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Helrunar „Sol“ 2 CD 6/6

18 Dezember 2010 Kai Scheibe

Lupus Lounge
Bewertung: 6/6
Spielzeit: 93:20
Songs: 15

Mit einem Paukenschlag beginnen Lupus Lounge das Veröffentlichungsjahr 2011 (offizielles Release-Date 07.01.) und dies ist nicht nur auf das ungewöhnliche Format von „Sol“ gemünzt. Auf zwei Silberlinge („Sol I – Der Dorn im Nebel“ & „Sol II – Zweige der Erinnerung“) verteilen Helrunar ihre 15 neuen Stücke, erfreuen ihre Fans damit über anderthalb Stunden und zementieren ihren Ruf und ihre Bedeutung für die deutsche Black Metal-Szene – auch wenn der Begriff Black Metal für die Breitwand-Tonkunst eigentlich zu eng gefasst ist. Leerlauf ist auf „Sol“ Fehlanzeige. Helrunar schaffen das Kunststück, die musikalische Qualität durchweg hoch, den Spannungsbogen vom ersten bis zum letzten Stück aufrecht zu erhalten und den Hörer in den Bann ihrer Atmosphäre zu saugen.

In dichten Sound gepackt, fesseln Helrunar mit schleppenden Passagen, steigern diese peu a peu, um anschließend in schnelle Attacken einzusteigen, die von durchdringenden, unmenschlichen Schreien zerfetzt werden. Ein gutes Beispiel für derartigen Steigerungs-Aufbau eines Songs ist „Kollapsar“. Fettes Riffing, wie es so mancher Death Metal-Band zu Gesicht stehen würde überrascht am Beginn von „Unter dem Gletscher“, kakofonische Blast-Attacken und immer und immer wieder gleich Wortfetzen verstören in „Nebelspinne“. Ruhige Klanginseln nur auf Gitarre aufbauend und flüsternde Vocals („Tiefer als der Tag“) sind akustischer Balsam im intensiven Hörerlebnis. Immer wieder auftauchende, gesprochene Passagen haben etwas von einem Videoblog, aufgezeichnet in einer einsamen, trostlosen Welt, umgeben von Untoten, ohne Rettungsaussicht. Auch wenn Ihr Euch die beiden CDs am besten am Stück inhaliert, haben sich bei mir einzelne Faves heraus kristallisiert – merkwürdigerweise die eher schlurfenden, vielleicht auch stampfenden, langgezogenen oder hymnischen Gehörgang-Fräsen – „Moorgänger“, „Aschevolk“ oder „Rattenkönig“.

Im Download-Zeitalter zeigt sich am Beispiel „Sol“, dass Qualität und das Paket drumherum seinen Preis hat und auch haben muss. Die beiden CD’s gibt es nicht in einer Doppel-CD-Ramschvariante, sondern jeweils einzeln als DIGIPAK oder gemeinsam als limitiertes, großformatiges Artbook. So oder so muss man 30 bis 40 EUR investieren, um sich dieses Meisterwerk ins Regal zu stellen. Meine Meinung: Helrunar sind jeden Euro wert und es wäre Verschwendung, sich angesichts der Klasse von „Sol“ nur mit der Hälfte zufrieden zu geben. Der erste Pflichtkauf in 2011!

[Album bei Amazon kaufen]

www.helrunar.com
www.myspace.de/helrunarhorde

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Autor: Kai Scheibe

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