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Bergthron Interview

21 August 2001

Bergthron sollte eigentlich jedem, der sich ein wenig mit dem Black Metal Underground beschäftigt, bekannt sein. Bereits 1996 erschien das Debüt „Verborgen in den Tiefen der Wälder“ welches überall positive Kritiken erhielt. Für mich ist diese Scheibe einer der besten, wenn nicht die beste deutsche Veröffentlichung im Bereich des atmosphärischen Black Metal. Nach dem Erscheinen der MCD „Uralte Gedanken“ welche abermals die Qualitäten der Band offenbarte war es jedoch erst einmal wieder ruhig was den Namen Bergthron angeht. Freudig überrascht war ich daher als ich auf die Ankündigung der neuen CD „Jadheim“ stieß und mir die Möglichkeit gegeben wurde dieses Interview zu führen.

Sucht man die einschlägige Presse nach Interviews mit der Band ab wird man alsbald feststellen, dass es dort nicht allzuviel zu finden gibt. Mir ist bisher nur das Interview mit Nebelschrei von Blodmorfogh Prod. bekannt, was allerdings von Seiten der Band recht wortkarg ausgefallen zu seinen scheint. Von daher ging es dann auch gleich mit der folgenden Frage los:
Das erste Demo (Durch den Nebel der Finsternis) ist soweit mir bekannt bereits 1995 erschienen. Trotz der allgemein guten Reaktionen, vor allem auch auf das nachfolgende Album (In den Tiefen der Wälder) blieb es relativ ruhig um Bergthron. Hat das einen bestimmten Grund?

Es ist genau diese Ruhe, die wir brauchen, um unsere Gedanken und Gefühle verarbeiten zu können, denen wir dann über BERGTHRON Ausdruck verleihen. Wir leben eher zurückgezogen; der große Rummel der weiten bunten Medienwelt liegt uns nicht. Außerdem sehen wir uns in erster Linie als Individuen, die Musik in allererster Linie für sich selbst kreieren. Wer umsichtig durch die Welt geht und seine Gedanken auf Bahnen lenkt, die den unsrigen ähnlich sind, wird auch früher oder später auf unser Schaffen stoßen. An oberflächlich hörenden Konsumenten, sprich der breiten Masse haben wir ohnehin kein Interesse. Dies ist auch der Grund, warum wir einigen Interviewanfragen nicht nachkommen. Darüber hinaus beschäftigten wir uns nach dem Release des Debütalbums mehr mit verschiedenen Studien und verwandten viel Zeit für den Ausbau unseres Proberaums. Er ist komplett mit Holz ausgeschlagen, an den Wänden hängen überall Felle und Waffen, Hörner etc. Wir mußten einfach eine Umgebung schaffen, die uns inspiriert, in der neue Songs entstehen können. In
einem typischen Proberaum, in dem unzählige leere Bierflaschen und Büchsen rumliegen und der Siff blüht können wir nicht wirken…

Da relativ wenig über die Band bekannt ist, stellt sie doch bitte etwas ausführlicher vor. Wer wann, wo und wie lange in der Band aktiv war, was ist z.b. aus Burgherr geworden, etc. Sind die Bandmitglieder noch in anderen Bands, Projekten tätig und wenn ja wo?
Die drei Gründungsmitglieder („Fürst der Finsternis“, “ Mondfürst“ und „Schattenfürst“ -Anm.d.Verf.) von BERGTHRON sind immer noch dabei. Ein gewisser Burgherr spielte bei der Demoaufnahme noch die zweite Gitarre – danach trennten sich unsere Wege. Bei den Proben für die „Jagdheim CD“ spielte Maik von Sturmesbrút, mit denen wir kürzlich erst den „Hammerbund“ gründeten, den Bass, den er dann auch im Studio selbst einspielte. Die Sache entwickelte sich extrem gut, so daß er mittlerweile zum festen Bandmitglied bei uns wurde. Im Gegenzug spielt Raik bei Livegigs von Sturmesbrût die zweite Gitarre. Da Sturmesbrut und BERGTHRON sich sowohl auf persönlicher, ideeller und auch musikalischer Ebene perfekt ergänzen haben wir den oben genannten Hammerbund ins leben gerufen, um gemeinsam unsere Ansichten und Philosophien zu verbreiten und um uns gegenseitig zu unterstützen – ich denke ein guter Bund! Ansonsten gibt es bei uns keinerlei Projekte. Wir konzentrieren uns mit voller Kraft auf BERGTHRON…und daran wird sich auch nichts ändern.

Wo würdet ihr euch musikalisch so in etwa einordnen?
Ich mag dieses Schubladendenken einfach nicht. Leider ist es heutzutage so, dass man wohl ohne Kategorisierung einfach nicht auskommt. Wir schätzen sehr das „alte“ Wirken von Bands wie Ulver, Satyricon oder auch Darkthrone. Dennoch haben wir einen gänzlich anderen, vielleicht auch eigenen Stil. Nenne es Black Metal oder wie Du willst. Wir wissen wofür wir stehen ohne dass wir dafür eine spezielle Einordnung oder einen vorgegebenen Begriff brauchen. Ich möchte mich selbst daher auch nicht „einordnen“. Von mir aus können das andere tun…

Wie seit ihr mit den bisherigen Veröffentlichungen zufrieden? Meiner Meinung nach konnte die MCD „Uralte Gedanken“ nicht ganz an die Klasse des Vorgängers anknüpfen. Wo habt ihr aufgenommen und wie seid ihr mit den Aufnahmebedingungen der einzelnen Tonträger zufrieden gewesen?
Das Demo „Durch den Nebel…“ nahmen wir im Proberaum auf. Mit dem Sound bin ich zufrieden, ein Demo sollte einfach so (oder mit einem 4-Spur Gerät aufgenommen) klingen. Ich denke, für die Hörer ist es ja gerade das besondere die Band unter diese Bedingungen zu hören – roh und ungeschliffen.
Ins Studio geht man, wenn man einen Vertrag mit einem Label hat, noch fast das ganze Leben… Die „Verborgen… CD“ nahmen wir im Digan Studio Annaberg, in nur drei Tagen (incl. Effekten, Mix etc.) auf – eine „Low-Budget-Produktion“, wenn Du so willst, aber genau das, was wir uns zum damaligen Zeitpunkt insbesondere soundtechnisch vorgestellt haben. Die CD hat sehr viel Atmosphäre und ein erstklassiges Feeling! Die „Uralte Gedanken CD“ nahmen wir in Reichenbach auf – sie gefällt mir besser, da sie roher klingt. Im Nachhinein betrachtet, hätte man eventuell bei der Produktion ein paar Sachen anders machen können. Im großen und ganzen entspricht die Scheibe aber genau dem, was BERGTHRON zu diesem Zeitpunkt rüberbringen wollten. Es stört mich kaum, wenn jemand meint, dass diese Produktion nicht an unser Debüt herankäme, da ich felsenfest von diesen Aufnahmen überzeugt bin und sie einen bedeutenden Punkt in der Entwicklung BERGTHRONs markieren. Allerdings glaube ich auch, dass wir mit unserem gerade vollendeten neuen Epos „Jagdheim“ einen neuen Höhepunkt in unserer Schaffensphase erreicht haben. Dieses Album nahmen wir im „Studio Arts“ Klingenthal auf, was in Zukunft auf jeden Fall unser Stammstudio sein wird. Die Aufnahmen liefen sehr relaxt ab. Und das Endresultat ist das stärkste BERGTHRON Album aller Zeiten geworden. Es ist schwer für einen Musiker im Wissen über das geniale Resultat seiner Arbeit, wenn er noch bis August warten muß, ehe auch andere endlich am eigenen Schaffen teilhaben können.

Eure Scheiben enthalten immer nur einen Song, was die Live Darbietung erheblich erschweren dürfte. Habt ihr geplant irgendwann mal Konzerte zu spielen?
Unsere Songs bestanden bislang aus mehreren Abschnitten, die zusammengefügt ein Thema abhandelten, sprich eine Geschichte erzählten. Auf „Jagdheim“ wird es nun erstmals so sein, dass drei Songs enthalten sein werden, die zwar zusammen genommen eine Einheit bilden, allerdings als Kunstwerk für sich stehen. Es ist schwer das zu erklären, aber wenn Du die neue CD gehört hast, weißt Du was ich meine. Hinsichtlich Livedarbietungen sind wir extrem zurückhaltend. Wir schaffen unsere Werke nicht für den Durchschnittsproleten, der grölend vor der Bühne steht und den Sinn unseres Wirkens ohnehin nicht begreift. Es steht in den Sternen, ob wir überhaupt einmal Live spielen werden. Es war eigentlich im Rahmen unseres Hammerbundes eine Darbietung im norwegischen Bergen geplant, die wir allerdings schlußendlich doch wieder absagten.

Was ist zum textlichen Konzept von Bergthron zu sagen?
Da wir zu allen unseren Veröffentlichungen die Texte abgedruckt haben, kann sich jeder selbst ein Bild machen. Es ist beabsichtigt, dass der Hörer sich bewußt mit den Lyrics auseinandersetzen soll und die Dinge die er liest/hört interpretiert. Wie er das tut, liegt bei ihm selbst. Wir möchten nicht anleiten, sondern lediglich anregen. Die Thematik mit der sich unsere Songs beschäftigen ist darüberhinaus ohnehin viel zu umfassend, als das sie inunseren Texten erschöpfend widergegeben werden könnte.

Euer neuer Output soll den Titel „Jagtheim“ tragen. Was wird den Hörer erwarten? Welche Veränderungen haben sich im Vergleich zum Vorgänger ergeben?
Wie schon vorher erwähnt, bin ich extrem zufrieden mit dem neuen Werk. Es ist typisch BERGTHRON und zeigt uns von einer eher rohen aber dennoch sehr hymnischen Seite. Ich glaube mit „Jagdheim“ haben wir es geschafft, den Spirit unserer Ahnen für kurze Zeit auferstehen zu lassen und dem Hörer vor Augen zu führen. Das erfüllt uns natürlich mit besonderem Stolz! Wir haben diesmal drei Lieder geschaffen, die textlich aber zusammen gehören. Auf der LP-Version, die Ende diesen Jahres erscheinen wird, ist noch ein zusätzliches Instrumental das „Wotanskult“ heißen wird. Der erste Track trägt den Titel „Aus edlem Blut“ – eine wahrhafte Hymne, die alle unsere Stärken vereint! Das zweite Stück heißt „Im weißen Wald“ und ist eher ein ruhiges/meditatives Lied – sehr nordisch und sehr melodisch! Das letzte Lied ist der Titelsong „Jagdheim“ und ist das wohl aggressivste Stück der CD. Wir schlagen mit diesem Track die Brücke von „Uralte Gedanken“ Zum neuen Werk. Höre es Dir an, ich meine, es ist perfekt gelungen!!

Das werde ich sicherlich aufmerksam machen. Was ist für die Zukunft geplant?
In ferner Zukunft zeichnet sich die LP-Version zu „Jagdheim“ ab, mit Anderem Cover und Bonus. Zur aktuellen CD werden wir diesmal auch erstmals ein Shirt veröffentlichen. In Planung sind weitere Releases, u.a. auch eine Vinyl-only-Sache im Rahmen des Hammerbundes. Es ist aber momentan noch zu früh, um darüber jetzt schon zu spekulieren.

Das freut mich als Vinyl Liebhaber natürlich ganz besonders und finde es grossartig, dass vor allem auch immer wieder Undergroundbands ihre Sachen auch auf Vinyl herausbringen. Bleibt zu hoffen, dass ich da nicht zu lange warten muss, erscheinen besagte Liebhaberstücke doch immer erst eine ganze Weile später als die CDs. Welche Bands konnten euch in der letzten Zeit am meisten beeindrucken?
Die Antwort liegt nahe: Sturmesbrût! Ihr aktuelles Demo „Im Tal des Jägers“ ist das beste, was mir in der letzten Zeit zu Ohren kam!! Wirklich lohnenswert.

Was sagt ihr zu der musikalischen Entwicklung der grossen norwegischen Bands?
Die letzte CD die ich mir kaufte, war Dark Throne „Ravishing Grimness“. Ich höre aber bei Perverted Taste immer mal in neue Sachen rein. Die Bands
Haben zwar immer bessere Produktionen, aber keine Atmosphäre – und das ist Nun mal das wichtigste bei dieser Art von Musik! Nimm die so begnadeten Frühwerke von Bands wie Ulver, Satyricon oder selbst Dimmu Borgir und höre Dir die neuen Sachen von denen an. Sie haben Ihre Seele verkauft… Ach ja, da fällt mir noch ein, die letzten beiden Borknagar CD´s sind Meiner Meinung nach wirklich brilliant.

Auf meiner Suche durch die unendlichen Weiten des Internet bin ich auf eine offizielle Homepage der Band gestoßen, auf der allerdings nur der Spruch: „Üb Aug und Hand für’s Vaterland “ zu lesen ist. Was hat es damit auf sich?

Da wir alle keinen Computer haben und auch der modernen, meiner Meinung nach oberflächlichen Kommunikation, per e-mail nichts abgewinnen können, waren wir zuerst von der Existenz der Website überascht. Ein Freund von uns hatte hier schon fast etwas zu eigenmächtig gehandelt. Wir entwarfen daraufhin diese Site. Sollten wir irgendwann der Meinung sein, hier etwas ändern zu müssen, werden wir dies tun. Allerdings sind wir nunmal keine Freunde
des World Wide Web…

Bei meiner Frage bzgl. der Homepage ging es mir auch um den Satz: „Üb Aug und Hand für’s Vaterland“ der da so ziemlich als einziges auf der Page steht und dessen Sinn sich einem Normalsterblichen wie mir nicht sogleich erschliesst. Dieser Spruch ist ja traditionell von Schützenvereinen und dergleichen in der Kaiserzeit vor dem ersten Weltkrieg benutzt worden. Sinn der Schützenvereine war dann auch die Erhöhung der Wehrkraft des Volkes, weshalb der Satz mittlerweile von sämtlichen mir bekannten Schützenvereinen aus dem Logo, der ereinssatzung und dergleichen verschwunden ist. Stellt sich doch die berechtigte Frage nach dem Sinn des Spruches auf der Homepage von Bergthron.
Der besagte Spruch wurde wirklich aus der damaligen Zeit „entliehen“, soll aber in keinem Zusammenhang damit stehen, wozu die Schützenvereine anschließend politisch missbraucht wurden. Es ist lediglich ein kleiner Denkanstoß und soll eher die Besinnung auf die Wurzeln eines jeden, sowie den Stolz auf seine Vorfahren und Ihr Wirken reflektieren… Vielleicht eine zugegeben etwas provokante These aber meiner Meinung nach genau die Provokation, die zum Nachdenken bzw. zur Beschäftigung mit dieser doch sehr alten Materie anregt.

Eine Rückbesinnung an alte Werte ist in einer Zeit in der an jedem grösseren Bahnhof eine Art Motorrad Club mit dem Namen einer Comic Ente Esspappe als norddeutsche Imbissspezialität verkauft sicher kein falscher Weg. Nur sollte man bei der Provokation aufpassen, dass man nicht, was heutzutage nur zu leicht passiert ungewollt ins rechte Lager rutscht. Soweit also das Interview, freuen wir uns auf das hoffentlich bald erscheinende neue Album der Band und vielleicht überlegen sie es sich ja doch noch einmal mit der Livedarbietung ihrer Musik. Last Words?
Siehst du die Welt durch Wotans Auge, wirst du entdecken, daß heutige Werte nicht die Hohen sind, daß heutige Grenzen nicht die Seinen sind. Bist du stark genug die Welt durch sein Auge zu sehen?

www.pervertedtaste.de

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