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Elvenking, Finsterforst, Firtan, Evertale @ MS Stubnitz Hamburg, 29.04.2017

11 Mai 2017

Am 29. April enterten Elvenking die MS Stubnitz im Hamburger Hafen und dafür erklärte man das Schiff kurzerhand zum Full Metal Ship. Mit diesem Gig endete ihre „Your Heroes Are Dead Now“-Tour und nicht nur der bunte Support (Power Metal von Evertale, Pagan/Black Metal von Firtan und Finsterforst) machte den Abend zu einer abwechslungs- und ereignisreichen Angelegenheit.

Ein Conferencier im Kilt kündigt lautstark und mit viel Herzblut Evertale als erste Band des Konzertes an. Die Musik der Baden-Württemberger ist offensichtlich schon mal über die Elbe gedrungen, denn das Quartett wird von einigen sehnlich erwartet. Die Band ist Power Metal durch und durch. Angefangen bei den programmatischen Songtexten über Drachen, Krieger und Zauberer, bis hin zu der epischen Musik. Letztere ist zwar an vielen Stellen nicht sonderlich originell, aber wird mit guter Laune herübergebracht. Das dieses Gesamtpaket trotzdem im Grunde nichts Neues ist, ist dem Publikum aber herzlich egal. Die Band hat die Menge nach den ersten Liedern fest im Griff und die Stimmung ist ausgelassen. Völlig unvermittelt tauchen dann während des letzten Songs („Firestorm“) Elvenking auf der Bühne auf und beschmieren die Gesichter Musiker mit schwarzer Farbe. Mit diesem kleinen Gag wird wohl das Tour-Ende zelebriert und er sorgt für einiges Gelächter im Publikum.

In der Umbaupause wird die erste Runde Bingo gespielt. Die Veranstalter haben sich nämlich einige Mühe gegeben und ein BBQ-Grill und Gewinnspiele organisiert. Der Hauptpreis sind immerhin zwei Wacken-V.I.P.-Tickets. Nach der Bingo-Runde betritt wieder der Herr im Kilt die Bühne und heizt der Menge mit dem eigens von Firtan erdachten Schlachtruf („Olf!“) ein, bis die Band selber zu den Klängen des Intros auf die Bühne tritt. Mit dem Wechsel auf der Bühne hat sich auch das Publikum in den ersten Reihen geändert. Verständlich, denn der Black Metal von Firtan treibt die (an diesem Abend noch sehr junge) BM-Fraktion nach vorne. Der melancholische Unterton der Studio-Aufnahmen geht in den sechs Songs live ein wenig verloren, aber die Leute sind eh mehr in Party-Stimmung. Fans der Band haben es sich auch nicht nehmen lassen ein kleines Transparent auf rosa-farbenen Papier anzufertigen, das in die Luft gereckt wird. Die Setliste ist wie bei allen Bands relativ kurz. Die fünfzig Minuten Spielzeit füllen Firtan hauptsächlich mit Stücken von ihrem ersten Full-Lenght-Album „Niedergang“. Natürlich lassen es sich Elvenking auch bei diesem Auftritt nicht nehmen auf die Bühne zu kommen. Dieses Mal allerdings mit Abschminktüchern, um die eh schon bemahlten (oder viel mehr beschmierten) Gesichter der Musiker zu verunstalten.

Nach einer weiteren Runde Bingo im oberen Stockwerk des Schiffbauches sind Finsterforst an der Reihe. Der „Black Forest Metal“ der Band hat in den letzten Jahren einige klangliche Veränderungen erfahren: Der Akkordeon-Spieler hat die Gruppe verlassen und mit der letzten Scheibe hatte man eine ironische Party-Hits-EP veröffentlicht. Dennoch sind die ersten drei Songs des Konzertes gewohnt lang und episch. Dementsprechend sieht man viele in Erhabenheit geschlossene Augen. Den Clean-Gesang versteht man leider kaum. Die übrige Performance des Sängers ist hingegen gut und passend zur Musik gestenreich und pathetisch. Was den Mix angeht haben Finsterforst wohl etwas Pech, denn auch das Keyboard ist – bis bei ein paar solistischen Parts – nicht zu hören. Für das nächste Lied („#YØLØ“) entern diesmal alle Bands gemeinsam mit ihrer Crew die Bühne und verwandelt diese geradezu in eine Tanzfläche. Alle Musiker lassen sich den Spaß nicht nehmen um den letzten Tour-Abend gebührend zu feiern und das schlägt auch schnell auf das Publikum über.

Die Headliner Elvenking fangen ein wenig verspätet an zu spielen. Das Konzert lässt bereits zu Anfang keine Wünsche offen: Auf „King Of The Elves“ und „Elvenlegions“ vom aktuellen Album, folgt der Klassiker „The Wanderer“. Besser geht es nicht! Doch spätestens nach dem dritten Song fällt auf, dass der Sänger merklich schwankt. Die Feierlaune hat ihn wohl etwas zu tief ins Glas schauen lassen. Etwas sehr tief. Das ist am Anfang zumindest noch ein bisschen lustig. Als sich der Alkohol auch auf die Gesangs-Qualitäten auswirkt, ist es enttäuschend und gegen Ende des Konzertes hat man Mitleid. Im letzten Song rutscht er sogar fast von der Bühne. Abgesehen von den ersten Reihen kümmert das das Publikum nicht allzu sehr und die Leute feiern lieber die Musik. Die ist Live noch energetischer als auf CD. Der Rest der Setliste wurde ebenfalls perfekt ausgewählt und so spielen Elvenking auch ältere Songs wie „The Dweller Of Rhymes“, „Neverending Nights“, sowie den Ohrwurm „The Divided Heart“, bei dem der Refrain ordentlich mitgegröhlt wird. Doch es ist fast schon wie eine Erlösung als die anderen Bands auf die Bühne kommen um ein letztes Mal mit Elvenking zu feiern. Dabei haben sie Besen und Harken und beginnen schon mal die Bühne symbolisch zu putzen und das Schlagzeug abzubauen, denn Elvenking haben schon gute zwanzig Minuten überzogen. Deshalb wird die Zugabe spontan auch gestrichen und „The Loser“ zur Zugabe erklärt.

Am Ende bleibt ein ereignisreicher Abend mit vier Bands, die sich in Feierlaune musikalisch ordentlich ausgetobt haben. Der „Ausfall“ des Elvenking-Sängers kann dieser Situation geschuldet werden und als ein hoffentlich einmaliger Fauxpas abgehakt werden. Im Grunde war der Gig ein bisschen wie Karneval, nur mit besserer Musik. Langweilig war es auf keinen Fall und auch die Veranstalter haben sich viel Mühe gegeben mehr zu machen, als „nur“ ein Konzert.

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