Carnal Forge Interview

Carnal Forge blicken mit ihrem neuen Album „TestifyFor My Victims“ bereits schon auf ihr sechstes Album zurück. Dabei ist besonders bewundernswert, dass sich die Schweden selbst immer treu geblieben sind und auf allzu große musikalische Experimente verzichtet haben. Auch das neue Album ist wieder eine solche schöne Geschichte, wo man als Fan weiß, was man hat und kauft. Dennoch gibt es viele Neuigkeiten im Carnal Forge-Camp. Bassist Lars Linden und der neue Sänger Jens C. Mortensen gaben uns darüber Auskunft:

Hallo Lars. Ich mag euer neues Album! Ich denke, es ist ein weiterer Schritt in eurer Karriere: eine neue Plattenfirma und ein neuer Sänger. Was gibt’s sonst noch Neues an der Carnal Forge-Front?

Lars: „Danke! Waren das noch nicht genug Neuigkeiten… ha, ha! Hmmm, wir haben zwei neue Videos zu den Songs ‚Burning Eden’ und ‚Numb’ gedreht. Das ist etwas, was wir vorher noch nie gemacht haben. Alles andere ist „Business as usual“. Im Moment planen wir Tourneen in der EU und in Amerika im Herbst.“

Was ist der Grund dafür, dass ihr euch von eurem langjährigem Sänger Jonas Kjellgren getrennt habt?

Jens: „Andere Verpflichtungen und Pläne… Sein Leben, das Studio, seine anderen Bands. Es war und sind ganz sicher keine bösen Gefühle zwischen uns während dieser Zeit entstanden und wir wünschen ihm alles Gute für seine Zukunft.“

Lars: „Er wollte lieber nur noch Gitarre spielen, anstatt zu singen. Als er Carnal Forge 1997 mit gründete, dachte er schon er wäre der Gitarrist der Band. Und er war völlig überrascht, als wir ihn angeboten haben und ihn dazu überredet haben, dass er singen sollte. So hat er wohl immer davon geträumt, ein Gitarrenheld zu sein…“

Ich habe gelesen, dass euer neuer Sänger Jens schon seit 3 Jahren bei Carnal Forge ist. Deshalb: warum erscheint „Testify For My Victims“ erst jetzt? Was ist in den 3 Jahren passiert?

Lars: „Wir haben uns die Zeit genommen, bis jeder in der Band absolut zufrieden mit dem Album war. Aber natürlich passieren darüber hinaus auch immer Fucks und Tiefs, die die Zeit einfach auffressen. Du weißt schon, persönliche Sachen wie ein Studium, neue Jobs, Heirat, Todesfälle, neue Freundinnen, unser neues Aufnahmestudio wurde errichtet, Touren, das Leben im Generellen sozusagen. So haben wir alle ohne eine Deadline im Hinterkopf unser neues Album aufgenommen. Es wurde auch eine Menge Stoff wieder aussortiert, man kann das nicht immer alles genau kontrollieren. Aber genau das hat uns auch die Chance dazu gegeben, Distanz zu unserem Material zu entwickeln, einiges davon wegzuschmeißen, neu zu schreiben. Wir hatten Zeit dazu, die Musik praktisch reifen zu lassen, bevor wir daran etwas geändert haben. Diese Herangehensweise ist zwar manchmal auch nervig, aber größtenteils denke ich, dass es gut war, unser neues Material aus dieser Sicht zu betrachten. Diese differenzierte Art an unserer Musik zu arbeiten, war uns bis dahin noch nie möglich gewesen. Wir haben verschiedene Pre-Demos zu allen Songs produziert, haben öfters dann noch Ideen zu dem Gesang und den Arrangements gehabt. Und genau das hatten wir noch nie zuvor so gehandhabt und das hat diesmal gut geklappt. Es war die ganze lange Zeit wert…“

Alle Stile und Namen für die vielen Arten von Metal sind für mich nicht wichtig. Aber dennoch: ich höre auf eurem neuen Album doch ein paar mehr Death Metal-Einflüsse (Gothenburg-Style) mehr heraus, als auf euren ersten fünf Alben. Bevor „Testify…“ erschien, habt ihr in meinen Augen mehr hyperschnellen Thrash Metal gespielt. Kannst Du das bestätigen?

Lars: „Nein, das kann ich sicher nicht. Für mich war Carnal Forge schon immer Thrash Metal. Ob schnell oder nicht… Ich wollte nie etwas anderes machen… Bezeichnungen für unsere Musik sind für andere, das ist für mich völlig uninteressant. Fuck The „Gothenburg Sound“! Wir spielen typischen und genialen Sala-/ Västeras-/ Södertälje Thrash-Metal… und sonst nichts… haha!“

Das lassen wir gelten! Schwedische Musiker sind bekannt dafür, dass sie eigentlich mindestens alle in 2 Bands gleichzeitig spielen. Wie stellt sich das bei allen Carnal Forge-Mitgliedern dar? In welchen anderen Bands spielt ihr denn derzeit eventuell noch mit?

Lars: „O. k., mal sehen ob ich das jetzt aus dem Stehgreif hinkriege, im Moment sind es gar nicht so viele…
Jens: Carnal Forge + Leech
Stefan: Carnal Forge, Leech, Asperity (ex Steel Attack, ex World Below)
Petri: Carnal Forge, Asperity, Incensed (ex Steel Attack)
Jari: Carnal Forge, Leech, Incensed
und ich: Carnal Forge, Leech, Incensed”

Wie lange arbeitet ihr an neuen Songs? Wie entsteht eigentlich ein Song bei euch? Nur im Proberaum oder wenn ihr auf Tour seid? Oder schiebt ihr File-Shares auf den PC hin und her?

Lars: „Das Songschreiben für dieses Album begann glaube ich schon 2004. Wir haben die ersten Demos dann 2005 und 2006 dann Demos für alle neuen Songs gemacht. Dann haben wir ab Oktober 2006 bis Februar 2007 an den Songs gearbeitet. Anschließend haben wir die Songs bei unserem vorherigen Sänger, Jonas, in seinem „Black Lounge Studio“ aufgenommen. Wir arbeiten mit verschiedenen Methoden, aber üblicherweise schreibt einer von uns einen Song und nimmt ihn auf seinem Computer auf. Dann präsentiert er ihn den anderen Jungs und wir arbeiten daran, bis alle damit glücklich sind.“

Was bedeutet eigentlich euer Cover-Artwork? Ein Mann kommt als Silhouette in einen dunklen Raum. Ist das der Mann, der „Nach meinen Opfern sucht“? Für mich wirkt das Cover durchaus ein wenig morbide und bedrohlich!

Jens: „Der Titel kam auf, als wir den Text für den gleichnamigen Song aufnahmen. Wir haben eigentlich gar keinen Titelsong geplant. Aber wir alle fühlten die dunkle Ausstrahlung des Mannes, der sich irgendeine Strafe ausdenkt. Deshalb haben wir daraufhin gleich beschlossen, das ganze Album so zu nennen. Ich bekam das Gefühl dafür, als ich über jemanden nachdachte, der anderen bzw. sogar der ganzen Welt schlechte Nachrichten überbringen muss, weil er die Opfer einer Katastrophe gesehen hat. Aber das ist auch nur meine eigene Interpretation, der Titel lässt Raum für noch mehr andere.“

O. k. , dann kommen wir doch noch einmal auf die eingangs von dir erwähnten zwei Videos zu „Numb“ und „Burning Eden“ zurück. Macht ihr so etwas gern? Mögt ihr den visuellen Aspekt in der Metalmusik? Ich denke, fast die Videos werden doch eh’ nie auf MTV oder anderen Musikkanälen gesendet?

Jens: „Als wir die Videos in Umea aufnehmen sollten, hatten wir keine Idee, was wir überhaupt dazu machen sollten. Alles, was wir wussten, dass wir in zwei Tagen zwei Videos drehen sollten und dazu eine zünftige Party gehört. Wir nahmen zu „Numb“ einfach auf, wie wir unsere Eier im Dachgeschoß kühlten, wie wir beim Proben in die Kameras posten. Bei all dem Whiskey und dem Bier, das wir vernichtet haben, konnten wir froh sein, dass wir uns nicht die Eier dabei verkühlt haben… Nach einem gewaltigen Hangover am nächsten Tag nahmen wir das Video zu „Burning Eden“ auf. Wir standen in einem komplett in schwarz angemalten Raum. Beide Videos verdanken wir unseren eigenen kranken Hirnen. Wir standen nur von den Kameras und haben einfach unser Zeug gemacht. Das war nicht so, dass wir irgendwann darauf gewartet haben, das Video zu „Burning“ muss noch fertig gedreht werden oder wir brauchen dazu unbedingt eine komplette Story. Wir haben nur das gemacht, was uns spontan zu dem Song eingefallen ist. Bei „Numb“ war’s ähnlich…
Ich denke Metal-Videos unterstützen immer öfter den Song an sich, die Visualisierung dazu. Wenn die Geschichte des Videos gut ist, muss das noch nicht einmal nur mit dem Songinhalt zu tun haben. Es ist eine prima Möglichkeit, um den Fan die Gefühlslage und den Inhalt zu dem Song zu erklären. Und unsere Chancen in MTV gespielt zu werden?
Nö…, du hast Recht, das wird wahrscheinlich nicht so bald passieren… Höchstens auf MTV2 um 2.30 Uhr…“

Nachdem wir das mit den Death Metal-Einflüssen vorhin geklärt hätten, fällt mir aber noch ein starker Einfluss auf. Euer fünfter Song „End Game“ erinnert mich sehr an die starken Testament. Verstehst du das?

Lars: „Natürlich, sicher… haha. Den Song habe ich geschrieben, als wir von einer Tour mit Halford zurückkamen. Dabei hatten wir auch einige Shows mit den mächtigen Testament… Direkt inspiriert wie du siehst… hehe und ich habe dieses Lied auch aus diesem Grund nur aus Spaß geschrieben. Ich wusste noch nicht mal, ob wir den Song
letztendlich überhaupt für das Album verwenden würden. Ich würde es nicht als Ripp-Off
bezeichnen wollen, sondern als Art bescheidener Tribut…“

Worum geht es bei den Text zu „Freedom By Mutilation“? Generell: wie wichtig sind den die Texte bei Carnal Forge?

Jens: „Hmm… Gerade den Text zu diesem Lied habe ich nicht selbst geschrieben. So kann ich dir nur meine Interpretation dazu anbieten. Für mich geht es bei diesem Song darum, wie die wirkliche Freiheit aussieht. Du opferst einiges… Wie wichtig ist die Sicherheit eines eigenen Heimes, ein Job? Das behindert dich eventuell nur, um wirklich frei zu sein. Es könnte bedeuten, dass du dafür zuviel opferst, zum Beispiel deine Unschuld. Wie im Film „Saw“, wenn du verstehst was ich meine. Die Freiheit ist dein,
wenn und falls…
Ob die Texte wichtig sind, ja und nein… Ich denke, es geht mehr um die Gefühle und die Stimmung der Songs und es ist nicht so wichtig, irgendeine Nachricht in die Lyrics zu legen. Ich schreibe lieber etwas vage und lasse genügend Spielraum, so dass jeder die Texte auf seine eigene Art interpretieren kann.“

Interessante Gedanken. Es ist übrigens schon lange her, dass ich euch live gesehen habe. Wann kommt ihr denn wieder mal hier in die Gegend oder macht generell Europa unsicher? Die vielen Sommer-Festivals und Open Airs bieten sich doch an!

Lars: „Als wir realisiert haben, dass wir in dieser Richtung etwas unternehmen sollten, saßen wir gerade im Studio fest. Etwas geht aber doch. Zum Beispiel in Deutschland auf dem Zabbaduschder Open Air.“

Letzte Worte:

Jens: „Stay me(n)tal… Passt auf euch auf und versucht dennoch Spaß zu haben… Und, oh yeah, kommt und seht uns live, wenn ihr dazu die Chance habt. Checkt unser neues Album an und lasst euch davon wegblasen!!!“

Line-Up:

Lars Linden – Bass
Stefan Westerberg – Drums
Jari Kuusislo – Gitarre
Petri Kuusislo – Gitarre
Jens C. Mortensen – Gesang

Diskografie:

Who’s Gonna Burn CD 1998
Firedemon CD 2000
Please… Die CD 2001
The More You Suffer CD 2003
Aren’t You Dead Yet? CD 2004
Destroy Live DVD 2006
Testify For My Victims CD 2007

http://www.carnalforge.se/