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7 Songs: (Anti-) Kosmos

7 November 2016 2 Kommentare

An jedem 7. eines Monates 7 Songs zu einem Thema. Heute: (Anti-) Kosmos

Womit assoziieren wir gemeinhin den Makrokosmos? Das Universum, in dem sich die Erde als so winziger Bestandteil in der Düsternis, nur erhellt von einem Feuerball, seelenruhig um sich selbst dreht? Kälte, Finsternis, unendliche Leere und unentdeckte Gefahren? Na herrlich, klingt doch absolut prädestiniert für das Metalgenre!

Abseits der Weltraumfaszination hat aber auch die Antikosmik längst Einzug in die Musikszene gehalten. Dass das Gesamtkonstrukt Kosmos, vom griechischen κόσμος auch als „(Welt-)Ordnung“ zu verstehen, gerade in der Metalszene gern auf Widerstand stößt, ist klar wie Gemüsebrühe. Das Universum als Schöpfungsstätte und als ein nach Naturgesetzen funktionierender Raum wird als Ort für gesellschaftliche Regeln, Moral und sonstige „Fesseln“ von einer Vielzahl Metalbands abgelehnt. Der Misanthropisch-Luziferische-Orden, der sich der antikosmischen Gesetzeslosigkeit verschreibt, gilt auch in der Metalszene oft als inoffizieller „Place to be“ (bekanntestes Beispiel hierfür dürfte Jon Nödtveidt von Dissection sein).

Somit ist der Kosmos ein vielfältiger Ort der Passion: finster, kalt und todbringend erweist er sich als hervorragender Gegenstand für musikalische Interpretationen. Und schnurzpiepegal ob man sich von der sphärischen Düsternis angezogen fühlt oder demgegenüber einem regelfernen Chaos frönen möchte: das Weltall bleibt verbunden mit Faszination. Hierzu im Folgenden sieben Songs zum Thema Kosmos und Antikosmos. Also Vorhänge zu, Anlage aufgedreht, Sonne-Mond-Und-Sterne-Nachtlicht angeschmissen und los geht’s.

Darkspace – Dark 4.19

Sozusagen die musikalische Inkarnation von „Space Themed Metal“ ist die Schweizer Band Darkspace. Die starken Ambientanteile des unterkühlten Black Metal erzeugen ebenso schnell eine unheimliche und gespenstische Stimmung wie die steinernen Riffs raue Mondlandschaften vor dem geistigen Auge aufsteigen lassen. Die von düsteren Synthesizern geprägten Zwischenspiele stärken außerdem die einsame Atmosphäre, die durch das Einspielen von verlassenen Atemgeräuschen noch komplettiert wird. Aber Vorsicht: konsumiert man zu viele Stücke von Darkspace auf einmal, droht man unabwendbar in die unendliche Leere luftleeren Raums zu transzendieren.

 

Inquisition – Ominous Doctrines of the Perpetual Mystical Macrocosm

Dissonante Tonfolgen und kaltblütige Passagen prägen Inquisitions musikalische Aufarbeitung des Weltalls. Das Duo befasst sich über mehrere Alben hinweg mit dem Kosmos und so ist die Verbindung von schleppender Disharmonie und gewaltigen Blasts ohne Probleme mit den besungenen mystischen Phänomenen in Einklang zu bringen. Die gigantischen Kräfte und Naturgewalten verarbeiten Inquisition mit mächtig treibenden Schlagzeugpassagen und prägnanten Riffs. Dagons knarrende Stimmgewalt, mit der er „For the mystical ones I sing“ in die Gehörgange knarzt, tut ihr übriges um den Hörer vollends in die tödliche Leere des Alls zu katapultieren.

The Devil’s Blood – Anti Kosmik Magick

Die mystischen Klänge des Psychedelic Rocks von The Devil’s Blood vertonen den Willen, die irdischen Fesseln loszuwerden. Dass sie die Nähe zum Alten und Geheimnisvollen eindeutig tausend Sonnen vorziehen, machten The Devil’s Blood insbesondere mit dem träumerischen Song „Anti Kosmik Magick“ klar. Somit stellt der Song vor allem lyrisch eine einzige Huldigung an die Chaosgnostik dar und versucht mit psychedelischen Zwischenspielen der Überwindung des Irdischen einen Raum zu geben. Farida Lemouchis Gesang hat einen angenehm entrückten und tranceartigen Hall, bevor ihre Stimme letztendlich in der Unendlichkeit entschwindet.

Spectral Lore – My Ascension into the Celestial Spheres

Rauer Black Metal verbunden mit sphärischem Ambient ergeben Spectral Lore aus Griechenland, das sich als Ein-Mann-Projekt intensiv mit dem Kosmos beschäftigt. Die Black Metal Anteile sind dunkle Materie erster Güte, denn Ayloss‘ tiefes Gröhlen lässt sofort eine bodenlose Schwärze aufsteigen. Auch die mal schrillen und mal dissonanten Gitarrenklänge verbreiten eine zur Thematik passende klirrende Kälte.

Arcturus – Kinetic

Auch für die in Norwegen verwurzelten Arcturus hat sich Astronomie als gern gesehener Bestandteil vieler Alben erwiesen. Gerade in den progressiven Einflüssen zeigen sich sphärische Elemente der Musik: Synthesizer, die einen an Reisen durch die Weiten des Alls denken lassen, verzerrte Computerstimmen sowie Einspieler von abgespaceten Maschinengeräuschen, wie sie Stanley Kubrick nicht besser hinbekommen hätte.

Watain – Death’s Cold Dark

Auch die Black Metal-Riesen von Watain gelten als Unterstützer des MLO und angesichts von Albentiteln wie „Lawless Darkness“ und des hier vorgestellten „Death’s Cold Dark“ ist die Verbindung nicht verwunderlich. Mit rasendem Riffing und ungezügelten Blasts zeigen die Schweden ihren Bund mit dem Chaos nur allzu deutlich und vermitteln mit wilder Aggression, dass sie nur eine unvermeidbare Regel akzeptieren: den unausweichlichen Tod und die darauf folgende Dunkelheit. Daneben wird mit fast schon rituell anmutenden und bitterbösen Passagen der Antichrist beschworen und zugleich die Weltordnung und damit der gesamte Kosmos furios zu Grabe getragen.

Alrakis – M20

Mit „M20“ widmen die Berliner von Alrakis dem Trifidnebel, einem Ort der „Sternenentstehung“ im Sternbild Schütze, einen Song. Der gemächliche Atmospheric Black Metal macht mit tranceartigen Melodien ein sanftes Entschweben im Raum zur leichtesten Übung. Die Vocals verschwinden häufig diffus im Hintergrund und vermitteln ein Gefühl der Ferne. Auch, dass die Trifid Nebula durch eine dunkle Staubwolke dreigeteilt wird, findet sich bei Alrakis wieder, denn die Band erzeugt mit vielerlei Ambienteinflüssen eine düstere, schemenhafte Grundstimmung.

Autor:

2 Kommentare »

  • Maurice sagt:

    Uhm…. Dark Fortress – Ylem????

    Hätte jetzt nicht damit gerechnet, dass dieses wegweisende Werk vergessen wurde…

  • Katrin Zimmer (Autor) sagt:

    Von „vergessen“ kann keine Rede sein. 🙂 Bei einer Begrenzung auf sieben Songs (die möglichst divers sein und auch Undergroundbands berücksichten sollen) muss man sich leider etwas einschränken.. immerhin fehlt z.B. auch Dissection. Aber fühl dich frei, weitere Meilensteine zu nennen. Weiterstöbern ist nicht nur erlaubt, sondern gewollt. 😉

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