Deranged Interview

Während so einigen alten Formationen die Puste auszugehen scheint oder sie plötzlich meinen, mal etwas ‘ganz Neues’ ausprobieren zu müssen, halten andere Bands an ihren Wurzeln fest und entwickeln sich im Gegenteil weiter einen Schritt nach vorne in Richtung extremer, härter, weiter. So auch Deranged mit ihrem neuen selbstbetitelten Album, welches in Sachen Brutalität einen neuen Höhepunkt in ihrer Death Metal Geschichte darstellen dürfte. Auf Grund dieser Tatsachen machte ich mich also auf nach Offenbach, die Schweden auf ihrer Europa Tour zusammen mit Immolation, Destroyer 666, Decapitated und Soul Demise zu erwischen und mich bei Schlagzeuger Rikard Wermén und Gitarrist Johan Axelsson nach dem momentanen Stand der Dinge zu erkundigen.

Gegründet im Jahre 1991 mit dem Ziel, den amerikanischen Kollegen nachzueifern und sich als Verfechter des brutalen Death Metals einen Namen zu erspielen, gelang es Deranged als eine der wenigen Bands ihres Landes, die immer stärker werdende NWOSDM-Bewegung völlig zu ignorieren und sich ihrer individuellen, brutalen Spielweise wid-mend, von der Masse der ‘Schweden-Sound-Veröffentlichungen’ abzuheben. Das erste offizielle Lebenszeichen gab’ man dann ’92 in Form eines eigenproduzierten Demos von sich, welches den Namen ‘…The Confessions Of A Necrophile’ trug’ und sogar heute noch Anklang bei einigen alten Fans findet. Rikard dagegen, scheint überhaupt nicht mehr hinter den ganz alten Veröffentlichungen zu stehen:
‘Es soll tatsächlich immer noch Leute geben, die dieses Demo mögen; aber diese Verrückten gibt es ja überall, ha ha… Aber im Ernst: Natürlich waren wir damals, zu der Zeit als sie aufgenommen wurden, mit dem Demo zufrieden, aber wenn du all diese Songs dann ständig spielen musst, werden sie einfach langweilig. Wir sind heute auch technisch gesehen sichtbar besser, denke ich. Ich persönlich finde dieses Demo einfach Kacke und die beiden schrecklichen 7’’ Single sind ebenfalls ziemlich scheisse (die 93er ‘…The Confessions Continues’ 7’ und die ‘Upon The Medical Slab’ 7’ von ’94 – Anm. d. Verf.). Ganz zu schweigen von der grausamen MCD ‘Architects Of Perversions’ von ’93, das Teil sucked wirklich. Das liegt auch nicht nur an der Aufnahmequalität, auch die Musik und unsere musikalischen Fähigkeiten damals waren wirklich nicht so großartig. Früher waren Deranged einfach ziemlich scheisse, das ist eine Tatsache.’
Könnte man also sagen, dass Deranged ihre Zeit gebraucht haben um sich zu entwickeln und ihre eigentlichen Erfolge erst mit dem ‘Rated-X’ Debut-Album eingefangen haben, welches 1995 über Repulse Records erschienen ist? So ganz stimmt Rikard mir dabei nicht zu.
‘Hmm, also wenn ich ehrlich bin sind die einzigen Scheiben, über die ich mich überhaupt nicht beschweren kann, die neue CD ‘Deranged’ und der Vorgänger ‘III’ (von ’99). Aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung dazu. Das ‘High On Blood’ Album von ’97 und ‘Rated-X’ sind okay, aber auch nichts Weltbewegendes. Weißt du, je mehr Zeit vergeht, desto mehr langweilt dich das alte Material einfach, vor allem wenn du es selbst geschrieben hast. Um aber auf wichtige Zeitpunkte in der Entwicklung Deranged’s zurückzukommen, würde ich behaupten, dass wir schon ’94 bei der ‘Sculpture Of The Dead’ MCD einen ersten, relevanten Schritt nach vorne getan haben. Die Entwicklung war schon gewaltig. Wir hatten ein besseres Line-Up und schrieben auch viel bessere Stücke, die wir mit der Zeit auch immer besser umzusetzen verstanden. Dazu kam eine bessere Produktion und insgesamt haben wir einfach härter an allem gearbeitet, was sich auch bezahlt gemacht hat. Die eigentliche Veränderung von ‘Rated-X’ zu ‘High On Blood’ machte sich dann eher nur im Gesang bemerkbar. Wir hatten auch noch keinen richtigen Bassisten, Johan hat bis dahin die Basslinien mit übernommen.’
Der dritte Longplayer, der dann schlicht und einfach auch ‘III’ genannt wurde, zeigt erneut eine weitere Steigerung zum Extremen hin, wie sehen die Jungs das mit ‘Deranged’? Stellt es für sie das bis dato stärkste Release dar?
‘Ich denke schon. Natürlich gibt es wie gesagt auch Leute die meinen, dass die Musik auf unseren ersten beiden Singles die beste ist. Das macht mir aber überhaupt nichts aus, da ich mich in erster Linie selbst eher als Fan sehe und auch bei vielen Bands die älteren Platten bevorzuge oder sogar die ersten Aufnahmen, auch wenn die neueren Veröffentlichungen meist einen viel besseren Sound und Produktion aufweisen können. Ich mag diesen älteren Sound einfach. Nehm’ dir z.B. CARCASS- ich liebe die ersten beiden LP’s aber die neueren sind meiner Meinung nach eher schwach.’ Und Johan fügt hinzu: ‘Was das Album ‘Deranged’ im Endeffekt so stark macht, ist meiner Ansicht nach die Tatsache, dass wir einfach eine Weiterentwicklung unserer musikalischen Fähigkeiten erlebt haben, wir spielen ganz einfach besser als früher. Die neuen Songs sind auch viel aktionsreicher und mitreißender, einzelne Parts sind abgefahrener.’
Bei den Schweden scheint sowieso kein Tag ohne Veränderungen zu vergehen, steht ‘Deranged’ jetzt gerade mal in den Läden, kommen den Jungs schon wieder Line-Up Wechsel in die Quere, wie es bei der Immolation Tour sicher viele erstaunt bemerkt haben. Rikard klärt mich auf:
‘Die Besetzung von ‘III’ und ‘Deranged’ war noch die selbe. Kurz nach den Aufnahmen zu ‘Deranged’ verliess jedoch unser alter Sänger Johan Anderberg die Band, warum weiss ich gar nicht so genau. Unser Bassist meinte Johan hätte einfach keine Lust mehr gehabt und da sagten wir uns einfach: ‘Okay, sowas passiert, suchen wir uns eben einen Neuen’. Den fanden wir dann auch in Rogga Johansson. Ausserdem haben wir mit Jörgen Bylander inzwischen einen richtigen Bassisten am Start. Jörgen kommt von den vielleicht bekannten DEFEACED CREATION und Rogga hatte zuvor bei PAGANIZER mitgemacht, diese Band existiert immer noch. Wir gehen mal davon aus, dass dieses jetztige Line-Up nach all’ unseren Besetzungswechseln in der Vergangenheit, nun endlich stabil ist. Sicher können wir das natürlich nicht sagen, da wir nicht wissen was noch alles auf uns zukommt…’
Durch die ständigen Besetzungswechsel an Bass und Gesang resultiert verständlicherweise auch die Tatsache, dass Johan und Rikard das Amt des Songwritings momentan noch gänzlich für sich selbst beanspruchen, da es den Neuzugängen natürlich noch nicht möglich war diese Aufgabe zu übernehmen, mussten sie doch selbst erst mal mit den bereits vorhandenen Songs vertraut gemacht werden. Wie ein solcher Prozess des Songwritings aussieht erläutert mir Rikard genauer:
‘Um beispielsweise ‘Rated-X’ zu schreiben, hatten wir nicht so viel Zeit, daher stellten wir nur unsere zehn Stücke fertig und nahmen die CD auf. Für ‘High On Blood’ sah die Sache schon anders aus, wir hatten eine ganze verdammte Reihe von Songs zur Auswahl, ich glaube es waren um die 28 Stücke, aus denen wir dann auswählen mussten, was auf das Album kommen sollte. Diese Arbeitsweise haben wir bei ‘III’ wieder geändert, haben uns mehr auf einzelne Stücke konzentriert, härter an ihnen gearbeitet, sie weiter ausgefeilt und das Arrangement verbessert. Dabei hatte der eigentliche Prozess die Stücke zu schreiben gar nicht so lange gedauert, da wir auch viele andere Dinge zu tun hatten zu dieser Zeit.’
Johan: ‘Ja, wir waren auch sehr beschäftigt mit MURDER CORPORATION (die zweite Band der Deranged Jungs – Anm. d. Verf.). Wir haben auch mit ihnen ein neues Album eingespielt, das bedeutet also zwei Alben zur gleichen Zeit. Wir haben mit ihnen gerade erst bei Necropolis Records unterschrieben und die neue CD wird in Europa unter Displeased Records erscheinen. Es läuft also alles bestens für MURDER CORPORATION momentan, worüber ich mich natürlich sehr freue, schließlich arbeiten wir ziemlich hart mit ihnen.’
Weitere Projekte, von denen Deranged noch nichts verlauten ließen, hat man laut Rikard aber nicht am Start:
‘Wir hatten andere Projekte in der Vergangenheit, aber das war nichts Ernsthaftes. Z.B. war da diese Hard Rock Band im 70er Stil wo ich auch gesungen habe, aber das war wirklich Kacke, ha ha… Trotzdem eine lustige Geschichte.’
Das heisst also, dass die Jungs ziemlich viel Zeit in ihrem Proberaum verbringen müssten, eine zweites Zuhause sozusagen?
Johan: ‘Wir proben schon so 5-6 Mal in der Woche. Das ist schon hart, klingt aber nach mehr als es ist, da MURDER CORPORATION dort noch miteingeschlossen sind. Eigentlich müsste es viel mehr sein. Da wir aber in beiden Bands zusammen spielen, ist es einfacher für uns, da der Drummer und Gitarrist sich bereits gegenseitig kennen und wir aufeinander eingespielt sind und wissen, wo die Stärken und Schwächen liegen.’
Rikard: ‘Trotzdem kann ich dich immer noch verarschen, ha ha…’
Johan: ‘Ja, ich dich aber auch he he…’
Um auf das neue Album zurückzukommen, würde mich einmal interessieren, weshalb dieses Release schlicht und einfach mit dem Bandnamen ‘Deranged’ betitelt wurde, hatte man mit ‘III’ schon einen ziemlich deutlichen Namen am Start.
‘Um ehrlich zu sein ist uns kein guter Titel eingefallen, he he…’, gesteht Rikard. ‘Deranged’ ist schlicht und einfach Deranged. Im Grunde genommen ist die Metal-Szene doch recht konservativ, finde ich, und daher ist auch ein Titel wie ‘III’ eher ungewöhnlich, da kaum jemand sein drittes Album mit ‘III’ betiteln würde. Dennoch ist der Name simple und straight, jeder weiss sofort, dass Deranged ein neues Album haben, das setzt sich so viel besser im Kopf fest. Ich mag schon Bands, die ihren CD’s einen interessanten, gut klingenden Titel geben, aber man kann sich an diese Alben oft nicht so gut erinnern. Aber vergesst den Scheiß’ Titel einfach und hört euch die CD an!’
Denn im Endeffekt ist es ja immer noch allein die Musik, die zählt… Und die kommt auf ‘Deranged’ ja nicht zu kurz, weshalb sich Rikard bereit erklärte, etwas näher auf die einzelnen Tracks der CD einzugehen:
Flesh Rebel: ‘Ich kann mich gar nicht mehr genau erinnern, wann wir diesen Track geschrieben haben, da es so viele neue waren. Jedenfalls haben wir den Song als Opener gewählt, da er mit seinen coolen Bass Drum Beats wie eine Überschrift für unsere CD wirkte. Der Track leitet das Album auf eine schöne, abwechslungsreiche Weise ein, da nicht sehr viele Songs mit einem Double Bass Gewitter beginnen, das ist ein bißchen was Neues, eine feine Sache.’
Cum On Command: ‘An dieses Stück kann ich mich sehr gut erinnern, da ich die Lyrics dafür mal eben in 4-5 Minuten geschrieben habe, he he… Worum es in den Texten geht? Ach, ähem… nein, das willst du nicht wirklich wissen, he he… Doch? Nun, also das entstand eben…du weißt schon… irgendwie beim Ficken, ha ha… Aber ‘Cum On Command’ ist wirklich ein cooler Titel, findest du nicht?’
Dead Hand Strangulation: ‘Vom Titel her hört sich die Sache etwas nach Corpse an, aber trotzdem ist es ein feiner Titel und ich kann mich nicht mehr genau entsinnen, worüber es eigentlich in den Texten ging. Eben der selbe Shit wie üblich, he he… Ja und die Musik – eigentlich ist sie auch nicht viel anders als bei den anderen Stücken, ha ha…’
Endophagy: ‘Der letzte Song, den wir für ‘Deranged’ geschrieben haben. Das Stück ist etwas thrashiger als üblich, dadurch bringen wir etwas Abwechslung in das Album. Wenn alles in die gleiche Richtung geht, wird ein Album schnell langweilig, daher ist es schon wichtig ein paar Veränderungen in die Sache einzubringen.’
Injected By Filth: ‘Mal ein etwas langsameres Lied, ich wollte diesmal keine richtigen Blast Beats verwenden. Anfänglich sollte der Track viel länger sein, so 4-5 Minuten, aber einige Parts gefielen uns nicht, und so haben wir sie rausgekickt. Jetzt ist der Track kürzer, dafür aber intensiver.’
La Orgia De Los Muertos: ‘Dieses Zwischenstück haben wir selbst gemacht, indem wir ein paar Samples zusammengeworfen haben. Der eigentliche Drumbeat ist von den BEATLES, dazu kommen ein paar Passagen, die wir von FULL METAL JACKET genommen haben. Im Hintergrund kann man ein paar ungewöhnliche Instrumente hören, wie z.B. eine Cucumber und andere Sachen, die überall im Hintergrund zum Einsatz kommen, sowie auch ein paar Indianer, die dazu sprechen und singen. Wir sind sehr zufrieden mit diesem Stück, auf ‘III’ war ja auch schon ein ähnlicher Song zu hören, wenn er auch eine ganz andere Art hatte. Und auf dieser CD wollten wir eben auch wieder etwas Besonderes haben, ein Stück welches eine Art ‘Horror-Noise-Feeling’ verbreitet, um die ganze Sache etwas interessanter zu gestalten.’
Humanity Gods Failure: ‘Zu diesem Song habe ich auch die Texte geschrieben, worum es dabei geht, kann man glaube ich schon an dem Titel erkennen. Irgendwie hatte ich bei der Aufnahme des Stückes riesige Probleme damit, das Schlagzeug einzuspielen, ich weiss gar nicht genau, warum. Ich hab’ ständig alles vermasselt und nur noch geflucht…’Scheiss’ Lied, ich will das nicht spielen!’. Wenn also was nicht stimmt mit dem Song, dann ist es meine Schuld. Trotz allem ist das Lied an sich nicht schlecht, ich bin einfach nur zu blöd dazu, ha ha…’
Malabolgia: ‘Das Stück ist auch ein bißchen eigen und von den Gitarren her sehr heavy, wobei noch einige exzellente, schnelle Blast Beat Passagen dazu kommen, das macht den Song sehr intensiv. Dies alles geschieht aber auch nur stellenweise, was heißen soll dass jeder Track in punkto Riffs und Drumming aus einer Variation verschiedener Tempi besteht, was zeigt, dass uns auch das Arrangement und die Struktur der Songs sehr wichtig sind. Die Texte stammen mal wieder von mir, ‘Malabolgia’ stellt eigentlich eine Teufelsfigur in dem Comic ‘Spawn’ dar, welches mich zu diesem Lied hier inspiriert hat. Es hat also keine tiefere Bedeutung, wie viele Leute meinen. Deranged versuchen für gewöhnlich nie, tiefere Botschaften in ihren Texten zu verbreiten, da es uns eigentlich eher um die Aktionen innerhalb der Musik geht und nicht um die innerhalb der lyrischen Seite. Die Musik nimmt bei uns einfach einen höheren Stellenwert ein, wir arbeiten z.B. auch stark an dem Arrangement und den Vocals, aber diese sind meiner Meinung nach auch als Instrument anzusehen. Viele meiner Ideen und Inspirationen nehme ich aus solchen Splatter-Comics und –Filmen. Die guten, alten Splatter Filme kommen dabei meist aus Italien oder Spanien, wobei mir die italienischen Movies meist noch besser gefallen. Viele Leute bezeichnen dieses Genre abwertend als ‘Trash-Culture’, aber ich bin davon überzeugt, dass sich hinter der eigentlichen ‘Müll-Kultur’ so ein Scheiss’ wie MTV etc. verbirgt.’
Incurable: ‘Das wievielte Lied auf der CD ist das? Ich kann mich gar nicht so recht erinnern… ah, richtig, ‘Incurable’, das ist auch wieder ein etwas thrashigeres Stück. Das war aber nicht von vornherein geplant. Wenn wir einen Song schreiben, dann geschieht dies auf eine völlig ungezwungene Art und Weise. Wir wissen vorher nicht, wie ein fertiger Song klingen wird, wir planen nichts. Meistens läuft es so ab, dass Johan ein paar Riffs anschleppt und wir dann zusammen entscheiden was gut ist und was nicht. Danach jammen wir einfach drauf los und dabei entstehen dann so langsam die einzelnen Songs. Johan erläutert dies näher: ‘Die Ideen dazu kommen mir überall, in den unmöglichsten Situationen. Beim Autofahren, wenn du Schlafen gehst, im Traum… Eben immer dann, wenn du es gerade nicht erwartest. Es kommt wirklich schon mal vor, dass ich im Traum eine Idee habe, ich erwache und muss diese Idee sofort niederschreiben.’ ‘Dabei macht Johan fast wirklich immer den Anfang, weil ich verflucht noch mal keine Gitarre spielen kann…’, fügt Rikard hinzu, ‘Ich bin hinterher immer für das Arrangement mitverantwortlich. Er kommt mit den Riffs an und mir arbeiten die Sache zusammen aus.’
Impulse, Pray, Pleasure: ‘Das Lied stellt eine Parallele zum ersten Song den wir auf ‘III“ veröffentlicht haben, dar (also zu ‘Ripped, Raped, Randomized’ – Anm. d. Verf.). Mich persönlich langweilt der Track etwas, ich spiele ihn überhaupt nicht gerne.’ ‘Das sehe ich anders…’, meint Johan, ‘ich mag das Stück sehr gerne, weil es sehr schön zu spielen ist. Es ist noch intensiver im Vergleich zu anderen Tracks. Nicht unbedingt das catchigste Stück der CD, aber es entfacht ein intensives Gefühl beim Spielen.’
Screen Passion: ‘Oh ja, dieses Outro ist wirklich interessant, nicht wahr Johan?’ ‘Das stimmt, unsere Absicht war es, etwas zu entwerfen, was einem Soundtrack zu einem alten Horror-Movie aus den 70ern oder 80ern nahe kommt. Als ich mit der Melodie, die ursprünglich für etwas anderes gedacht war, ankam, haben wir sie so eingesetzt, dass sie sich ständig wiederholt, eben wie bei einem Horrorfilm, ganz schleichend und langsam, bis es plötzlich zu dem großen Knall kommt. Im Prinzip besteht dieses Outro also aus nur ganz wenig Input, aber der Effekt ist dadurch umso größer. Ich brachte die Melodie mit ins Berno Studio, wo wir das Ganze mit anderen Soundtracks verglichen und uns von ihnen inspirieren ließen.’ ‘Ich hatte mit der Sache gar nichts zu tun…’, gesteht Rikard sichtlich begeistert, ‘Als ich ins Studio kam und mir das bereits fertige Stück anhörte dachte ich nur ‘Hey, das klingt wirklich cool, eigentlich wie etwas altes aus den 70ern…’. Ich war wirklich überrascht.’
Überhaupt scheinen Deranged sehr zufrieden mit dem Ablauf der Studiosession zu sein:
‘Wir haben uns kurz vor Weihnachten wieder im Berno Studio verschanzt um ‘Deranged’ einzuspielen. Die Alben davor haben wir allerdings mehr oder weniger selbst produziert, dieses Mal hat uns Berno Paulsson selbst sehr bei der Arbeit unterstützt. Das macht für uns einen großen Unterschied, da wir dadurch diesmal nicht so viel Zeit hatten und härter arbeiten mussten. Wo wir früher die Drums in 4 Tagen eingespielt haben, sollten sie jetzt in 2 Tagen fertig sein. Auch die Gitarren waren in 2-3 Tagen aufgenommen und nicht in einer Woche wie üblich. Ich glaube es tut einer Band einfach gut, wenn sie von einem Außenstehenden gesagt bekommt, was zu tun ist, weil sie ihr Ding dann auch richtig stramm durchziehen muss.’ Wenn man dann noch ein Label im Rücken hat, welches so hervorragende Arbeit für ihre Schützlinge leistet, wie es laut Rikard bei Deranged mit Listenable Records der Fall ist, steht der Spielfreude eigentlich nichts mehr im Wege.
‘Es gibt wirklich nichts, worüber wir uns beklagen könnten. Listenable leisten hervorragende Promotionsarbeit für uns. Wir haben uns direkt nachdem unser Vertrag mit Regain Records ausgelaufen war, auf die Suche nach einem neuen Label gemacht. Wir haben vielleicht 5-6 Angebote bekommen und Listenable war bei den ersten dabei. Ihre Konditionen waren noch nicht einmal die besten, aber sie waren ehrlich und offen, gaben mir direkte Antworten auf meine Fragen und redeten nicht lange um den heissen Brei herum. Sie meinten sie könnten dies und jenes tun, nicht aber dies und das und schlugen Kompromisse vor. Diese Art, wie sie mit uns zusammenarbeiten, schätze ich wirklich sehr.’
Auf jeden Fall ermöglichen Listenable den Schweden auch einiges an Live-Aktivitäten, wie man nicht zuletzt an ihrer Teilnahme an der Immolation Tour erkennen konnte, die ja just zu diesem Zeitpunkt des Interviews in vollem Gange war. Nach Rikards Ansicht kann man diese Aktion als weiteren Erfolg in der Geschichte Deranged’s verbuchen: ‘Die Tour läuft bis jetzt großartig, wir können uns nicht beschweren. Wir sind auch sehr viel von unserem Merchandise losgeworden, vor allem viele CD’s und anderes Zeug. Wo sonst immer 5 CD’s pro Gig verkauft wurden, sind es mittlerweile 20-30, vereinzelt sogar 40. Das hat uns schlicht weggeblasen. Die Tour ist auch recht gut organisiert, nur der Bus könnte vielleicht ein bißchen größer sein, wie du siehst (wir saßen gerade am chaotischen Schlaflager von DECAPITATED – Anm. d.Verf.) schlafen die Bands hier in allen Ecken, aber es funktioniert.’
Wobei man sagen muss, dass die Besucherzahlen eher etwas mau ausgefallen sind, zumindest in Deutschland, aber das nimmt Johan eher gelassen:
‘Es hat uns bis jetzt überall Spaß gemacht zu spielen. Dabei spielt es auch keine Rolle wo man auftritt, wenn das Feedback und die Reaktionen der Fans stimmen, dann waren alle Konzerte erfolgreich, selbst dann, wenn man selbst keinen so guten Gig an den Tag gelegt hat. Solange die Leute es mögen, ist es okay.’ ‘Am besten hat es mir allerdings in Frankreich gefallen…’, muss Rikard zugeben. ‘Wir haben dort angeblich eine Art Metal-Rekord aufgestellt, was die Zuschaueranzahl anging, es war wirklich sehr cool dort. Ich wünschte wir könnten öfter durch Frankreich touren, oder auch durch Spanien und Portugal, dort läuft es auch immer sehr gut. Aber was beklage ich mich eigentlich? Wir sind bereits durch diese Länder getourt und es war großartig, ich sollte dafür dankbar sein.’
Und was hat man auf der Immolation Tour bisher so erlebt? Dazu fällt Rikard nur ein, dass ihre Tour-Kollegen allesamt recht lustige Zeitgenossen sind:
‘Ja, das ist richtig, unsere Freunde von DECAPITATED sind kräftig dabei uns ihre polnische Sprache ein wenig näher zu bringen. Wir haben zwar auch schon versucht ihnen etwas Schwedisches beizubringen, aber entweder wollen sie das nicht kapieren, oder sie sind zu blöde dazu, ha ha… Im Polnischen haben wir ein paar nützliche Redewendungen gelernt, wie beispielsweise ‘Ej stara babko, postaw mi loda i pokaz cycki o kurwa!’ (ich bin jetzt so fies und übersetze das nicht, he he.. probiert es doch einfach mal aus, solltet ihr mal nach Polen kommen… ha ha…viel Spaß auch dabei ;-) – Anm. d. Verf). Wir haben hier wirklich eine Menge Spass.’
Was sicher unschwer nachzuvollziehen ist. Bei der ganzen Konzert-Erfahrung die Deranged in den vergangenen Jahren sammeln konnten, sind sie allerdings nicht nur in Europa herumgekommen, sondern sie sind auch eine der ersten brutalen Death Metal Bands Schwedens, die das ferne Japan entdecken durften, was für sie, so Rikard, auch ein großartiges Erlebnis darstellt, auf das man gerne zurückblickt. Ein anderes, sehr wichtiges Ereignis sehen sie aber auch in der Teil-nahme am letzten Wacken Festival 2000, wo sie leider großes Pech mit dem Sound auf der Bühne hatten…
‘Ja viele Leute haben uns gesagt, dass der Sound ziemlich schlecht gewesen sein soll, aber das ist eben ein großes Problem bei allen größeren Festivals. Von zehn Bands, die da an einem Tag spielen, kann vielleicht eine einen guten Sound aufweisen. Wir hatten ja auch leider nicht sehr viel Zeit für einen richtigen Soundcheck. Dennoch bin ich sehr zufrieden mit dem Gig, das Publikum hat uns sehr großen Respekt entgegengebracht, das wissen wir sehr zu schätzen. Ihre Reaktionen waren absolut cool. Wir pflegen normalerweise vor vielleicht 200 Leuten zu spielen, aber in Wacken waren es vielleicht 4000-5000 Menschen, ich war so nervös, das kannst du dir gar nicht vorstellen. Die letzten 10 Minuten vor dem Gig war ich glaube ich gar nicht mehr ansprechbar, ha ha…’
‘Es war eben auch das erste richtig große Open-Air für uns.’, fügt Johann hinzu, ‘wir haben sonst nur noch auf dem Fuck The Commerce gespielt, aber das war eben eine ganz andere Kategorie von Festivals.’
Außerhalb von Deranged, stellt sich Rikard aber eher als zurückhaltender Mensch heraus, nicht gerade der typische Partygänger…
‘Ehrlich gesagt gehe ich als Fan nicht auf so große Festivals, ich bin einfach nicht der Typ für so etwas. Nicht, dass ich nicht gerne mit Freunden zusammen feiere, aber ich trinke heute auch eigentlich nichts mehr, obwohl wir auch in Schweden großartiges Bier haben, was ich in der Vergangenheit nur zu oft festgestellt habe. Aber man wird eben älter und langweiliger, ha ha… Ich mag’ es auch nicht auf Festivals ständig im Zelt zu schlafen und den ganzen Tag im Dreck rumzulaufen und ständig über besoffene Leute zu stolpern. Würde es auf jedem Festival ein Hotel geben, wäre ich dabei, ha ha…’
Auch in ihrem Heimatort Hjärup verbringen die beiden Jungs ihre Freizeit lieber zu Hause im kleinen Freundeskreis, was aber auch daran liegen mag, dass ihre Region nicht gerade als Metalhochburg bezeichnet werden kann.
‘Statt Hjärup könntest du auch Malmö sagen, du musst schon in diese Stadt hineinfahren, wenn du irgendetwas unternehmen willst. Es gibt dort den ein oder anderen Metalklub wie z.B. das ‘KB’, aber das ist nichts Besonderes. Die Szene ist dort nicht wirklich gut, auch wenn es dort schon ein paar Metalfans gibt, oder z.B. das Magazin Driller Killer, was noch ganz empfehlenswert wäre. Zu dem Metal in Schweden allgemein kann ich sagen, dass die Szene wirklich sucked. Wir spielen mit Deranged um die zehn Jahre und hatten in Schweden gerade mal 7 wirklich intensive Gigs, im Vergleich dazu haben wir in Deutschland bestimmt schon 50 mal gespielt. Das muss man sich mal vor Augen halten.’
‘Das Problem ist einfach, dass es zu wenig Klubs gibt wo man spielen könnte. Du kannst hier nicht zwei Mal die Woche hintereinander am gleichen Ort spielen.’, erklärt Johan weiter. ‘Schweden ist ein sehr weites Land mit gerade mal 8,5 Millionen Einwohnern, während es in Deutschland etwa 80 000 Millionen Menschen gibt. Die Distanzen sind hier sehr groß und das ist das stressige bei den Touren, da du dann 12 Stunden mit dem Bus fahren musst, um zum nächsten Tourort zu gelangen. Ähnlich schlecht sieht es auch in Sachen Zuschaueranzahl aus. Bei Bands wie CANNIBAL CORPSE oder MORBID ANGEL kommen schon mal 100 oder 200 Leute während bei DEEDS OF FLESH 50 Zuschauer normal sind. Aber es ist auch nicht so, dass ausländische Bands mehr Leute anziehen. Zu HAMMERFALL Konzerten kommen z.B. mindestens genauso viele wie bei Corpse. Es kommt immer auf die Band und ihre Musik an.’ An jungen, vielversprechenden Nachwuchsbands scheint es aber trotz-dem nicht zu mangeln…
‘Oh, wir haben schon eine ganze Reihe guter Undergroundbands, gerade in den letzten Jahren hat sich da vor allem im Bereich des brutalen Metal einiges getan. Mein Respekt gebührt vor allem Bands wie INCISION, SOILS OF FATE, THRONEAEON oder IMMERSED IN BLOOD um nur ein paar aufzuzählen.’
Und wie sieht man diese Sache in anderen Ländern? Wenn es um die deutsche Szene geht, erinnern sich Rikard und Johan eher an alte Bandgrößen, ist ihnen der deutsche Underground nicht allzu bekannt, obwohl man auch hier ein paar Acts zu schätzen weiss:
‘Ich finde, dass eure Szene vor ein paar Jährchen schon sehr gut war. Ich liebe TANKARD, SODOM und die alten KREATOR. Ich schätze es gibt auch bei den unbekannteren Bands einen Haufen guter Formationen, aber bis auf PROFANITY, HARMONY DIES oder SOUL DEMISE, fällt mir da jetzt gerade nichts weiter ein, da ich in Sachen deutscher Metal nicht so bewandert bin. Ich habe aller-dings den Eindruck, dass es auch in Deutschland genau wie in Schweden in den letzten Jahren etwas zurück ging mit dem Metal. Als wir z.B. gestern in Hamburg gespielt haben, waren gerade mal 100 Leute dort, das ist für eine so große Stadt wie Hamburg ja nichts. Wenn ich das mit Frankreich vergleiche, wo wir an einem Montag vor fast 500 Menschen gespielt haben, dann gibt mir das schon irgendwie zu denken. Mit Sicherheit hat Deutschland immer noch viele Metalfans, aber wahrscheinlich gibt es einfach zu viele Bands und zu viele Konzerte, die Leute müssen einfach gelangweilt sein mit der Zeit. Ich gebe die Schuld auch nicht den Medien oder so, aber zuviel einer guten Sache, ist einfach zuviel.’
Wo wir schon einmal bei anderen Bands sind, finde ich es zu guter Letzt noch interessant zu erfahren, was Deranged eigentlich die Intension dazu gab’, fernab vom typischen ‘Schweden-Sound’ einen anderen Weg zu gehen und sich eher dem amerikanisch klingenden Death Metal zu verschreiben. Sieht man sich einmal an, welche Musik die Schweden zu Hause so konsumieren, liegt diese Entscheidung wohl auf der Hand. Johan: ‘KISS und SLAYER sind meine absoluten Helden, ich mag aber auch Sachen wie RAINBOW und DEEP PURPLE sehr. Wenn es um Death Metal geht, sollte man auf jeden Fall noch SUFFOCATION, MORBID ANGEL und die frühen CARCASS erwähnen.’ Ähnlich sieht dies Rikard: ‘Dazu kommen noch AUTOPSY, TERRORIZER, MALEVOLENT CREATION etc… Aber weißt du, wenn wir auf Deranged zu sprechen kommen, dann stützen wir uns nicht auf diese Bands, dann sind wir einfach nur von uns selbst beeinflusst und das hört man auch würde ich sagen. Aber es ist auch so, dass ich nach 24 Stunden Death Metal am Stück, irgendwann auch mal abschalten muss und etwas ruhigeres brauche, aber das völlig normal. Als wir z.B. auf dieser Tour hier ständig nur Death Metal hörten und dann irgendwann noch jemand HATE ETERNAL in die Anlage schieben musste, meinte ich nur noch: ‘Boar, mach’ das aus, gönn’ uns mal eine Pause…’. Obwohl ich HATE ETERNAL liebe, keine Frage, das ist eine großartige Band. Aber dann machte mal wieder jemand eine alte SCORPIONS Platte an und wir dachten: ‘Hey ja, das tut mal wieder richtig gut das zu hören…’. Wie ich schon sagte, zuviel des Guten ist einfach zu viel.’
Diese Offenheit auch gegenüber Death Metal fremden Musikrichtungen, spiegelt sich auch leicht in der Musik dieser Band wider, so könnte man zumindest meinen, schaut man sich einmal an, mit welchen anderen Acts Deranged in der Vergangenheit schon alles verglichen wurden.
‘Die Leute haben bei uns schon alle möglichen Vergleiche herangezogen, das fängt an mit den frühen CARCASS, CANNIBAL CORPSE, SUFFOCATION, oder sogar Bands wie MORBID ANGEL oder REGURGITATE. Ich habe sogar schon mal jemanden getroffen der ernsthaft behauptet hat, UNLEASHED herauszuhören. Aber wie ich bereits betonte, sind wir nicht direkt von diesen Bands beeinflusst, auch wenn wir diese Musik hören. Wir hören eben auch eine Reihe alter Bands wie KISS oder 70er Rock, auch aus diesem Genre wird man deswegen viele Einflüsse finden.’ ‘Ich meine im Prinzip gibt es zwischen all’ diesen Bands und uns gar nicht so große Unterschiede…’, behauptet Johan. ‘Unsere Drums und Gitarren sind vielleicht schneller und lauter, aber im Grunde genommen ist das Arrangement und die Gitarren Skalen immer die gleichen, der Stil, wie man diese Skalen runterspielt, oder der Drum-Stil ist höchstens etwas anders. Alles hat immer noch den selben Ursprung.’
Eine Sache, die sich so mancher Metaller einmal öfter vor Augen halten sollte, vor allem in der heutigen Zeit. Was die Zukunft für Deranged noch so bringen wird, darauf kann man sicherlich gespannt sein.
‘Momentan konzentrieren wir uns noch auf diese Tour hier und danach ist noch etwas für September geplant, wir werden dann, hoffentlich, mit EXTREME NOISE TERROR und GOD GORGORY auf Tour sein und in London spielen. Danach kommen wir wahrscheinlich wieder nach Holland, aber noch ist nichts confirmed. Desweiteren bringen auch MURDER CORPORATION ihr neues Album heraus und wenn alles klappt, dann versuchen wir auch mit ihnen eine kleine Tour auf die Reihe zu kriegen, was uns wirklich freuen würde. Ansonsten schreiben wir einfach neue Songs und sehen, was passiert.’
Da sind wir dann ja mal gespannt. Bis dahin wird wohl ‘Deranged’ erst mal seine Zeit den CD-Player blockieren, während Rikard’s letzte Worte uns auf unserem Weg begleiten werden:
‘Wir wollen dir für dieses Interview danken und jedem, der dies hier liest. Nehmt euch Zeit um die neue CD anzuchecken. KEEP ON SHOCKING & GETTING HIGH ON BLOOD!’

DISKOGRAFIE:
…The Confessions Of A Necrophile Demo 1-92
…The Confessions Continues 7’ Single 1-93 Obliteration Records
Architects Of Perversions MCD 1-93 Repulse Records
Upon The Medical Slab 7’ Single 2-94 M.M.I. Records
Sculpture Of The Dead MCD 2-94 Repulse Records
Rated –X CD 1-95 Repulse Records
High On Blood CD 2-97 Regain Records
III CD 3-99 Listenable Records
Deranged 4-01 Listenable Records

Kontakt: Deranged, Ängavägen 2, 24562 Hjärup, Sweden, http://start.at/your.death, http://members.tripod.de/deranged

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