Hard Stuff: Kutten

Zeit für Maikis metallische Geschichtsstunde. Heute möchte ich die Erinnerung auf etwas richten, was einige Zeit fast völlig in der Metalszene verschwunden war, und in einigen Gegenden auch noch ist. Die Kutte. Warum heißt diese Kutte, die eigentlich eine Weste ist, Kutte?

Die Erfinder dieser mit Patches benähten, beklebten oder benieteten Teile waren eigentlich die Rocker, die Biker, vor allem wohl die Hell’s Angels. ‘Kutte’ ist vom  englischen ‘cut off’ hergeleitet, also eine Jacke, deren Ärmel und Kragen abgetrennt wurden. Logisch, denn mit Lederkombi unter der kalifornischen Sonne herumschüsseln, das schwächt! Ursprünglich waren die Dinger auch aus Leder, aber da sich das Zeug scheiße nähen läßt, ist man wohl auch auf Jeans übergegangen (heute ist man in Bikerkreisen wieder bei Leder, wegen dem Wetter und diversen Eintrittsritualen…).

Die Biker nähten nun ihr Clublogo (Color genannt) und Patches von befreundeten Bikerclubs an das Teil. Irgendwann muß mal jemand aus der Metalszene auf die Idee gekommen sein, daß man das auch ganz praktisch mit den Patches seiner Lieblingsbands machen kann, was schon mal die stundenlange Entscheidungsfrage, welches Shirt man zum Konzert anziehen soll, etwas erleichtert. Den Boom erlebte die Metalkutte in den Mitt- bis Endachzigern, in der Zeit waren auch die meisten Patches, besonders großformatige Rückenaufnäher erhältlich. Für Außenstehende sieht so ein Teil ziemlich schräg und vielleicht auch abgerissen aus, und in der grassierenden Eleganzwelle im Metal wird oft über diese kultigen Geräte gelächelt.

Dabei ist so’ne Kutte nicht mal ein Armutszeugnis (im materiellen Sinne), denn mal abgesehen von der Anschaffung einer dergestalt zugerichteten Jacke, oder einer fertigen Weste kommen ja noch die Patches dazu. Mit guter Raumaufteilung kann man gut und gerne 50 solche Dinger auf seinem Fetzen festnageln. Rechnet man grob 5 Mark für so ein Teil, liegt man gut und gerne bei 250 Steinen für so ein Teil, den ideellen Wert – jede Kutte ist sozusagen ein Unikat, da sie den individuellen Geschmack des Trägers widerspiegelt- nicht mitgerechnet. Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich meine erste Kutte nicht mehr besitze, das Teil hat mir mit zunehmendem Bierkonsum nicht mehr gepaßt, und ich hab’ sie einem Nachwuchsmetaller vermacht.

Mittlerweile habe ich mich aber nicht mehr beherrschen können, und mir wieder eine neue zusammengeschustert, und in der möchte ich auch begraben werden, hähähä. Aber das Schönste an dieser kultigen Klamotte ist, daß sie wohl nie so richtig vom Mainstream einverleibt wird. Alles mögliche wird irgendwann mal ‘salonfähig’, wie Lederklamotten, lange Haare, Nieten, Piercing, Tattoos und was weiß ich noch alles, aber die Kutte wird seinem (ihrer) Träger(in) immer das Image eines Outlaws verleihen. Ob nun Bikerkutte, oder Metallerkutte, scheißegal. Und darauf Prost und Cut Off And Die!

Maik Godau 32 Artikel