Bonn konnte sich mit energetischen Auftritten bereits die Aufmerksamkeit der Roadburn-Kuratoren erspielen. Auch in Hamburg zeigen die Musiker ihre beworbenen Live-Qualitäten. Der Sound ist doomig-düster. Die Performance ist aber alles andere als lethargisch, viel mehr kraftvoll und aggressiv. In die schleppende Schwere von Songs wie „Werwolf“ oder „Plasmabrand“ sind immer wieder unerbittliche Death-Riffs eingeflochten, die von den Musikern zelebriert werden. Die Texte werden vom Bassisten und Gitaristen wuchtig ins Mikrophon gebrüllt. Manche der Lyrics sind so minimalistisch, dass man an eine groteske Version von Kraftwerk denken muss („Stein für Stein. Ich mauer mich ein. Stossfront. Panzerkopf. Endstrand. Wasserloch. Strand aus Beton. Kern aus Diamant.“). Anfangs reagiert das Publikum noch etwas verhalten. Vielleicht ist der musikalische Unterschied zu Inquisition einfach zu groß. Mit „Massaker in St. Urstein“ und „Exodus“ beschließt die Band ihr Set. Die beiden Songs sind wohl überlegt gesetzt, denn sie drehen das Tempo noch einmal ordentlich auf, was dem Publikum schon eher zusagt.

Pillorian hatten im Vorfeld schon Aufsehen erregt. Wie kann es auch anders sein, wenn Ex-Agalloch-Sänger und -Gitarist John Haughm eine neue Band gründet? So ist es nicht verwunderlich, dass im Publikum einige Fans sind, für die der eigentliche Headliner Pillorian sind. Nachdem zwischengeschobenen Soundcheck erklingen Dark Ambient-ähnliche Klänge und läuten den Auftritt ein. Die Songs die darauf folgen sind Erhaben, eignen sich aber auch perfekt zum Headbangen. Musikalisch hört man noch, dass die Songs an Agallochs „Marrow Of The Spirit“ ansetzten. Nach der Trennung der Band im letzten Jahr, kommt da schon ein bisschen Wehmut auf. Trotz all der Vergleiche klingen Pillorian nicht einfach nur nach Agalloch, sondern präsentieren ihre eigenen Ideen wie ausgefeilter Black Metal zu klingen hat. In den Pausen zwischen den Songs gibt es wie zu Beginn düstere Sound-Einspieler, die einem den Eindruck vermitteln, dass das Konzert ein musikalisches Gesamtwerk ist. Es braucht also auch keine große Interaktion zwischen Musikern und Publikum. Der Auftritt hat mit der in grünes Licht und Trockeneis gehüllten Bühne eh etwas Hypnotisierendes. Die Band spielt fast das ganze Debüt-Album und endet mit „Forged Iron Crucible“ in einer Tremolo-gespickten Wall of Sound, während derer nach und nach die Musiker ihre Instrumente niederlegen und die Bühne verlassen. Nur Sänger John Haughm bleibt vor seinem immensen Pedalboard knien und dirigiert die Klangwände in ein droniges Finale.

In der etwas längeren Umbaupause zwischen Pillorian und Inquisition füllt sich das Marx noch einmal beträchtlich. Der letzte Auftritt von Inquisition in der Hansestadt im letzten Herbst liegt vielen Fans wohl schon zu lange zurück. Die amerikanische Black-Metal-Instanz wird sehnlich erwartet, sodass auch der Platz direkt vor der Bühne in Beschlag genommen wird. Auf der Bühne entfesselt das Duo pures Chaos. Die Beleuchtung lässt den Sänger zu einer düsteren Silhouette verschwimmen, die stoisch zwischen den beiden Mikrophonständern links und rechts auf der Bühne hin und her schreitet. Die Blastbeats hämmern sich in den Gehörgang, die Riffs peitschen um die Ohren und die kurzen Pausen – wenn nicht mit Samples gefüllt – sind eigentlich nur Auftakte für den nächsten Song. Das ist erbarmungsloses Schwarzmetall, welches dem Publikum direkt in den Nacken fährt. Von Song zu Song gibt es mehr Rufe, mehr Horns und mehr geregte Fäuste.
Ganze zwölf Lieder bringen Inquisition an diesem Abend. Die Setlist ist dabei sehr ausgewogen, wobei der Schwerpunkt auf den letzten drei veröffentlichten Alben liegt. Mit „Embraced By The Powers Of Unholy Death And Destruction“ gibt es aber auch einen Song von ihrer zweiten Platte. Mit den Worten „I hope you walked in powerful and you will walk out even more powerful tonight“ und dem Song „A Magnificent Crypt Of Stars“ verabschiedet sich die Band. Wie schon zuvor gibt es keine Zugaben – auch wenn sich das letzte Sample verheißungsvoll in die Länge zieht. Die „We want more“-Rufe die sich mit dem Ziegen-Gemähe des Outros mischen, sind allerdings vergeben.

Ob jetzt nun Scorn oder Bloodshed Across Europe, am Ende bleiben drei auf ihre jeweilige Spielart geniale Shows. Ein hochkarätiges Line-Up, das die durchaus hochgesteckten Erwartungen mehr als erfüllen konnte. Ein wahrer Glücksgriff im Hamburger Konzertleben!

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