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Desert Fest 2018: Tag 3

24 Mai 2018

Sonntagmittag bricht das Ende des Desertfests an. Auch an diesem Tag gibt es wieder einige Highlights unter den Konzerten. Leider konnten zwei Bands – der Opener Lionize und die letzte Band Haik – nicht angesehen werden, ebenso wie Yuri Gagarin, der letzte Act vom Samstag. Zu erst einmal können aber offene Fragen geklärt werden: Die für das Festival als Währung genutzten „Tokens“ (Münzgeld aus buntem Plastik, welches man vorher umtauscht) lassen sich, nachdem man bereits auf Sonntag vertröstet wurde, doch zurück geben. Zugegeben die Vorabinfos im Internet zum Gebrauch dieser Ersatzwährung waren etwas schwammig, das begleitende Festivalheftchen, ist da schon deutlicher: Getränke werden mit dem Spielgeld bezahlt. Letztendlich bestand aber schon während der letzten zwei Tage sowohl unter Festival-Besuchern, als auch unter Essensverkäufern Unklarheit darüber, was man nun alles damit bezahlen kann und was nicht. So entsteht reichlich Kuddelmuddel und man möchte dann doch sein eingetauschtes Bargeld gerne wieder haben.

Freedom Hawk haben kurz vor’m Nachmittag groovenden Hard Rock parat – eine sichere Formel auf diesem Festival! Gute Stimmung ist vorprogrammiert und da stört es wenig, wenn sich die Songs im Vergleich mit den anderen Rock-lastigeren Bands, die schon gespielt haben ähneln. Der Sänger bietet gesanglich die bis jetzt naturgetreueste Ozzy-Imitation!

„Das ist ja ’ne ziemliche Rampensau!“ hört man nach dem Konzert von The Black Wizards in der Menge. Gemeint ist die Sängerin/Gitarristin der Band. In der Tat, die Frontfrau hat viel Rockappeal im Blut, bringt dies aber sympathisch rüber und hat zudem ein Hammer Organ. Die Musik erinnert leicht an MaidaVale vom Vortag, ist aber wesentlich intensiver. Am Ende des Auftritts entlädt sich die Spannung in einem großen und lauten Klimax, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Ihr aktuelles Album „What The Fuzz!“, von dem sie auch einige Songs spielen, geht danach beim Merch gut weg.

Church Of The Cosmic Skull machen schon visuell etwas her: Fünf Musiker und zwei Musikerinnen ganz in weiß; ein E-Cello, fünfstimmiger Gesang und eine Hammondorgel. Der Vergleich „Fleetwood Mac trifft Hard Rock“ kommt der Musik doch sehr nahe. Das Konzert startet mit einem durchdringende Basston und spacigen Synthesizern – wen wundert’s, wenn das kommende Album „Science Fiction“ heißt. Leider ist der Sound nicht immer ganz perfekt. Darunter leidet vor allem die Orgel und das Cello, welches man gar nicht hört. Die Stimmung im Publikum muss noch ein wenig aufgelockert werden – der Siegeszug der Band ist wohl noch nicht ganz nach Berlin vorgedrungen. Doch Songs wie „Evil In Your Eye“ oder „Mountain Heart“ schaffen da definitiv Abhilfe.

Dicker, grüner Nebel verhüllt kurz darauf die Sidestage – der Name von Dopelord scheint Programm zu sein. In diesem Dunst versunken, schieben die vollbärtigen Musiker ein zähes Stoner-Doom-Riff an das Nächste und zwei-stimmiger Gesang echot dem verzückten Publikum entgegen. Besonders viele Songs werden nicht gespielt, aber der Ohrwurm „Reptile Sun“ ist mit dabei und wird mit ordentlich Kopfnicken zelebriert. Die Band bedankt sich zum Schluss überschwänglich, denn es ist das letztes Konzert ihrer Tour.

Von Planet Of Zeus könnte man eigentlich einen ähnlichen Sound erwarten. Das ist aber weit gefehlt! Die Band prescht mit einem dreckigen Rock’n’Roll vor, den man nicht unbedingt auf dem Zettel hat. Hier und da muss man an Volbeat denken. Die Musik strotzt vor Energie und der Frontmann stachelt die Menge immer wieder an, etwas was man im übrigen bei den anderen Bands eher weniger gesehen hat und so hebt sich schnell die Stimmung.

Auf die US-amerikanischen Jex Thoth muss man (das erste Mal) ein paar Minuten warten. Die Stimmung ist gespannt. Dann kann das Ritual beginnen, denn anders kann man die Show nicht nennen. Barfuß schreitet die Sängerin auf die mit Kerzenlicht erleuchtete Bühne und der modrige Hammond- und Gitarren-Sound geben ihr übriges zur düsteren Atmosphäre dazu. Während der Songs schreitet und tanzt Sie immer wieder hin und her kommt an den Bühnenrand und verrenkt sich – fast in Ekstase. Dabei schwenkt sie Glimmspäne und Kerzen und singt mal kraftvoll, mal hauchig ins Mikrophon. Die Setlist ist voll von Songs des ersten Albums und so gibt es z. B. „Obsidian Night“, „The Damned And Divine“ (genial), „Warrior Woman“ (großartig) zu hören. Mit „Son Of Yule“ wird das Konzert, welches sich mehr wie ein konspiratives Treffen anfühlt, beendet. Wirklich ganz großes Kino, was die Band da fabriziert! Einziger negativer Punkt: Wirklich im selben Moment wo der letzte Schlagzeug-Beat verklungen ist, ertönt bereits der nächste Soundcheck. Diesmal ist das straffe Timing wirklich unnötig und die Stimmung ist ganz schnell futsch!

Auf der Mainstage wird danach – zumindest auf dem Papier – ein runder Geburtstag gefeiert, denn EyeHateGod sind auf 30-Years-Anniversary-Tour unterwegs. Viel Aufsehens macht die gestandene Band darum aber nicht und zelebriert ohne viel Federlesen den Abriss. In den Songs geht es chaotisch zu. Sie sind zwar nicht besonders schnell sind, aber mit Unmengen an Tempi-Wechseln angereichert und ohrenbetäubend laut. Passend dazu taumelt der Sänger wie erschlagen vom Sound über die Bühne oder klammert sich an den Mikrophonständer. In seiner Performance scheint eine Menge (Hardcore-)Punk-Attitüde durch, was ziemlich authentisch wirkt. Chaotisch ist es auch das erste Mal vor der Bühne und es wird ausgelassen gepogt. Was das Genre angeht sind EyeHateGod sicher eine der wenigen Ausreißer auf dem Desertfest und nach dem Konzert gibt es hie und da ein paar Leute die der Musik, gerade weil sie so chaotisch ist, nicht so viel abgewinnen können.

Darauffolgend wirken Radio Moscow wie eine Entspannungskur. Solo-geschwängerter Heavy Fuzz par excellence. Im Kontext des Festivals nichts wirklich neues, aber auch hier steht die begeisterte Menge bis hinter die Tontechnik um die US-amerikanische Band zu sehen. Die Songs der ersten Hälfte können noch nicht ganz überzeugen, nach hinten raus fallen aber Songs wie „Before It Burns“, „City Lights“ und „Dreams“ positiv auf.

Dann geht der Vorhang der Hauptbühne für den letzten Headliner auf. Doch warum auch immer muss man noch zehn Minuten warten bis High On Fire auf die Bühne kommen. Das Trio um den Gitarristen und Sänger Matt Pike gründeten sich 1999 nach dem Ende seiner Band Sleep. Gehen High On Fire musikalisch in eine ähnliche Richtung? Nicht wirklich, von Stoner findet man kaum eine Spur, vielmehr knüppelt die Band geradezu astreinen Thrash Metal. Die Drums fallen nicht nur durch den omnipräsenten Punk-Beat auf, sondern auch durch ihren sehr im Vordergrund stehenden Sound. Auf dem Desertfest ist das eher ungewöhnlich, ist der Sound doch im Allgemeinen eher Bass-lastig und weniger definiert, so wie es sich für Retro-Rock nun mal gehört. Klang hin oder her, das Publikum lauscht euphorisch und bringt dann Bewegung in seine Mitte. EyeHateGod haben da anscheinend zum Ende des Festivals wohl das „Pogo-Tabu“ gebrochen.

Letztendlich kann man über die drei Festivaltage sagen, dass es eine Menge guter Konzerte gab, unter denen es sowohl einige überraschende Newcomer, als auch gute, alte Hasen gab, die man mal endlich hierzu Lande Live sehen konnte. Ob der Kritikpunkt der gefühlt fehlenden „Abwechslung“, wirklich ins Gewicht fällt, oder ob das bei einem Spartenfestival eben doch nur Meckern auf hohem Niveau ist, darüber lässt sich streiten.

Die Umstellung vom Astra auf die Arena Berlin, lief nicht nur reibungslos ab, so kann man sicherlich an der Toiletten- und Mülleimer-Situation, welche in der Halle eher rar waren, für die nächste Ausgabe sicherlich noch etwas ändern. Platz genug war vorhanden, mehr Sitzplätze hätten aber sicher gut getan. Über das Ersatzwährungs- und Timing-Dilemma wurden in diesem Bericht schon genug Worte verloren. Nachdem etwas getrübten ersten Eindruck von der Security, hat sich im Laufe der Veranstaltung dieses Bild jedoch revidiert. Die Security und auch alle anderen Ansprechpartner waren sehr freundlich und hilfsbereit. Zu guter Letzt trauert man etwas der Gelegenheit nach, die am Samstag und Sonntag veranstalteten Bootsfahrten mit zwei Open-Air-Konzerten auf der Spree nicht mitgemacht zu haben. Da muss man sich wohl auf das nächste Jahr warten!

 

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