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10. In Flammen Open Air

31 Juli 2015

inflammenAm bisher heißesten Wochenende dieses Sommers stand das sächsische Torgau nun zum 10. Mal IN FLAMMEN und bot seinen Besucherscharen mit dem gleichnamigen Kultevent drei Tage lang ein volles Festivalprogramm. Vom 2. bis zum 4. Juli war es den ca. 1500 pommesgabelschwingenden Metalfreunden möglich mit 39 Musikkapellen der härteren Gangart ein Wochenende zu verbringen. Bei diesen Spitzentemperaturen verwundert es sicher niemanden, dass der Running-Gag des Festivals lautete: Torgau stand im wahrsten Sinne des Wortes „In Flammen“.

Donnerstag, 02.07.

Für viele begann die Anreise zum Festival bereits am Donnerstag und sobald man die kleine Barriere „Ticket vorzeigen – Bändchen bekommen – ggf. Auto checken lassen“ überwunden hatte, konnte der Zelt- und Pavillonaufbau auf dem Feld mit angrenzenden Baumgruppen beginnen. Die meisten Besucher konnten keinen begehrten schattigen Platz ergattern und errichteten in Windeseile ihre vor der Mittagshitze schützenden Campingutensilien auf dem Feld. Der Platz ist bereits gut gefüllt, die Zeltbühne in unmittelbarer Nähe zum Zeltplatz und es ertönen bereits einige Soundcheckklänge, vorbereitend für die vier Bands, welche das Jubiläum gebührend einleiten werden. Ein wenig weiter in die Ferne geschaut, ließ sich die Hauptbühne erahnen, welche durch den Standort inmitten der bereits erwähnten Baumgruppe für viel Schatten sorgte. Auch die legendäre „Bar zur Froschkotze“ und die aufgebauten Bänke und Tische zwischen den einzelnen errichteten Merchständen locken einladend in freudiger Erwartung von musikalisch untermalten Saufgelagen.

Doch es bleibt nicht lange still auf dem Platz. Pünktlich wie ein Uhrwerk machen THE LAST HANGMAN als erste Band in der The Last Hangmen 02072015 (12)Zeltbühne auf sich aufmerksam. Die Dresdner stellen sich mit ihrem Melodic-Death-Metal á la Kalmah (passenderweise trägt der Sänger ein Shirt von selbiger Band) als guter Opener heraus. Sie animieren die etwa zur Hälfte gefüllte Zeltbühne ordentlich zum Mitmachen und begeistern sogar mit dem Hypocrisy-Cover „Eraser“.

Kommando 02072015 (1)Nach langem Soundcheck, der musikalischen Perfektionismus erahnen lässt, folgen KOMMANDO und sind, wenn man dem Shirtaufdruck des Sängers Glauben schenken darf, „Auf der Suche nach Krieg“! Schnell stellt sich heraus, dass sich die Soundakribik gelohnt hat und das wiederum halb gefüllte Zelt bekommt ein sauberes Spiel, geniale Drums und ordentlich Druck auf die Ohren. Die Stimme bleibt jedoch gewöhnungsbedürftig. Alles in allem sind Kommando sicher ein Vorgeschmack auf Dysangelium, welche zwei Tage später auf der selben Bühne auftreten werden, da über die Hälfte der Band auch dort vertreten ist.

Weiter geht die bunte Mischung mit den Duisburger Death-Metallern RESURRECTED, welche sich durch angenehm Ressurected 02072015 (12)melodische Drums und offensichtlichen Spaß bei der Sache auszeichnen. Sympathisch ist auch die interessante Gestik und Mimik der Musiker, welche erahnen lässt, dass diese vorm Spiegel geübt wurde und die Musik passend untermalen sollen.

Skanner 02072015 (17)Den Abschluss machen für diesen Abend die Italiener von SKANNERS. Hier wird der sich füllenden Zeltbühne der absolute Coolness-Overload und Stimmungsheber schlechthin geboten. Mit genialer Power-Metal-Stimme entlässt die Band die Zuschauer in einen endlich langsam abkühlenden „Feierabend“. Selbst ein kaputtes Pedal überspielen die Italiener gekonnt und improvisieren kurzerhand mit dem Publikum, welches das Schlagzeug mit Sprechgesang einfach imitiert. Manche Ansagen der Band waren zwar etwas unpassend, was der guten musikalischen Darbietung aber nicht negativ angelastet werden soll.

In der aufkommenden Dunkelheit wurde den Besuchern außerdem vor der „Bar zur Froschkotze“ eine gelungene Feuershow geboten. Diese bediente sich beispielsweise am „Requiem For A Dream“-Soundtrack und sorgte so für ein episches Highlight dieses Abends. Und wer es noch nicht weiß: Froschkotze ist ein geheimnisumwobenes Getränk, welches verdächtig nach Pfeffi und Milch schmeckt. Übel, aber scheinbar beliebt!

Freitag, 03.07.

Wer kein schattiges Plätzchen hatte und wer nicht langsam gebraten werden wollte, der kroch spätestens um sieben Uhr in der Frühe aus dem Zelt. Auch wenn man erst gegen fünf Uhr in seine Koje gefallen war, war Schlafen ab diesem Zeitpunkt nur mit stark erhöhtem Blutalkoholwert möglich, da bereits annähernd 30°C herrschten. Da SKELETHAL erst 13 Uhr die Hauptbühne einweihen sollten, blieb also genügend Zeit für einen Einkauf, ein entspanntes Dösen im Campingstuhl oder auch einen Gang zu den Duschanlagen des Festivals, welche sich hinter der Bühne befanden. Wobei „Duschanlagen“ ein sehr euphemistischer Begriff ist, da für über 1000 Besucher in der Höllenhitze nur eine Duschkabine zur Verfügung stand. Hier war also stundenlanges Anstehen die Devise und ab Tag 3 wurde dann kurzerhand die Wasserschläuche auch noch als Dusche verwendet, womit die Duschkabine eigentlich fast unbenutzbar wurde in den frühen Morgenstunden.

Hatte man dann allerdings bis 13 Uhr überlebt, waren die wiederum überpünktlichen SKELETHAL aus Frankreich zu Skelethal 03072015 (13)bewundern. Mit ihrer Adaption von Death Metal der 90er Jahre erstürmten die Jungspunde die Bühne und bliesen die noch vernebelten Köpfe der Zuhörerschaft frei. Gerne hätte die Band bis zum Abend einfach weiterspielen können, was den Musikern mit ihrer Ansage „Last song for tonight .. uhm.. today!“ wohl ähnlich ging. Vom Können her waren sie auf jeden Fall ein gelungener Start und hätten durchaus einen besseren Slot verdient.

Deathrite IFOA (6)Auch die Sachsen von DEATHRITE führen den Auftakt mit Death’n’Roll würdig fort und legen noch einen Zahn zu, was endlich größere Massen von Zuhörern zur Bühne lockte. Besonders rührend die Erinnerung des Sängers an die Festivalbesucher: „Es wird warm, vergesst nicht zu trinken!“.

Mit AGONIZE öffnet auch die Zeltbühne wieder ihr Tor. Die Dresdner locken mit ihrem Melodic-Agonize 03072015 (13)Death-Metal überraschend viele Zuhörer ins höllisch heiße Zelt und überspielen auch leichte Soundprobleme mit Humor und musikalischem Können. Eine etwas sarkastische Ader beweisen die Sachsen unter anderem mit Ansagen wie „Für die Ladies, die es etwas härter mögen nun ‚Bleeding for Pleasure'“. Nunja, Spaß gemacht hat es auch so, dennoch die Hitze im Zelt stellt eine besondere Herausforderung für Bands und Gäste dar.

Rectal Smegma (16)Auf der Hauptbühne geht es nun weiter mit RECTAL SMEGMA. Ein Bandname, der auf üblen Goregrind schließen lässt und ja – genau das hat die Band auch zu bieten und sorgt für den ersten echten Moshpit des IN FLAMMEN 2015. Die Menge hat sichtlich Spaß und es wird deutlich, dass all die bunten Vögel mit ihren Klobürsten-Zeptern und neonfarbenen Bademänteln nun ihre Lieblingsband gefunden haben. Mit äußerst kreativen Songtiteln (allein damit macht die Band schon Spaß) und einem groovigen Sound bilden RECTAL SMEGMA einen spaßigen Gig am Nachmittag.

Schnell zurück zum Zelt, wo mit WANDAR ein absolutes Kontrastprogramm geboten wird. Die Hallenser Wandar (20)Black Metaller sorgen für ausgiebiges Haareschwingen, was zu einem angenehm kühlen Lufthauch führt. Allerdings gibt es wieder Ärger mit dem Sound und eine Gitarre muss gleich zu Beginn ausgewechselt werden. Doch davon lassen sich Wandar nicht beirren und kämpfen weiter. Das Corpse Paint der Musiker rinnt in Strömen, aber beliebte Stücke wie „Waldgänger“ werden dennoch souverän gemeistert und das Publikum schafft es die Band noch zu der bekannten Zugabe „Fuckin‘ With Tears In My Eyes“ zu überreden.

Doomed IFOA (3)Schnell wieder zur Hauptbühne gehetzt können DOOMED bestaunt werden, welche ihrem Namen alle Ehre machen und auf düstere und tranceartige Atmosphäre setzen. Sehr stimmungsvoll und basslastig werden tragende Rhythmen nach draußen getragen, was tatsächlich kurz den Himmel zu verdunkeln scheint. Sonst ist es aber eher unspektakulär und nur für eingefleischte Fans.

Auf der kleinen Bühne treten derweil IRON WALRUS auf, welche sich ihre Sturmhauben mit iron walrusWalrosszahnaufdruck nicht nehmen lassen und ihr Programm souverän darbieten. Mit Songs wie „Judas“ und „The Answer“ vom frisch erschienenen Album „The Plague“ können die Musiker aus der Doom/Sludge Richtung nochmal einen neuen musikalischen Aspekt nach Torgau bringen und zumindest das Auftreten ist schon mal etwas erfrischendes und vor allem stilecht.

Hell Militia (27)Darauf folgt eines der größten Highlights des Festivals: Der Auftritt der Franzosen von HELL MILITIA. Mit Black Metal der Marke „Auf die Fresse“ beginnen die Musiker mit gewinnender Atmosphäre und steigern sich dann zu groovigen Rhythmen. Selbst Probleme mit den Drums werden im Spiel einfach ignoriert, obwohl mitten im Song das Mikro gewechselt oder weiter an den Drums geschraubt wird. Den Unmut darüber können auch die Franzosen nicht verbergen. So wird eine Wasserflasche gegen die Wand geworfen und es kann die These aufgestellt werden, dass der Sänger den Rekord für die höchste Anzahl an „Fuck!“-Ausrufen während eines Auftrittes innehält. Den absolut genialen Höhepunkt bildet das GG-Allin-Cover „Shoot Knife Strangle Beat & Crucify“. Hier werden unter anderem Musiker von Dysangelium und Nominon mit auf die Bühne gebeten, was Passagen wie „We are the real rock’n’roll Underground“ einfach nur absolute Gänsehaut auslösen lässt. Extrem genial!

Ebenso herausragend führen OUTRE aus Polen den Black-Metal-Abend fort und blasen mit den verdammt guten Drums imOutre (16) typischen Sound der polnischen BM-Welle die Ohren frei und ein paar atmosphärische Parts gibt es auch noch. Hier sind definitiv ein paar Newcomer am Werk, die es im Auge zu behalten gilt! Denn das Konzert hat schon einiges an Potenzial gezeigt.

stallionSTALLION aus Deutschland geben erneutes Kontrastprogramm mit klassischem Heavy Metal. Mit viel Gekreische und coolen Posen sorgen sie für Stimmung, machen allerdings auch auf unschöne Dinge aufmerksam. Der Sänger fordert dazu auf den Stinkefinger gegen Anwesende mit eindeutigen Symbolen zu heben und das Publikum zieht mit. Als daraufhin auch zwei Bierbecher auf die Bühne fliegen, kann man wohl sagen, dass da jemand einen Nerv getroffen hat. Doch die Party geht weiter und Stallion haben bis zum Schluss ein großartiges Konzert gegeben.

OPHIS laden im Folgenden ein zu einer Runde gediegenen Doom Death Metal. Die Hamburger nehmen sich viel Zeit für Stimmung und erzeugen fast schon tranceartige Zustände vor der Zeltbühne, jedoch ziehen viel mehr wieder zur Hauptbühne.

Denn da betreten nun die Schweden von Nominon die Bühne und es gibt wieder Old-School-Death-Metal auf die Ohren. Das Blut Nominon (6)im Gesicht sitzt, die Haare werden geschüttelt und der Sänger lässt es sich auch nicht nehmen gerne mal die Zunge rauszustrecken 😉 Die Stimmung bleibt jedenfalls am Kochen.

OVERLOAD hingegen sind der letzte Act in der Zeltbühne und viele Besucher trauen sich in das aufgeheizte Zelt, welches einer Sauna gleicht, gar nicht mehr hinein. Musikalisch bieten sie Thrash Metal, der den letzten Zuschauern noch einiges bietet. Doch ohne große Umschweife schließen sich die Tore der Zeltbühne.

Eyehategod (6)EYEHATEGOD schaffen es, den Platz vor der Bühne endlich mal richtig voll werden zu lassen und brillieren unter anderem mit einem reibungslosen Ablauf. Mit einem hardcorelastigen Gesang und generell einigen Core-Einflüssen kann die Band wiederum neue musikalische Aspekte in die Running Order bringen und begeistert die Zuhörer zusehends.

Die Partystimmung hält bei den Amerikanern von TERRORIZER an und mit ihrem Death-Grind-Mix Terrorizer (1)bringen diese nochmal Schwung in den Haufen. Auch hier kann wieder getrost von dem Leitsatz „der Name ist Programm“ ausgegangen werden.

DNS IFOA (11)Fast schon ehrfürchtig werden nun DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT erwartet, welche in absoluter Dunkelheit die Stimmung nochmal in eine ganz andere Richtung zu drehen wissen. Vollkommen in weiß glänzte Sängerin Onielar auf der Bühne vor einem imposanten umgedrehten Kreuz und hinter diversen Tierschädeln, bevor sie mit herrlich kalten Kreischen das Geschredder der Gitarren begleitete. Bekannte Songs wie „ Das All-Eine“ dürfen dabei nicht fehlen. Wem da als Black Metaller nicht das Herz aufging bzw. genüsslich einfror, dem ist nicht mehr zu helfen.

VADER müssen sicher nicht groß angepriesen werden und sind zurecht ein weiterer Headliner. Guter polnischer Death-Metal Vadermit routinierten Posen sorgen beim Publikum für den gewünschten Zuspruch. Und immerhin soundmäßig scheint hier alles zu passen. So spielen sie gut eine Stunde lang ein Set aus alten und neuen Songs und stellen damit ihr Publikum sehr zufrieden. Vader ist und bleibt eben Vader und auf die Band ist immer Verlass.

bömbersZum Abschluss eine Band, deren Mitglieder den Namen größer macht, als er eigentlich ist. Denn bei BÖMBERS handelt es sich um eine Motörhead-Tribute-Band, welche jedoch Musiker wie Abbath (Immortal) oder Tore (The Battalion , Studfaust) aufweist. Und wo Tribute drauf steht, da ist auch Tribute drin. So wird ein Motörhead-Song nach dem anderen zum Besten gegeben und das krönende Finale ist dabei „Ace Of Spades“. Natürlich wäre Abbath nicht er selbst, wenn er nicht die üblichen Posen, die man noch von „Call Of The Wintermoon“ im Gedächtnis hat, präsentieren würde. Ironischerweise sagte einer der anwesenden Gäste, dass dies besser war als jedes Motörhead-konzert, das er je gesehen hat. Warum auch nicht ?

Mit BÖMBERS endet die musikalische Reise am zweiten Tag des IN FLAMMEN 2015 und es kann sehnsüchtig in einen dritten Tag hinein gefeiert werden.

Samstag, 05.07.

carnationDer letzte Tag des Festivals startet wiederum um 13 Uhr, diesmal mit CARNATION. Die Drums der Belgier hauen in ordentlicher Death-Metal-Manier gehörig rein und können einige zum Haareschwingen überreden. Vom Hocker hauen kann das Ganze allerdings nicht und somit wird sich allgemein auf die Einladung des Festivals zu „Kaffee und Kuchen“ direkt auf dem Gelände gefreut.

Nach dieser familiären Pause geht es weiter mit TEMPLE OF OBLIVION, die klassischen deutschen Black Metal aufs geneigteTemple Of Oblivion (5) tinnitusgeplagte Ohr pfeffern und mit einem „Glück Auf“ die Gäste begrüßen. Was man hervorheben kann, ist die Bühnenshow mit Fahnenträgern, welche natürlich auch mit Corpsepaint versehen sind, und der gekonnte Einsatz von Samples im Hintergrund, welche dem Ganzen einen etwas künstlichen Anstrich verleihen. Musikalisch ist es okay und vor allem die Drums stechen heraus, aber es war sicher nicht der Knaller des Tages.

Funeralwhore (12)Da haben die Niederländer von FUNERAL WHORE mit ihrem klassischen Death Metal mehr zu bieten, welcher besonders gut von Gitarristin Kellie dargeboten wird. Weiterhin ist der neue Song „Only The Coffins Remain“ zu hören. Noch etwas schlaftrunken haben manche der Besucher schlichtweg ein paar Bänke vor der Bühne platziert, da die Beine sie wohl noch nicht so sicher tragen wollten, aber die Band sollte man einfach nicht verpassen.

Extrem genial geht es mit einer Portion Death-Thrash-Metal von HÄMMERHEAD weiter. Die belgischen Hammerhead (1)Jungs sehen aus wie aus den 80ern entsprungen und bringen stilecht das ohnehin schon stark überhitzte Zelt weiter zum Kochen. Absolutes Highlight ist insbesondere der Song „Apocalyptic Chaos“, welcher das Auftreten und die musikalische Quintessenz am besten ausdrückt. Diese Musiker verdienen definitiv mehr Aufmerksamkeit in Zukunft!

Mac Beth (3)Extrem sympathisch kommen die alten Death-Metal-Hasen von MACBETH daher und bolzen sich in die Herzen der Zuhörer. Hier bekommt man neben routiniert gutem Death-Metal-Geballer und angenehmen Gesang die mitunter besten Ansagen aller Zeiten zu hören. Das geht über „Gegen Kopfschmerzen haben wir einiges im Programm“ über „Der Drummer weiß nicht, was wir spielen, ich geh’s ihm mal sagen“ bis hin zu „Falls wir lethargisch wirken, liegt das daran, dass wir alt sind“. So macht das einfach Spaß! Und wenn dann noch geniale Songs wie „König der Henker“ Begeisterung auslöst, kann man sich als Zuhörer kaum mehr wünschen.

Zurück ins sächsische Black-Metal-Gefilde locken HUMANITAS ERROR EST. Die Band setzt vor allem Sängerin S CAEDES Humanitas (20)wirkungsvoll mit Blut und Corpse Paint in Szene. Zweistimmig bedienen die Leipziger jedes Black Metal Klischee und können dennoch auch musikalisch überzeugen. Trotzdem macht nicht nur den Musikern, sondern auch ihrem Equipment die Hitze zu schaffen und so entschließt sich ein Verstärker dazu, nach ein paar Minuten den Geist aufzugeben. So ist eine gute Leistung natürlich nur bedingt möglich. Insgesamt setzt die Band enorm viel auf Optik, vereinzelt ist aber noch Luft nach oben.

Maat IFOA (8)Musikalisch bleiben wir in Deutschland und können auf der Hauptbühne die Berliner von MAAT erleben, welche Death Metal mit ägyptischem Stil mixen und damit eine ganz eigensinnige Mischung schaffen. Insbesondere der Bass dröhnt enorm gut und obwohl die ägyptischen Gewänder nur zum Teil ihren Weg auf die Bühne gefunden haben, kann eine passende Stimmung erzeugt werden. Die Hitze erledigt dabei ihr übriges 😉

Ebenso stimmungsgeladen geht es mit den Leipzigern von GRABAK weiter, welche gleich ganze ScharenGrabak (7) von Fans aus der Heimat vor die Bühne locken. Diese beteiligen sich mit großen Einsatz an den Black-Metal-Klängen, die aus den Boxen schallen und bald ist das Zelt gut gefüllt. GRABAK begrüßen ihre Zuhörer mit „Willkommen in der Hölle“ und fassen damit die Stimmung gut zusammen: es ist verdammt heiß, alles tropft und man kann kaum noch stehen, aber das Konzert ist verdammt genial und zu Songs wie „Seelensammler“ verschmilzt das Publikum zu einer Masse. Definitiv einer der besten Auftritte dieses Festivals!

Cliteater IFOA (16)Mit CLITEATER begeben wir uns erneut in die Grind Ecke. Die Niederländer schaffen sich mit groovigen Rhythmen und einem so tief gegrowlten Gesang, dass er schon fast mit dem Instrumentarium verschmilzt, Gehör und begeistern die Reihen. Wiederum sind die Kandidaten mit Klobürsten-Zepter, Dino-Spielzeug und andere Spaßvögel, wie die meisten Festivals sie haben, ganz vorne mit dabei.

Vollkommen überraschend können im Folgenden GATEWAY TO SELFDESTRUCTION überzeugen. Mit leichter Verspätung legen die Zwickauer mit der unscheinbaren Frontfrau los, welche sogleich mit stimmlicher Größe auf die Kacke haut. Hier passt einfach alles zusammen: Eine hervorragende Mischung aus klassischem deutschen Black Metal und Depressive Rock kann mit dem weiblichen Kreischgesang so sehr Anklang finden, dass sich das zuvor eher spärlich bevölkerte Zelt schnell wieder zu füllen beginnt. Die Band freut sich offenkundig über so viel Zuspruch und dankt es dem Publikum mit dem äußerst gelungenen Katatonia-Cover „Brave“.

Dann folgt wohl ein Konzert, bei dem sich die Geister scheiden. Iron Thor betreten die Hauptbühne und wie der Name schonIron Thor (5) erahnen lässt, gibt es wieder klassischen Heavy Metal auf die Ohren. Nur Optisch bietet der Sänger noch einiges mehr. So schaut er aus, wie eine Mischung aus Flash Gordon und Conan, mit einer Panzer-Schulter und als es um Stahl geht, darf natürlich eine kleine Eisenstange nicht fehlen. Lustigerweise erkennt man daran noch das Preisschild. Nun ja, gewöhnungsbedürftig und dennoch einprägsam, denn auch eine Feuershow darf hierbei nicht fehlen. Wahrscheinlich ging es hier auch mehr um die Show als um die Musik an sich.

Dysangelium IFOA (11)Das Abschlusskonzert auf der Zeltbühne spielen in diesem Jahr die Kieler Black Metaller von DYSANGELIUM, welche sich zunehmender Beliebtheit erfreuen. Der Altar, welcher trotz der Hitze mit Kerzen, Schädeln und Weihrauch bestückt und aufgebaut wird, verleiht dem Ganzen eine gehörige Portion Authentizität. Obwohl die Show in der ganz und gar nicht okkulten Umgebung etwas unwirklich scheint und eigentlich nach Dunkelheit und Kälte schreit, können die Musiker vollends überzeugen. Selbstverständlich läuft das Corpsepaint bereits vor dem ersten Saitenschlag in Strömen und natürlich bekommt die erste Reihe auch ein paar liebevolle Blutspritzer von Sänger Sektarist Null ab. Insgesamt verläuft der Auftritt reibungslos und die fünf Musiker legen einen starken Auftritt hin.

Dachte man zu Beginn, dass der Zeitplan gut eingehalten wird, so wird spätestens beim auftritt von Attic klar, dass es an einer atticBühne zu deutlichen Verspätungen kam, wodurch die Gigs von Attic und Dysangelium sich komplett überschnitten. Dennoch wer rechtzeitig zurück zur Hauptbühne ging, sah eine Band, welche auf den ersten Blick, wie eine Black’n’Roll‘ Band wirkte. Doch die extrem hohe Stimme des Sängers erinnerte dann doch mehr an King Diamond. Kleine satanische Tribute gab es auch noch und wer dem Ganzen etwas abgewinnen konnte, der war sichtlich überzeugt vom Gig.

Omium Gatherum (2)Hiernach begeben wir uns mit OMNIUM GATHERUM ins finnische Gefilde, welche melodischen Death Metal mit eindeutig finnischer Note darbieten. Mit einem stimmungsvollen Intro leiten die Finnen ihren Auftritt ein, welcher der seit 1996 bestehenden Band gewohnt routiniert von den Fingern geht. Mit hingebungsvollem Keyboardspiel versuchen die Musiker mehr Leute vor die Bühne zu locken, welche überraschend spärlich gefüllt bleibt und Songs wie „Distance“ sich bewahrheiten lässt. Die Menge bleibt also etwas distanziert und der Auftritt kann nicht vollends überzeugen.

DARK FUNERAL haben zu Beginn mit Soundproblemen zu kämpfen, welche aber schnell behoben werden Dark Funeral IFOA (12)können. Dennoch bleiben auch bei Songs wie „Temple of Ahriman“ die Gitarren zu leise und das Schlagzeug ballert fröhlich und alles übertönend vor sich hin. Für einen der größeren Headliner dieses Festivals ist der Auftritt eher enttäuschend, da eine gute Bühnenshow und hämmernde Drums leider nicht alles sind. Dennoch sind die Zuschauerreihen sehr gut gefüllt und die Menge hat ihren Spaß, auch wenn Songs wie „My Funeral“ durch den miesen Sound nicht so ganz stark zur Geltung kommen. Erwähnenswert ist außerdem, dass es um 22 Uhr während des Auftritts immer noch extreme 33°C sind, was einfach auch die Freude an skandinavischem kalten Black Metal zu nehmen scheint.

Entombed (2)Weiter geht es mit ENTOMBED AD und damit bleibt es schwedisch. Die Band bringt unter anderem auch Songs vom ersten Album und kann die Menge damit ordentlich aufheizen. Eine sehr schöne Geste ist außerdem, dass Sänger L-G Petrov ein Shirt der ersten Band dieses Festivaltages (Carnation) trägt. Besonders viel Zuspruch erhält die Band beim Song „Left Hand Path“.

Als letzte Band betreten ANAAL NATHRAKH die Bühne, wobei natürlich der Sänger im Fotograben In Flammen 3 (121)vorweg wieder seinen eigenen Circle im Fotograben läuft, bevor er die Bühne erklimmt.Die Engländer haben wildes Chaos anzubieten und holen nochmals das Letzte aus den ausgelaugten Besuchern heraus. Mit ihrem Extreme Metal feuern die Musiker groovige Riffs und stampfende Beats in die Menge und bilden einen würdigen Abschluss des IN FLAMMEN OPEN 2015.

Das In Flammen bot genau das, was auf der Website angepriesen wurde – Nämlich die größte Gartenparty des Jahres. Wie eh und je kann die Veranstaltung sich eine sehr familiäre Atmosphäre zu Gute halten, welche für eine sehr entspannte Stimmung gesorgt hat. Leider ist durch die sehr offene Haltung der Veranstalter so mancher organisatorischer Schnitzer zustande gekommen. Beispielsweise war es am Sonntag oftmals nicht möglich, seine fünf Euro Müllpfand zurück zu erhalten, da schlichtweg kein Mitarbeiter vor Ort war. Sehr schade, da man so als Besucher mit einem bitteren Nachgeschmack auf den Heimweg entlassen wird. Weiterhin war eine einzelne eher spärlich Wasser liefernde Duschkabine etwas kläglich für ein Festival mit über 1000 Besuchern. Und beim Barpersonal hätte man die ein oder andere Schulung vorweg machen sollen, denn obwohl der Betrieb recht gering war, dauerte es oftmals recht lang bis man was zu trinken bekam. Die Soundprobleme wurden sicher genug erwähnt, wobei die Hitze da auch sicher einen Strich durch die Rechnung machte. Dennoch: Das kennt man von anderen Low-Budget-Festivals doch noch ein wenig besser organisiert.

Ebenso ließ die Security sich nur sehr selten blicken, was allerdings aufgrund der tatsächlich sehr friedlichen Stimmung auch nicht nötig war..

Wünschenswert wäre auch ein noch besserer Umgang mit der enormen Hitze dieses Wochenendes gewesen, da diese bereits Wochen im Voraus angekündigt worden war. Zwar war genügend Wasser für alle Besucher vorhanden und vor allem das Sani-Zelt wurde sehr gut betreut und den Helfern dort, kann man für ihre getane Arbeit nicht genug danken. Aber ob brühend heißer Gulasch und Nudeln die beste Wahl für einen Stand in 40°C Hitze ist, bleibt fraglich. Aber gut gegessen wurde es trotzdem und die Preise für das Essen waren durchaus fair. Seinen absoluten Jahresumsatz wird wahrscheinlich der einsame kleine Eismann gemacht haben, der brav seine Runden auf dem Gelände gefahren ist und allen eine süße Erfrischung bot.

Weiterhin prallten hier natürlich ganze Metalwelten aufeinander. Wenn Fans von Genres wie Grind-, Death- und Black Metal aufeinandertreffen, entsteht eine bunte Mischung, die sich vielleicht nicht immer bestens versteht. Im Allgemeinen macht das IN FLAMMEN den Eindruck eines typischen Spaß-Festivals, auf dem eben Männer in „lustigen“ knallbunten Kostümen als besonders lustig empfunden werden. Typisch ist an diesem Festival jedenfalls alles und nichts und wir sind uns sicher, dass aufgrund dieses ganz eigenwilligen Charmes auch noch ein 20. IN FLAMMEN OPEN AIR gefeiert werden wird.

In Zusammenarbeit mit Carolin Teubert

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