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Disparaged Interview

22 September 2009

Mit ihrem dritten Album „The wrath of god“ haben sich die Schweizer Disparaged zwar den „Zorn Gottes“ zugezogen, aber auch das Wohlwollen von Fans und Kritikern. Death Metal – präzise, direkt, überwiegend schnell und selbst abgebremst noch äußerst intensiv – richten die Eidgenossen an und verzichten dabei erfrischenderweise auf das Garnieren mit zu viel modernen Einflüssen. Gitarrist und Mann am Mikro Tom stellte sich meinen Fragen.

Euer famoses „The wrath of god“-Album ist seit ein paar Wochen zu haben und hat – soweit ich das gesehen habe – durchweg positive Reviews und Interviews eingefahren. Welche Einleitungsfrage zu einer Fragerunde im Rahmen der Promotion für das neue Album kannst nicht mehr hören? 😉

Keine, haha… Wir sind ja nicht Britney Spears und werden täglich mit 100 Interviews bombardiert. Darum ist und bleibt‘s nach wie vor was Spezielles, auch wenn sich gewisse Fragen logischerweise wiederholen. Aber das ist auch gut so, so kriegst du auch jedes Mal ‘ne neue Antwort und nicht nur die üblichen Floskeln.

Andersherum gefragt: Was möchtest Du deinen Gegenüber zum Start mitteilen, hattest aber nie die Chance?

Hmmm, ‘ne coole Frage wäre natürlich z.B. welches deine Lieblingsstellung ist…haha…Nein, was ich loswerden möchte, wäre zum Beispiel, dass wir keine politische Band sind. Wir schreiben durchaus auch über Politik, aber eine klare Position beziehen wir nicht. Dies nur schon aus Respekt den anderen Bandmitgliedern gegenüber. Da wir eh‘ ganz unterschiedliche Ansichten haben, wäre das ein Ding der Unmöglichkeit.

Habt ihr diesbezüglich in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht, dass euch dieses Statement wichtig ist?

Politisch haben wir NIE schlechte Erfahrungen gemacht. Wir sind nicht Kreator, denen es ein enormes Anliegen ist, politische Aussagen zu machen. Bei uns geht‘s um die Musik und weniger um den wörtlichen Erguss. Aber es ist für uns wichtig, dass die Leute wissen, das uns die Politik nicht am Arsch vorbei geht und wir das auch verfolgen. Aber in den Disparaged-Texten hat dies wenig bis nicht zu suchen.

Auch auf die Vorgänger-Alben gab es bereits positive Reaktionen, aber auf „The wrath of god“ ist das positive Feedback meines Erachtens breitflächiger. Woran liegt das, was habt ihr dieses Mal anders/besser gemacht?

Wir haben sicher wieder ein Stück mehr Erfahrung gesammelt und sicherlich im Songwriting wieder zugelegt. Auch Aufnahme-technisch haben wir versucht aus unseren Möglichkeiten das Maximum rauszuholen. Und als I-Tüpfelchen kommt natürlich noch der werte Herr Hansen ins Spiel der dem den Ganzen einen ordentlichen Druck beigemischt hat. Diesmal sind wir wirklich rundum zufrieden. Klar kann man immer was besser machen, aber ich bin überzeugt, dass wir das Optimum rausgeholt haben.

Lehnt ihr euch nach dem Release des neuen Albums zurück und schaut erstmal was so läuft – oder geht der Songwriting-Prozess neuen Materials direkt nahtlos weiter?

Diesmal ging er nahtlos weiter, aber das war nicht immer so. Das hatte auch damit zu tun, dass wir trotz fertiger Scheibe noch ein ordentliches Weilchen auf den Release warten mussten. So hat es halt schon vor der Veröffentlichung wieder im Arsch gejuckt und wir mussten unsere neuesten Ergüsse verewigen. Im Moment sind wir auch fleissig dran weiteres Material zu sammeln und die neuen Songs fertigzustellen. Wir haben keinen Bock uns erst in 3 Jahren wieder zurück zu melden. Vielleicht haben wir auch einfach ‘nen geilen Kreativschub. Oder der neue Drummer beflügelt uns. Ich weiss es eigentlich auch nicht so genau. Im Moment haben wir einfach ‘ne Menge Ideen. Ich hoffe, dass wir das Ganze in tolle Songs umsetzen können.

Apropros Songwriting: Wie läuft das bei euch ab – geht ihr mit festen Vorstellungen (z.B. „Das muss Death Metal sein!“) ran oder lasst ihr kreativ „einfach mal laufen“?

Wir lassen definitiv einfach laufen. Einzig wenn wir das Gefühl haben vom Song weg zu driften, ziehen wir die Notbremse. Aber eigentlich setzen wir uns keine Grenzen. Darum ist auch das neue Album so vielseitig geworden mit all den verschiedene Parts. Wir hören ja privat auch alles Mögliche und nicht nur Death Metal. Da vermischen sich auch alle möglichen Eindrücke. Das finde ich aber auch gut so, sonst würden wir uns zu sehr wiederholen und ich persönlich hasse die Bands, die sich beginnen selbst zu kopieren. Kreativer Suizid bringt‘s gar nicht, dann wird die Mucke voll langweilig.

Wenn ihr alles Möglich hört – was wären Einflüsse, die ihr euch vorstellen könntet mal bei Disparaged zu integrieren und was wären No Go‘s?

Ich glaub, wir mischen da schon gewisse Dinge rein, aber ich kann da auch nur für mich sprechen. Ich hör gern unter anderem Jazz und Klassik, aber mit Volksmusik hab ich so meine liebe Mühe – zumindest mit der vom Alpenraum…haha. Das wäre wohl ein No Go für uns/oder zumindest für mich. Schätze aber, dass keiner in der Band Bock drauf hätte.

Das Cover zu „The wrath of God“stammt von Killustrations, der derzeit viele Layouts speziell für Metalbands macht. Was sprach aus Eurer Sicht für diese Wahl?

Das war ganz einfach: Wir sind a bisserl rumgesurft, haben das Ding gesehen, hat uns gefallen, Kontakt geknüpft – that‘s it. Uns gefällt‘s einfach und zum Glück passt‘s auch noch zum Titel wegen den religiösen Symbolen. Wir wollten auch unbedingt, dass wir als Death Metal Band wahrgenommen werden und wir uns nicht wieder so Fragen stellen müssen wie bei gewissen früheren Alben, ob wir ‘ne Gruftie-Band seien…haha.

Zur Promotion eines aktuellen Albums gehört auch entsprechende Live-Präsenz, wo es mit Ankündigungen für 2009 bei euch bis dato etwas mau ausssieht. Ist da noch etwas in der Pipeline?

Wir spielen so ziemlich alle Shows, die uns angeboten werden. Aber du hast recht – wir würden gerne noch mehr Shows zocken. Als No-Name-Band ist das verdammt schwierig, deshalb planen wir auch was mit ‘ner Booking-Agentur zu machen, damit wir mehr Gigs an Land ziehen können. Was aber noch in Planung ist, wäre die Herbsttournee. Etwas Fixes haben wir aber noch nicht – doch wir bleiben dran!

Zumindest gab es kürzlich einen lokalen Support-Slot für Sepultura. Wie war es? Ist für Sepultura zu eröffnen noch etwas besonders oder ist der Zauber alter (Cavalera-)Tage verflogen?

Naja, die Sepultura von heute kann man nicht unbedingt mit denen vor 15 Jahren vergleichen. Aber es war für uns eine Riesenehre für die Band zu eröffnen, schliesslich waren auch sie unsere Heroes back in the Days. Adrian unser Bassist hatte den Jungs sogar noch ein 20 Jahre altes Foto gezeigt, wo er als Fan mit den Jungs von Sepultura drauf ist bei ‘nem Gig im Oktober 1989. Die hatten auch ihre Freude und es war wirklich angenehm, da sie überhaupt keine Star-Allüren an den Tag legten und ganz umgänglich waren.

Tom, du spielst parallel noch bei Cataract. Könntest Du Dir vorstellen, mal in dem Doppelpackage durch die Lande zu ziehen oder meinst Du, das wäre rein konditionell keine gute Idee? 😉

Konditionell wäre es – glaube ich – gar nicht so schlimm, da ich wegen dem vielen Gesang bei Disparaged ja eigentlich nur bei Cataract zum Bangen komme…haha. Aber die Haare würden dann schon ziemlich durch geschwitzt aussehen. Musikalisch wäre sich das Ganze auch noch relativ nahe. Also ich hätte da echt kein Problem damit auch ‘ne ganze Tour zu machen, denn so hätte ich gleich zwei Fliegen auf einmal geschlagen…hehe.

Wieviel Zeit bleibt neben den zwei Bands, Familie mit Kindern und Job noch sich ‘just for fun‘ mit anderer Musik zu beschäftigen?

Da bleibt schon nicht mehr viel übrig. Früher hab ich definitiv noch mehr Sessions mit anderen Musikern gespielt als heute. Ich war auch ein musikalischer Workaholic, hatte mal 5 Bands gleichzeitig. Das hab ich aber nach den Kids reduziert und im Moment hab ich ‘nur‘ noch Cataract und Disparaged. Die Infos kriege ich aber trotzdem mit. Da ich mich ja permanent in Musikerkreisen bewege, wird man zwangsläufig mit neuem Zeugs konfrontiert. Da kommt mal einer und sagst: He, das musst du dir unbedingt reinziehen! Oder halt all die Mags wie Rockhard lese ich schon noch. Aber heute ist es verdammt schwer sich ‘ne Übersicht zu verschaffen, weil es selbst in der kleinsten Underground-Nische immer noch Tausende Bands gibt. Deshalb ist auch so schwierig sich ‘nen Namen zu machen. Ist jetzt halt das Internetzeitalter…

Alle drei vollständigen Alben erschienen bisher bei Twilight, einer Company, die in unseren Breitengraden eher als Großvertrieb in Erscheinung tritt. Ich nehme an, in Punkto Verbreitungsgrad Eurer CDs habt ihr auch wenig Anlass zur Unzufriedenheit. Wie sieht es aber mit den typischen Label-Aufgaben (Promo, Tour-Orga, Band betüteln…) aus – seit ihr zufrieden oder macht sich hier bemerkbar, dass Twilight schwerpunktmäßig doch eher ein Vertrieb ist?

Schwer zu beantworten, wir haben da ja keine Vergleichsmöglichkeit. Aber ich schätze, dass Twilight alles Mögliche macht, um ihre Bands zu pushen. Denn nur so kommen sie ja auch zu Kohle. Aber ganz vereinfacht kann man sicher sagen: je grösser das Label, um so mehr kann man was bewegen. Allerdings hat sich auch bei den Major-Labeln einiges geändert seit den riesigen Download-Raten.

Gibt es bereits fixierte Pläne zur weiteren Zusammenarbeit?

Wir haben noch nix fix, aber wir werden uns sicher bald drum kümmern. Allerdings legen wir im Moment das Hauptaugenmerk definitiv aufs Songs schreiben. Das mit dem Business kann warten…haha.

Disparaged stehen für bisher drei sehr gute Alben, positive bis überwältigende Reaktionen darauf, Live-Präsenz auf wichtigen Festivals (z.B. Party-San, Fuck the Commerce, Baden im Blut,…), Support-Gigs mit Slayer, Sepultura, Cradle of Filth… – was kommt für Euch als nächster Schritt bzw. was bringt euch den Anreiz weiter Gas zu geben?

Da ist eigentlich nix geplant. Der Anreiz liegt allein in der Musik. Das ist was wir lieben und da machen wir auch einfach weiter so lange wie wir Spass dran haben. Und es sieht nicht so aus, als würde das je abklingen. Klar kann man noch höher hinaus, aber ich hab kein Problem auf diesem Niveau zu stagnieren. Ein wirklicher Traum wäre für mich persönlich eine Show mit Death zu zocken, aber leider ist dies nicht mehr möglich (R.I.P. Chuck!). Aber mal wieder ein geiles grosses Festival wäre schon nicht ohne.

Tom, du bist stolzer Papa zweier Kiddies. Hast du dir schon überlegt, wie du den beiden – wenn die Zeit reif ist – die Vorzüge des (Death) Metal nahe bringst? 😉

Die kriegen das ja jetzt schon alles mit, leider muss ich sagen. Denn zumindest die Grosse (bald 6) hatte früher noch zu dem Sound gebangt und jetzt mag sie es überhaupt nicht mehr. Hab sie wohl zu früh damit konfrontiert…haha. Aber ist mir auch Wurscht, sie soll ihr Ding durchziehen wenn sie gross ist. Und ich schätze mal bei so Eltern wie wir es sind, kannst du in der Pubertät nur noch mit Pop oder Rap rebellieren oder Volksmusik, wenn sie mich wirklich fertig machen will…würg. Aber der Kleine (erst 2 Jahre alt) hat reges Interesse am Schlagzeug. Mal schauen, wie sich das weiter entwickelt.

Eure Homepage ist zwar größtenteils (News, Releases, Gigs) auf dem aktuellsten Stand, aber wenn man mal intensiver in Fotos oder Berichten/Interviews stöbern will, ist für die letzten Monate/ja fast schon 3 Jahre eher Ebbe. Woran liegt das?

An einer Menge Sachen: die Geburt meines Sohnes liess mir im ersten Jahr nicht wirklich viel Zeit übrig. Ralph (unser Gitarrist und Studiomann) wurde auch vor fast einem Jahr Daddy. Adrian hatte mit dem Job einen Riesenstress. So kam eins zum andern und deshalb hat‘s auch so lange gedauert. Und nach dem letzten Release sind gewisse Dinge auch nicht so gelaufen wie wir uns das vorgestellt haben. Aber jetzt läuft‘s prima und wir haben – wie schon erwähnt – keinen Bock drauf, dieses Mal erst in drei Jahren die nächste Scheibe zu veröffentlichen. Mit unserem neuen Drummer läuft‘s auch prima und der strotzt nur so vor Ideen. So hoffe ich, können wir die letzten drei Jahre kompensieren.

Letzte Frage zu Eurer Heimat: Die Schweiz in der Wahrnehmung aus den Medien oder Erzählungen von Bekannten/Ex-Kollegen, die jetzt dort leben wie folgt : das Arbeits/Lebenstempo ist etwas langsamer, weniger hektisch, die Schweizer sind ein eigenbrödlerisches Volk, teilweise sich selbst isolierend (Stichwort Bankengeheimnis, dubiose Volksabstimmungen), aber auch Bilderbuch-Touri-Ziel – wie sieht das jemand, der es wirklich wissen muss? Welches Umfeld bietet die Schweiz für harte Mucke?

Das ist nicht mal so übel. Es gibt hier ‘ne sehr gesunde Szene und wir haben auch ‘ne Menge Bands. Das Niveau wächst stetig und Konzerte und Konzertmöglichkeiten gibt‘s auch immer mehr. Allerdings muss man natürlich die Relationen sehen: die Schweiz ist natürlich mickrig im Vergleich zu Deutschland und so hast du es hier zum Beispiel viel schwerer geeignete Musiker zu finden. Wir hatten mit Deniz auch Riesenglück, denn viele Drummer gibt‘s hier nicht, die sowas spielen können. Gewisse Klischees treffen auch durchaus zu, aber alles in allem gibt‘s durch dieses Klima genau die nötigen Reibungspunkte für die Jugend, die ihren Frust, ihre Wut, ihre Unzufriedenheit oder was auch immer so musikalisch umsetzen kann. Gerade im Death/Black Metal haben wir ja einen musikalischen Vorreiter vorgebracht auf den wir auch sehr stolz sind: Celtic Frost…respektive Hellhammer. Ich sage nur…uuuughhh…haha

www.disparaged.ch
www.twilight-vertrieb.de

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