Cataract Interview

Die Schweizer Cataract spielen sowohl in der Metal- als auch in der Hardcore-Szene an forderster Front mit.  Grund genug, die Band zum Interview zu laden.

Die Veröffentlichung Eures letzten Albums „With Triumph Comes Loss” ist  jetzt schon etwas her. Habt Ihr neue Songs für das nächste Album und wann wird dieses voraussichtlich erscheinen?
Wir haben in der Tat grad ‘ne kleinere Pause bei den Shows, weil wir uns aufs komponieren konzentrieren wollen. Wir werden wohl wieder eine Pre-production machen mit den Songs, die wir haben um uns wieder optimal vorzubereiten. Der Studio-Termin ist noch nicht 100% fix, demzufolge können wir auch noch nicht sagen wann das Album fertig sein wird. Cool wär’s, wenn’s früher Sommer 2006 draussen ist.

„With Triumph Comes Loss” ist wirklich ein sehr gelungenes Album und die Resonanz war mehr als überwältigend. Was ist das für ein Gefühl? Habt Ihr mit so einer Reaktion gerechnet?
Gerechnet würde ich nicht sagen. Für uns war’s klar, es ist unser bei weitem bestes Album, was die Songs und auch die Produktion angeht. Wir waren uns also sicher, dass die Leute, die unsere Releases bisher gut fanden, an dieser Scheibe ihre Freude haben werden. Die sehr guten Reviews haben uns aber dennoch aus den Socken gehauen, vor allem weil ich persönlich der Meinung bin, dass die Songs der letzten Scheibe („great days of vengeance“) metallischer sind als die Songs von „Triumph“. Aber die geile Produktion und die Rückbesinnung aufs Wesentliche haben wohl ihr Übriges getan.

Ihr wart vor dem Wechsel zu Metalblade bei Lifeforce Records. Gab es persönlich Gründe für diesen, oder waren die Rahmenbedingungen einfach besser? Wie ist Eure Zusammenarbeit mit Metalblade…seid Ihr Zufrieden?
Weißt Du, wir alle machen die Band neben unseren gängigen Jobs; das heisst es ist kein Job für uns und wir machen das weil es uns Spass macht. Wenn wir irgendwann mal keinen Spass mehr haben, dann sind wir weg vom Fenster, dann bringt’s es nicht, neue Songs zu schreiben, Shows zu machen oder ins Studio zu gehen. In so einer Situation lehnst du ein Angebot, wie wir es von Metalblade bekommen haben, einfach nicht ab. Wer was anderes behauptet, würde wohl auch behaupten, Jessica Alba von der Bettkante zu stossen –es wäre gelogen. Die Möglichkeiten die wir nun haben, sind einiges breiter gestreut, der Support ist ebenfalls massiv grösser und wir können uns viel mehr auf das konzentrieren, was uns Spass macht – die Musik.


Wie entstehen Eure Songs? Habt Ihr einen Hauptsongwriter, der die fertigen Stücke im Proberaum präsentiert, oder seid Ihr alle daran beteiligt?

Unsere Gitarristen arbeiten die Songs eigentlich meistens komplett aus, entweder zusammen oder alleine, dann komme ich dazu und dann wird arrangiert. Manche Songs behalten ihr Form, meistens werden aber Teile dazugefügt, weggenommen, wiederholt und oder gekürzt. Wenn dann das Gerüst steht kommt Gesang und Bass dazu, dann gibt’s evtl aufgrund der Vocals noch mal ‘ne Änderung. Am Schluss müssen wir einfach den Song spielen können, ohne das und irgendwas „komisch“ dünkt. Der Fluss und der Groove muss da sein.

Mit welchen Bands seid Ihr aufgewachsen und welche von diesen beeinflussen Euch heute noch? Euer Label vergleicht Euch unter anderem mit Slayer und Hatebreed. Mögt und hört Ihr diese Bands, oder ist es eher Zufall, dass gewissen Parallelen zu erkennen sind?
Die dritte Metalscheibe, die ich gekauft habe, war Slayer’s „Reign in Blood“, gleich nach deren Erscheinen. Und ich denke es ist keine Schandezuzugeben, dass diese Band mich (und auch andere in der Band) geprägt hat wie keine andere. Reign in Blood ist für mich immer noch DAS Referenzwerk für extreme Musik. Da kann mir jeder kommen und erzählen welche Band damals schneller war oder heavier oder was weiss ich. Die besten Tage hat die Band zwar schon hinter sich, aber mit der Scheibe haben sie sich ein Denkmal gesetzt! Bei Hatebreed ist es einfach so, dass wir die alle klasse finden und dass sie simple, aber umso effektivere Mucke machen kann wohl keiner abstreiten.
Natürlich gibt’s unzählige Bands, deren Platten ich mindestens so gut finde und die mich ebenso geprägt haben wie die oben genannte (Dark Angel’s „darkness descends“, Flotsam und Jetsam’s „no place for disgrace“, Znöwhite’s „act of god“ zum Beispiel), aber der erste Sex bleibt immer der erste Sex.

Eure Musik versprüht, vor allem Live, eine gewaltige Power und Energie. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass dies bei vielen Bands aus dem Hardcore/Metalcore-Genre der Fall ist…im Gegensatz zu den meisten Metalbands. Nicht, dass diese schlechter sind, aber irgendwie kommt dort Live nicht soviel rüber. Wie sehr Ihr das?
Kommt sicher auch auf den Event an. Wenn ‘ne Band auf einer Bühne spielt, die 5 Meter von den Leuten weg steht und 2 Meter hoch ist, kommt da auch bei ‘ner Hardcore/Metalcore nicht mehr soviel Power rüber wie bei ‘ner Clubshow. Umgekehrt wenn man mal ‘ne Metalband auf einer kleinen Bühne sehen kann, dann kracht’s da garantiert ebenso. Hier in der Nähe gibt’s einen kleinen Club, die machen ab und zu Metalshows, und wie’s da knallt wenn Nile, Cryptopsy oder Bolt Thrower sich die Ehre geben…

Ihr könnt auf eine ganze Menge Live-Shows zurückblicken. Was war das außergewöhnlichste und/oder seltsamste Erlebnis, dass Ihr auf Tour jemals hattet?
Da gibt’s vieles, das uns geblieben ist – Eindrücklich sicher die Show am Fury fest. Als wir auf die Bühne gingen, jubelte die ganze verdammte Halle los. Oder so ‘ne lustige Kunststudenten-Show die wir mal gegeben haben. Das war ‘ne Release Party eines Buches über Rock, mit Bildern, Interviews, Gedichten und was weiss ich. Die wollten dann ‘ne richtige Rockband haben. Wir dachten die Leute gehen alle raus wenn wir spielen – am Schluss haben sie sich aber die Freitag-Taschen um die Köpfe geschlagen.

Seid Ihr gerne auf Tour? Kommt dadurch Euer „Privatleben“ zu kurz?
Touren macht echt Spass, ob’s nun alleine ist in ‘nem kleinen Bus oder was richtig grosses mit Nightliner. Dennoch gibt es so Phasen wo ich z. B. nach der maloche gleich ins Auto sitze, zum Proberaum fahre, dann das gesamte Weekend unterwegs bin und am Sonntag nur noch ins Bett falle, um Montag dann wieder zu maloche zu humpeln. Mit den Bandproben dazwischen haste da schon nahe an null Privatleben.

Was machen Cataract sonst so, wenn sie nicht gerade irgendeinen Club in Schutt und Asche legen?
Wir haben unsere Jobs und die Weekends die wir nicht mit Shows belegt haben nutzen wir für Private Interessen. Im Moment proben wir auch an den Weekends, da gehen wir dann auch mal zusammen ‘ne Nacht durchfeiern.


Legt Ihr Wert auf eine Message in Eurer Musik? Wenn ja, auf welche?

Lebt nicht wie Scheuklappen Pferde und wartet drauf, bis euch einer sagt, wo ihr hingehen müsst.

Was denkt Ihr über die gegenseitige Abneigung der Hardcore- und der Metalszene? Wo könnten die Ursachen hierfür liegen? Eigentlich ist die Musik zum Teil sehr ähnlich und die Grenzen sind fließend. Nach Euren Auftritten im Rahmen des No Mercy Festivals gab es in diversen Foren richtige Auseinandersetzungen der beiden Szenen, warum die jeweils andere ja so scheiße ist usw … was für ein Kindergarten. Vielleicht liegt es ja in den unterschiedlichen „Kulturen“ der Szenen. Also einfach nur eine Abneigung aufgrund verschiedener Ansichten und Lebenseinstellungen?
Es ist komplett bescheuert. Es ist ja schön, wenn man sich mit einer Szene identifizieren kann und sich zugehörig fühlt, aber deswegen kategorisch andere Szenen oder andere Musik in den Dreck zu verdammen, ist doch zwecklos. Es ist ja nicht so, dass eine objektive Diskussion stattfindet, sondern es werden einfach Vorurteile und Halbwahrheiten hin und hergeschmissen. Ich kann mich ja auch nicht 100% davon ausnehmen, ich hab die Erfahrung früher auch gemacht. Bei uns waren’s eben die „Poser“, und Bands wie Guns’N’Roses, Mötley Crüe etc, die „schwul und behindert“ waren. Aber so was sollte mit der Zeit von selbst vergehen, ich ärgere mich mittlerweile über meine eigene Ignoranz, da GNR ‘ne absolut begnadete Band war und Slash mit die besten Solos gerissen hat. Es gehört wohl einfach zu einer bestimmten Phase dazu. Woher diese Abneigung kommt, weiss ich leider auch nicht. Der Mensch braucht scheinbar Feindbilder, und dank des Internets (Messageboards und Fanforen) kann jeder aus ‘ner Mücke ‘nen Elefanten machen.

Vor welchem Publikum macht es Euch mehr Spaß zu spielen…Metaller oder Hardcoreler? Ich finde, dass es dort gewaltige Unterschiede gibt. Wie seht ihr das?
Das stimmt allerdings, das merken wir auch. Obwohl wir immer wieder Betonen, dass wir nicht einer bestimmten Szene zugerechnet werden wollen, an den Shows kannst du schnell mal sagen, ob’s eine Metal Show ist oder ‘ne Hardcore Show. Aber dass deswegen eine Show automatisch besser wird, oder uns mehr Spass macht, ist Blödsinn. Wenn die Leute abgehen ist es uns scheissegal, vor was für einer Meute wir stehen.
Was haltet Ihr von der gewaltigen Flut an neuen Bands die zurzeit im Bereich der extremen Musik den Markt überschwemmen? Viele der Bands hören sich verdammt ähnlich an und sind kaum noch auseinander zu halten.
Ich glaube, damit müssen wir einfach leben. Das war beim Grindcore Boom so, beim Death Metal Boom dito, beim „Black“ Metal Boom ebenfalls. Es gibt was neues und jeder will ein Stück vom Kuchen abhaben. Ob das nun im kleinen Rahmen ist oder nicht, kommt nicht mal gross drauf an. Es kommt nicht mal auf die Musikszene reduziert. Wenn irgendwo was angesagt ist, dann wird der Markt überschwemmt damit. Seien das Energydrinks, Kaffekapseln oder modische Trends…

Was habt Ihr für die Zukunft geplant?
Am wichtigsten ist nun sicher die neue Platte, wir halten uns ran und mit dem nötigen Glück wird die Scheibe in einem halben Jahr released sein. Dann werden wir uns nur schon wegen der Promotion wieder den Arsch abspielen, natürlich soll da dann die eine oder andere Tour dabei sein, und wenn’s gut läuft liegt auch mal ein Abstecher nach Übersee drin.
www.cataract-collective.com