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Hard Stuff again: …20 Jahre Eternity

11 Mai 2015 2 Kommentare

Anläßlich des 20- jährigen Jubiläums des Eternity-Magazins erhebe ich mich auch mal wieder aus der Gruft und widme mich einer zu lange vernachlässigten Aufgabe. Nein nein, keine Angst! Ich höre schon das massenhafte Aufstöhnen: „Jetzt lallt uns der alte Sack wieder voll damit, wie geil früher alles war, und wie Scheiße es heute ist!“ .

Nein, weit gefehlt, liebe Gemeinde. Früher war es gar nicht soooo viel besser. Im Gegenteil. Es war nur eben anders. Die Sache, daß wir Veteranen den nostalgischen Tunnelblick haben ist hauptsächlich der: Wir waren damals jung, und brauchten den Krach. Und weil Metal damals gerade so im Aufschwung war, war es genau der Krach, den wir brauchten. Und während mir hier Stace „Sheepdog“ McLaren mit seiner Engelsstimme „Take this torch“ ins Ohr säuselt, fällt mir ein, daß das Album nun auch schon 30 Jahre auf dem Buckel hat. Damals war ich 19. Und es hat über 10 Jahre gedauert, bis ich das Album in meinem Besitz hatte (natürlich als Vinyl) .

Diese Zeiträume kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Wer also meint, damals war alles besser, kann sich ja mal daran erinnern, wie es war, im ostdeutschen Tapetrading die zigste Kopie der zigsten Kopie von „Terrible Certaionty“ ergattert zu haben. Auf ostdeutschen Kassettenrekordern überspielt. Jaja, und genauso klangen die Kasis auch. Wir haben die Teile dennoch geliebt, und gebirgsgroße Steine gekotzt, wenn`s uns das Tape verspult hat. War das wirklich besser?

Aber auch in Restdeutschland oder eben nach dem Mauerfall. Gut, eine ergatterte Seltenheit hat einem ein gewisses Hochgefühl beschert. Die Jagd war erfolgreich. Wenn man heute mit ein paar Klicks im Internet bestellt, ist das natürlich eher weniger erregend. Und nach drei Tagen ist der Kram im Briefkasten. Damals hat man bis zu 6 Wochen gewartet, bis der Krempel dann mal da war. Und dann hat der Versand auch noch das falsche geschickt. War das auch besser?

Kommen wir zu den Bands selber. Ohne Plattenvertrag gab es damals keine Chance, etwas außer Demotapes zu veröffentlichen. Bands haben sich teilweise von Geschäftemachern ziemlich über den Tisch ziehen lassen, um einen Plattendeal zu ergattern. Und wenn ein Stil gerade nicht angesagt war, lag die Chance, seine Musik von einer dieser großen kratzigen Scheiben zu hören gleich null.
War das besser?

Okay, daß heute jeder seinen musikalischen Furz gleich auf CD pressen lassen kann, und die Veröffentlichungsflut steigt, ist vielleicht ein etwas negativer Aspekt. Allerdings entscheidet dann die Fangemeinde, ob er das Ding in den Sand gesetzt hat, oder ob es gefällt.

Okay, 20 Jahre Eternity. In unserer heutigen schnelllebigen Zeit sind zwanzig Jahre schon eine kleine Ewigkeit. Deshalb war die Wahl des Namens schon von einer gewissen Weitsicht geprägt. Ich kenne das Heft noch aus der Print-Zeit und erinnere mich auch noch an das geniale Festival im Leipziger HELLRAISER inklusive Laubhaufen-Exzess.
Und es kommt mir vor, wie gestern.

Viele Fanzines haben seitdem das Zeitliche gesegnet, letztes Jahr erst das G.U.C. und auch das räudige Machwerk aus meiner Feder, „SinIsThere“ hat voriges Jahr sein finales Erscheinen erlebt.
Demgegenüber muß man sagen, daß das Eternity damals gerade zur rechten Zeit die Zeichen derselben richtig gedeutet hat, und den Weg ins Web genommen hat. Ich muß jetzt ehrlich sagen, daß ich das nicht allzu eifrig mitverfolgt habe, da ich immer noch am liebsten aufs Sofa gefläzt Fanzines lese. Andererseits ist dank Smart Phones und Tablet PCs dieses Argument auch schon veraltet.
Dennoch ist PC für mich immer noch so eine Art Arbeit. Naja, und deswefgen bin ich nicht so firm, was Webzines angeht.

Und während wir Printfuzzis uns nun zurückziehen, und einer Horde jüngerer Fanzinemacher unsere leicht angerostete Metal-Rüstung übergeben, stellt das Eternity so etwas wie ein digitales Monument der Zeit dar, als wir alle mal angefangen haben, mit der Fanzinerei. Und war das damals besser?

Ich sag Euch mal, was war.
Damals waren wir jünger, und es kommt uns in unserer Erinnerung besser vor. Ich habe für meinen ersten Kopierer damals fast 4000 Mark bezahlt. Und das Scheißteil war so oft kaputt, daß ich noch mal mindestens 1500 Märker Reparaturkosten hatte. Eine Tonerpatrone hat 149 Mark gekostet. Die war nach einer SinIsThere –Ausgabe fertig. War das besser?

Wenn ich eine Band wegen Intie anfragen wollte, brauchte ich eine Adresse. Das war schon oft abenteuerlich. Das konnte dauern. Dann hat man eine Anfrage verschickt, und bekam vielleicht nach drei Wochen eine positive Antwort. Und wenn dann das fertige Interview mal bei einem ankam, war dann schon mal ein halbes Jahr verstrichen.

Bis das Heft dann mal herauskam, hatte sich die Band schon aufgelöst, oder schon ein, zwei weitere Veröffentlichungen, einen Plattendeal mit Nuclear Blast oder einen Auftritt auf Wacken in petto. War das besser?

Ich habe immer gedacht, Print-Zines sterben aus. Aber es sind nur die alten, die aufhörten. Es gibt noch, oder sollte man sagen: wieder, hungrige junge Metalheads, die sich das Fanzinewesen auf die Fahne geschrieben haben.
Das „Garm“ für die Black Metal Fraktion, oder das „Snowfall“, oder die ewigen Kämpfer wie den Cowboy, der mit „Realm of Shades“ und „No Beer Until Metal“ die Fahne hoch hält.
Und das ist Metal!

Egal, mit welchem Medium unserer heiligen Musik gehuldigt wird: Print/Web- zines, und all ihr hungrigen metalverrückten Tiere da draußen in der Welt:

Hallowed be thy name! For ETERNITY!

Autor:

2 Kommentare »

  • Kai Wilhelm sagt:

    oh my fucking god … die Laubhaufen Story hab ich ja fast schon vergessen. Ich erinnere mich aber nach kurzem Denkanstoß an die Eskapade meines Namensvetters ^^

  • Maik Godau sagt:

    Ja, die Laubhaufenstory werde ich nieeeeeee vergessen! Das war episch! Das war Metal!!! Da ich gerade an meinen Metal Memories schreibe, hat jemand eine Kontakt-Addy vom Scheiben-Kai, damit ich ihn fragen kann, ob er was dagegen hat, wenn ich seine alte Jugendsünde wieder ausgrabe?

    Haut rein!

    Maik „old fart“ Godau

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